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Predigttext

Der unlimitierte Gott
11-07-10 09:37
Alter: 59 days


VON: U.HEUSS-RUMLER



Gottesdienst mit dem Team von lichtreich


Einstieg:

Mit einem Maßband den Altar abmessen, die Bibel, die Kerze. Länge jeweils ansagen. Den Pfarrer messen oder eine der anderen Akteure.

Dann auf die Kanzel gehen:

Alles auf dieser Welt hat eine Begrenzung. Theoretisch können wir bis unendlich zählen, praktisch hört es bei uns schon viel früher auf. Unser Leben hat einen Anfang und ein Ende. Unsere Kraft und unsere Fähigkeiten sind begrenzt. Trotzdem leben viele so, als gäbe es keine letzte Begrenzung in ihrem Leben und als wäre das Leben unendlich. Viele schieben so Entscheidungen vor sich her – man kann sie ja später immer noch fällen. Viele versäumen dadurch, Dinge zu tun, die ihnen später Leid tun. Viele versäumen das zu tun, was ihr Leben verändern würde. Viele Menschen leben mit unsichtbaren Mauern. Sie begrenzen ihr Leben und beschränken sich auf das, was sie kennen und zu „haben“ meinen. Da kommt nicht mehr so arg viel Neues – soll am besten auch gar nicht. Eine Schrebergartenidylle, die täuscht.

Begrenzung ist also das, was bewusst oder unbewusst ein maßgeblicher Faktor unseres Lebens ist. Das ist unsere, die menschliche Dimension.

Ich möchte heute von einer anderen Dimension sprechen, der Dimension Gottes. Der Gott, wie ihn die Bibel beschreibt, ist ein Gott, der keine Begrenzung hat. Er ist ein Gott ohne Limitation, ein Gott, für den alles möglich ist.

Einige Beispiele hierfür:

In Jeremia 32,27 heißt es: „Ich bin der Herr, der Gott aller Menschen. Sollte mir etwas unmöglich sein?“ Jerusalem stand kurz vor der Eroberung durch die Babylonier. Gott verspricht dem Volk Freiheit, er verspricht, es wieder gut zu machen, denn für ihn gibt es kein „unmöglich“. Und so geschieht es später dann auch.

Jesus sagt in Bezug auf eine Situation, die für seine Freunde aussichtslos erscheint: „Wenn es auf die Menschen ankommt, ist es unmöglich, aber für Gott ist alles möglich.“ Mt. 19.26

Als die Jünger auf dem See Genezareth im Sturm fast ertrinken, steht Jesus auf, streckt seine Hand aus und gebietet dem Sturm, zu verstummen. Und es geschieht. „Da befiel die Jünger große Furcht und sie fragten sich: „Wer ist das nur, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen!“

Gott ist in diesen Beispielen souverän im Blick auf die menschlichen Unmöglichkeiten! Bei Gott gibt es immer ein „dennoch“ und einen Ausweg, auch wenn er noch so klein erscheint.

„Ja, wenn ich nur einmal in der Situation gewesen wäre wie die Jünger damals – ich würde nicht an der Macht und Größe Gottes zweifeln“, aber so...? Ich bin so weit weg davon!“ Ein Mitstudent meines Theologiestudiums sagte einmal den für mich unvergesslichen Satz: „Ich kann sehr gut für den Hunger der Welt beten und glaube uneingeschränkt, dass Gott da handeln kann, aber es fällt mir schwer zu vertrauen, dass er das auch in meinen alltäglichen konkreten Kleinigkeiten tun kann.“

Das eine ist weit weg von meinem täglichen Leben. Da glaube ich uneingeschränkt an Gottes Macht, aber hier und jetzt in meinem kleinen Leben??? Wo erweist sich Gott denn da als souverän? Wo erfahre ich, dass ihm nichts unmöglich ist?

Andere Menschen denken: „Ich sehe in meinem Umfeld und in der Welt fast nichts von der Souveränität und Allmächtigkeit Gottes. Denn wäre es so, gäbe es sehr viel weniger und vielleicht sogar überhaupt keinen Hunger, keine Gewalt, keinen Krieg und keine Tränen.“ Damals mag Gott ja gehandelt haben, den Menschen fiel es damals auch noch viel leichter, an ihn zu glauben --- aber heute???“

Mit beiden Aussagen grenzen wir Gott ein. Wir ziehen eine Mauer um ihn (Folie 3) und legen ihn fest auf das, was WIR sehen und glauben und das, was WIR ihm zutrauen. Wir begrenzen Gott auf die Vergangenheit, wir begrenzen Gott auf die Menschen weit weg von uns, wir begrenzen ihn genau auf die Maße unserer persönlichen Grenzen. Dieser Gott tut nicht weh, aber er bewirkt auch nichts. Ob man an ihn glaubt oder nicht hat so gut wie keine Auswirkung aufs eigene Leben.

Aber wenn es so wäre, würde die Bibel nicht das Gegenteil davon behaupten. Dann würden solche Sätze nicht da stehen, und zwar Sätze, die im konkreten Zusammenhang mit einer Lebenssituation stehen, in der sich Menschen befanden.

Darum möchte ich jetzt fragen: Was bedeutet es, einen unbegrenzten Gott zu haben? Wie und wann kann ich das erleben und was hat das für Auswirkungen auf mein Leben?

Dazu möchte ich erst einmal auf eine sehr bekannte Geschichte zurückgreifen: Der Rettung des Volkes Israel aus Ägypten, bis heute eine Schlüsselgeschichte der Juden und Christen.

Als das Volk Israel aus Ägypten ausziehen durfte, hatte es viele Unmöglichkeiten bereits hinter sich gebracht. Nun waren sie endlich frei, sie waren losgezogen, heraus aus dem Land, in dem sie viele Jahre als Sklaven gedient hatten. Sie zogen aber auch heraus aus einem Land und einem Leben, das sie kannten. Sie kannten sich aus in den armseligen Hütten, sie kannten sich aus mit den Sklaventreibern, sie wussten, was sie arbeiten mussten und sie wussten, dass sie zwar wenig, aber immerhin etwas zu essen bekommen würden. Das alles lag nun hinter ihnen. Vor ihnen lag nichts als das Versprechen Gottes, sie in ein gutes Land zu führen. Vor ihnen lag die Wüste. Und vor ihnen lag das Schilfmeer. Da merken sie, dass ihre Vergangenheit sie einholt: Die Ägypter sind hinter ihnen her! Sie wollen sie zurückholen und wieder zu Sklaven machen. Vor ihnen das Schilfmeer und hinter ihnen die Ägypter. Ein riesiges Problem, scheinbar unüberwindbar.

Entsprechend reagieren die Israeliten. Sie klagen Moses an und sagen: „Hast du uns aus Ägypten geführt, damit wir hier in der Wüste sterben? Gab es in Ägypten keine Gräber? Wozu hast du uns von dort weggeführt? Haben wir nicht gleich gesagt, du sollst uns in Ruhe lassen, wir wollen lieber den Ägyptern dienen? Wir wären besser Sklaven in Ägypten, als dass wir hier in der Wüste umkommen!“

Übersetzt kann das heißen: Da waren zwar Mauern und Beschränkungen in unserem Leben, aber wir wussten wenigstens, wo wir dran waren. Wir haben Gott nur wenig erlebt, aber wir hatten schon unseren eigenen kleinen Glauben an ihn und immerhin sind wir dort nicht massenweise umgekommen. Es ist doch viel besser, im eigenen limitierten kleinen Leben zu bleiben, als sich auf den Weg zu machen und dann vor unüberwindbaren Hindernissen zu stehen!

Was daraufhin geschieht liest sich sehr leicht: „Das Wasser teilte sich vor den Israeliten und sie zogen trockenen Fußes hindurch. Die Ägypter hingegen wurden von den Wassermassen überrascht und ertranken vor den Augen der Israeliten.

Es liest sich leicht:

Da ist ein Problem.

Gott greift ein.

Das Problem ist gelöst und alles ist gut.

Eine „Kleinigkeit“ wird dabei übersehen: Die Israeliten mussten nämlich durch das Meer hindurch gehen. Sie mussten LOSGEHEN. Wären sie stehen geblieben, hätten die Ägypter sie überwältigt. Sie mussten das Wagnis eingehen und zwischen den Wassermauern hindurch gehen. Wenn man sich das ganz konkret vorstellt, wird es vielleicht verständlicher, dass den weniger Mutigen unter den Israeliten das Herz in die Hose gerutscht ist. Da hindurch? Vielleicht war das nur eine Fata Morgana? Hielt der Boden oder würden sie versinken? Erfahren konnten sie das nur, wenn sie losgingen. Und sie hatten keine andere Wahl, also taten sie es.

Viele möchten Gottes Macht erleben, bevor die Probleme gelöst sind. Sie möchten gerne eine Versicherung haben, dass es gelingen wird. Sie möchten vorher schon wissen, dass es wirklich auch gut ausgehen wird. Sie wollen ein Vertrauen mit Garantie.

• Kann ich diesen Mann / diese Frau wirklich heiraten?

• Ist das der richtige Beruf oder das richtige Studium, das ich gewählt habe?

• Habe ich die richtigen Kurse in der Schule gewählt?

Gott, nur eine klitzekleine Garantie in Form eines Briefes vom Himmel, das würde mir schon helfen, dir bedingungslos zu vertrauen…

 

Erst im Losgehen merken die Israeliten, dass der Boden unter ihnen hält und die Wassermassen sie nicht überrollen. Sie müssen den ersten Schritt tun. Sie müssen in Bewegung bleiben.

40 Jahre später ist es wieder soweit. Moses hat Josua die Führungsgeschäfte übergeben und Josua soll nun das Volk ins verheißene Land führen. Dieselbe Situation: Vor ihnen ist der Jordan, übrigens ein ziemlich kleiner Fluss, eher ein Flüsschen. Aber es ist Frühling, der Fluss ist über die Ufer gegangen und Gott mutet ihnen wieder zu, durch diesen Fluss hindurch zu ziehen. Niemand ist mehr hinter ihnen her. Da ist nur die Wüste, der Ort, den die nachgewachsene Generation kennt. Aber es ist dennoch eine ähnliche Situation: Es geht ins Neue, ins Unbekannte. Dieses Mal gehen die Priester voran, die die Bundeslade tragen. Die Bundeslade ist der Ort der Gegenwart Gottes. Sie gehen ins Wasser, während es noch fließt. Das Wasser hat sich vor ihnen noch nicht geteilt. Ihre Füße werden nass! Erst als sie die Füße ins Wasser gesetzt haben, weicht das Wasser vor ihnen zurück. Erst als sie den ersten Schritt des Vertrauens getan haben, passiert das Wunder. Unter der Gegenwart Gottes kommt das Volk Israel sicher am anderen Ufer an.

Beide Geschichten weisen eine Wahrheit auf: Erst im Losgehen erfahre ich, dass das Seil hält. Erst im Losgehen merke ich, dass ich getragen bin und dass der Boden unter mir fest bleibt.

Darum: Sei mutig!!! Was ist also zu tun?

1. Tue den ersten Schritt

Manchmal spürt man, dass man in eine bestimmte Richtung gehen sollte, beruflich oder persönlich – vielleicht auch in der Entscheidung, sich einmal auf diesen Gott einzulassen. Wenn dem so ist, dann gehen Sie dem inneren Eindruck nach. Gott kann man nur erleben, wenn man ihm die Chance gibt. Viele gehen aus Angst vor dem Neuen oder Anderen erst gar nicht los. Das, was ich jetzt habe, kenne ich ja und ich bleibe lieber da, als dass ich ein Risiko eingehe. „Leiden ist einfacher als Lösen“ hat ein Psychotherapeut mal gesagt. Da bleibt man doch lieber in seinen altbekannten zerstörerischen Strukturen als sich auf den Weg zu machen. Loszugehen bedeutet, aus der Opferhaltung heraus zu kommen. Loszugehen heißt, zu handeln. (Folie 6: Losgehen heißt…)Es bedeutet, sein Leben in die Hand zu nehmen. Aber wir sind dabei nicht allein: Wir haben einen großen und mächtigen Gott, der uns hilft. Er wirkt ins uns. Er bewirkt etwas um uns herum. Wir erleben, dass da ein Weg ist. Wir erfahren Gott im Losgehen.

 

2. Bleibe in Bewegung

Viele verlieren den Mut. Den Mut verliert man am ehesten dann, wenn man zurückschaut. Genau das haben die Israeliten auch immer wieder getan. Auf einmal erschien ihnen die Zeit der Sklaverei in Ägypten wie das Paradies. Hätten sie es doch nie verlassen. Das Versprechen Gottes, sie zu begleiten und in ein GUTES Land zu führen, verblasst, verliert an Wirkung. Sie glauben nicht. Und das wirft sie tatsächlich zurück.

Wenn der erste Schritt getan ist, ist schon viel passiert. Aber dann muss man weitergehen. Vielleicht haben Sie einen Konflikt mit einer anderen Person und denken: „Ich kann das nicht! Ich kann nicht auf den anderen zugehen, um mich mit ihm zu versöhnen. Ich schaffe das nicht! Soll der andere doch auf mich zukommen.“

„Ich kann alles tun durch Christus, der mir die Kraft gibt.“, sagt Paulus. Paulus ist wahrlich viele Wege ins Ungewisse gegangen. Er weiß, wovon er spricht. Gehen Sie los und tun Sie den ersten Schritt. Gehen Sie ans Telefon und rufen Sie die Person an, mit der Sie im Streit sind. Und wenn der Weg zum Telefon so weit erscheint wie bei einem Marathon, gehen Sie ihn und wiederholen Sie immer wieder die Worte. „Ich kann alles tun durch Christus, der mir die Kraft gibt.“

Geh los! Glaube an das, was dir gesagt ist! Sei kein Opfer, dem willenlos passiert, was da passiert. Nimm die Situation in die Hand und arbeite an dem, was DU tun kannst! Das geht nicht immer, aber öfter, als man selbst annimmt.

 

3. Vertraue darauf, dass der Weg trocken ist!

Geh los und sieh, was Gott TUT!

„Wenn GOTT für uns ist, WER kann gegen uns sein?“ Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn er uns aber seinen Sohn geschenkt hat, wird er uns dann noch irgendetwas vorenthalten?“ schreibt Paulus im Römerbrief. Römer 8,31, 32

Woher nimmt er diese Souveränität? Aus seinem Vertrauen auf diesen Gott, der sich selbst geschenkt hat. Aus seiner Zuversicht, dass da ein Gott ist, der mächtig genug ist, ihn bis ans Ende zu begleiten. An den Gott, der niemanden fallen lässt, der IHM das Vertrauen schenkt.

Geh los und sieh, was Gott TUT!

 

4. Und wenn ich es alleine nicht schaffe?

Sicherlich gibt es Lebenssituationen, die sich nicht einfach so lösen lassen. Manchmal weiß man wirklich gar nicht, wie man das hinauskommen kann und man sieht überhaupt keinen Weg. Da sind nur Dunkelheit und Angst.

Manchmal, anfangs vielleicht sogar oft, braucht man Hilfe, um diesen ersten oder die weiteren Schritte zu schaffen. Da ist der erste Schritt, es sich einzugestehen: Ich schaffe das nicht allein.

• Da heißt es dann vielleicht, dass man losgeht und mit einer Person des Vertrauens spricht.

• Seelsorge ist so eine Möglichkeit.

• Die Sprechzeit in der Kirche

• Ein Mitarbeiter / eine Mitarbeiterin vom Konfiunterricht.

• „Stand up“ in Solingen – eine christliche Beratungsstelle.

Nein, es ist KEIN Versagen, sich einzugestehen, dass man in der einen oder anderen Sache Hilfe braucht. Das ist der erste Schritt heraus aus der Krise. Und damit wären wir wieder bei Punkt 1!

 

Mit einem schönen Bild von Siger Köder möchte ich meine Predigt abschließen.

Der König David hat in den Psalmen eindrückliche Bilder gebraucht, um sein Vertrauen auf Gott auszudrücken. Eines davon ist das, was ich Ihnen und euch zum Schluss zeigen möchte:

 

Mit meinem Gott kann ich Wälle zerschlagen.

Mit meinem Gott springe ich über Mauern. Psalm 18

 

Nehmen Sie sich zu Hause mal etwas Zeit und überlegen Sie, welche Mauer es für Sie demnächst zu „überspringen“ gibt. Schreiben Sie es sich auf. Sagen Sie sich selbst: „Ich kann alles tun durch Christus, der mir die Kraft gibt.“ Oder Wenn GOTT für mich ist, WER kann gegen mich sein?“

Ich wünsche Ihnen und euch gute Erfahrungen mit dem unlimitierten Gott!

 

Copyright: Urte Heuß-Rumler, Jesus-lebt-Kirche Burgaltendorf, Essen 11.7.2010

 

 








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