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Predigttext

Nichts ist bei Gott unmöglich
02-01-10 18:00
Alter: 250 days


VON: TH.ENZNER



Predigt zum Jahresabschluss am 31.12.: Rückblick auf die Jahreslosung 2009 - Lukas 18,27 : Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.


Die Gefahr des Reichtums (»Der reiche Jüngling«)

 

18 Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?

19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.

20 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!«

21 Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf.

22 Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!

23 Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich.

24 Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes!

25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.

26 Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden?

 

27 Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. (Jahreslosung 2009)

………………………

 

Liebe Gemeinde,

 

wie oft fällt eigentlich bei uns das Wort ‚unmöglich’? – Sehr oft.

Es kommt sehr oft in unseren Bewertungen für andre vor:

-Das ist ja unmöglich, wie du aussiehst.

-Die Kinder benehmen sich ja wieder mal unmöglich.

-Das ist ja unmöglich, was sich der und der –sie wissen schon wer.. – wieder geleistet hat.

-Unmöglich, was die Politiker uns zum neuen Jahr zumuten.

 

Schnell sind wir mit diesen Urteilen da…

 

Unmöglich! – dieses Urteil meint: da ist eine Grenze überschritten.

Vor der Grenze ist Anstand, Fairness, Normalität – und dahinter ist die Unmoral, die Gemeinheit und all die schlimmen Sachen…

 

Wir sind erbost Wir sind entrüstet. Wir ereifern uns. Wir werden sauer.

Aber wenn wir mal bei dem Wort bleiben, müssen wir auch eingestehen, dass wir selber auch im letzten Jahr hier und da unmöglich waren. Das Urteil wendet sich gegen uns.

-Wir haben unmöglich ausgesehen, wir haben uns unmöglich benommen …

-Wir sind nicht immer in der Spur dessen geblieben, was gut und gängig war…

-Wenn wir daran jetzt denken, schütteln wir über uns selbst den Kopf – ‚Unmöglich..’

 

Auch vor Gott waren wir unmöglich gewesen…

Wir haben ihm keine Ehre gebracht. Haben reihenweise seine Weisungen übertreten.

 

Wie oft haben wir die Gebote hier im Gottesdienst gehört – und doch ertappen wir uns dabei, dass wir danebenliegen, ja, dass wir die Gebote für unsre Zwecke missbraucht haben.

Dem andern immer wieder vorgehalten haben, aber selbst ziemlich locker damit umgegangen sind.

 

So ist Manches uns am Jahresende ziemlich peinlich. Wir schämen uns, möchten die Erinnerung an diese Unmöglichkeiten wegdrücken…

 

Und wenn wir nach vorne ins Jahr 2010 schauen: unsre Pläne, Termine, Prüfungen, Vorhaben – da türmen sich Berge auf – und wir sind geneigt, auch diesen Bergen den Stempel ‚unmöglich’ aufzudrücken. Unmöglich, da drüber zu kommen. Ich weiß nicht, wie das gehen soll, unmöglich.

 

Oder ganz ähnlich noch in größeren, globalen Zusammenhängen:

Manches erscheint uns heute unmöglich:

- zB die Klimaerwärmung zu stoppen.

- zB die Rekordverschuldung zu stoppen.

- zB einen Frieden zwischen Israel und Palästinensern herzustellen.

- zB Terror der Islamisten einzudämmen.

 

‚Unmöglich’ – dieses Wort zeigt unsre menschlichen Begrenztheiten..

 

Eine persönliche Frage für jeden von uns:

- Wo sind meine, deine, ihre und unsre Unmöglichkeiten gewesen?

- Oder wo starren wir kommende Unmöglichkeiten an?

………

 

Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich – sagt Jesus.

 

Gottes Möglichkeiten übersteigen unsre Grenzen – das allerdings ist schwer zu glauben.

 

Die Werbung nimmt den Mund sehr voll und verspricht oft Unmögliches, zB:

‚Toyota – nichts ist unmöglich.’

 

Oder auch der flotte Bürospruch:, Unmögliches wird sofort erledigt. Wunder dauern etwas länger..“

Alles sehr vollmundig…

 

Es ist zu begrüßen, wenn der technische Fortschritt weitergeht, und wir Dinge, die gestern noch technisch unmöglich waren, heute schon ausführen können…

 

Aber ganz gilt es für uns Menschen wie auch für Toyota nicht – dass alles möglich ist!

Manches entzieht sich den menschlichen Möglichkeiten…

 

Wir Menschen denken vom Machen her. Wir wollen gestalten, managen, steuern…

In dem Wort managen steckt das lateinische ‚manus’: Hand.

Der Mensch will es mit seiner Hand steuern, managen. Dahinter steckt das Denken: Irgendwie ist alles machbar..

 

Die wichtigsten Dinge des Lebens sind aber nicht machbar:

- Liebe, Glück, Lebendigkeit, Glaube, Vertrauen, Frieden, Versöhnung …

Es gibt einfach Dinge, die für unseren menschlichen Machbarkeitswahn unverfügbar sind.

………..

 

Der Jahreslosungsvers von 2009 steht zudem in einem bestimmten Kontext mit dem Stichwort Reichtum – was die Sache noch verschärft:

Bestimmte Dinge sind für den Reichen, für die Reichen, für uns Reiche, schlichtweg unvorstellbar und wir sagen: Unmöglich!!

Unmöglich und undenkbar, dass wir etwa unser Vermögen, unser Kapital verschenken…

 

Im Lukasevangelium stehen übrigens viele Mahnungen, wo vor der Gefahr des Reichtums gewarnt wird – unter anderem auch hier. Jesus mahnt damit, dass wir nicht durch Reichtum uns einengen lassen – in dem Wahn, nun alles in die eigene Hand nehmen zu können und gestalten zu können, weil wir genügend Geld haben.

 

Reichtum verblendet, macht blind für manche Dinge … auch für Gottes Möglichkeiten.

 

Wir wissen, Liebe macht blind – aber Reichtum macht auch blind!

 

Denn Reichtum mausert sich unter der Hand als etwas, was immer mehr beansprucht, angespornt durch Neid, Gier, Habsucht – dreht sich alles immer mehr um den Götzen Geld. Dieser Götze suggeriert, man könnte die Welt und den Alltag schöner und glücklicher gestalten, wenn man nur genug davon hätte.

 

Reichtum trübt die Wahrnehmung. Der Reiche erkennt nur schwer, wie großartig die Weihnachtsbotschaft ist, dass Gott arm und klein und schwach – also Mensch – wurde.

Er erkennt nur schwer, welch großes Geschenk es ist, dass Gott seinen Reichtum und Glanz abgelegt hat – um uns zu begegnen, damit wir reich würden an Vergebung, Glauben, Dankbarkeit.

 

Das ist nun die gute Botschaft: Bei Gott ist alles möglich!

-Es ist möglich, dass eine uralte Sarah noch ein Kind bekommt.

-Es ist möglich, dass die unfruchtbare Elisabeth einen Johannes bekommt.

-Es ist möglich, dass Blinde sehen und Lahme wieder gehen können.

- Es ist möglich, dass ein Prophet von einem großen Fisch verschluckt wird, damit er wohlbehalten an sein Ziel kommt.

- Es ist möglich, dass harte Herzen wieder weich werden.

-Es ist möglich, dass der reiche Zachäus freigebig wird.

- Es ist möglich, dass ein Toter wieder zum Leben zurückfindet.

-Es ist möglich gewesen, dass Jesus auferweckt wurde.

 

-Es ist möglich, dass bei Gott wunderbare, ja verrückte Dinge geschehen

-Es ist möglich gewesen, dass eine friedliche Revolution vor 20 Jahren bei uns geschah und zur Einheit führte.

-Es ist möglich, dass Bruchstücke unsres kaputten Lebens sich so fügen, dass etwas Gutes daraus werden kann.

 

Blaise Pascal hat einmal gesagt: „Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz hinhalten!“

 

Gott ist Experte für Unmögliches!

 

Wo bei uns die Grenze der Vorstellbarkeit und der Machbarkeit ist, da ist für Gott überhaupt noch keine Grenze. Wenn wir Gott unsere Bruchstücke, unser oft unmögliches Leben ganz hinhalten, dann kann er etwas Gutes daraus machen.

Gott ist der Experte für Unmögliches – auch für uns reiche Menschen – aber wir müssen unser bruchstückhaftes Leben ihm hinhalten, dass er mit diesen Stücken etwas machen kann.

 

Das fordert unsern Glauben sehr heraus..

Ähnlich wie bei Petrus, der auf Jesu Ruf hin aus dem Boot und auf dem Wasser gehen sollte.

 

Wollen wir es unserem Gott zutrauen, dass bei ihm Unmögliches geschehen kann?

 

Ich wünsche uns, dass wir ins neue Jahr getrost gehen können – an Gottes Hand – und schließe darum mit einem Wort eines chinesischen Christen:

 

„Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte des neuen Jahres stand: Gib mir ein Licht, damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgehen kann! Aber der Engel antwortete: Geh nur hinein in die Dunkelheit und lege deine Hände in die Hand Gottes! Das ist besser als ein Licht und sicherer als ein bekannter Weg! „ Amen.

………….

 

Wir singen nun EG 58, 1-3 und 11-5 Nun lasst uns gehen und treten…

 

 








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