Ansprache zur Christvesper Hl.Abend 17Uhr
Liebe Gemeinde,
(Ein Suchen ohne Ende?)
unser Alltag ist immer wieder durchzogen vom Suchen…
-Wir suchen den Schlüsselbund – und: wenig später. ’..ach ja, da ist er ja!’
-Wir suchen den verlegten Einkaufszettel – und haben ihn schon längst in der Tasche.
-Wir suchen verlegen die Namen:’Wie heißt er noch gleich…?’ – Und mit einem kleinen Tipp kommen wir auf den Namen.
-Manche suchen nach einem geliebten Menschen oder dem geliebten Kind.
Kennen sie noch die Tragik um die kleine Maddie?
Um die verzweifelte Suche nach dem kleinen Kind, das vor zweieinhalb Jahren rätselhaft in Portugal verschwunden ist oder verschleppt wurde?
Seitdem Maddie verschwunden ist, hat sich das Leben der Eltern komplett verändert.
Alles ist von dieser Suche nach dem Kind geprägt. Neuerdings haben die Eltern zusammen mit der Polizei ein Fahndungsvideo herausgebracht, das jeder im Internet ansehen kann: Titel: ‚Eine Minute für Madeleine’.
In Computersimulation wird gezeigt, wie das heute 6-jährige Mädchen aussehen könnte. In diesem Video wird an Entführer oder Mitwisser appelliert. Und es heißt darin: „Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun. Jede Kleinigkeit könnte wichtig sein.“.
Für mich ein eindrückliches Beispiel, wie sehr wir Menschen doch nach den wirklich wichtigen Dingen suchen – und dabei alle Mittel einsetzen.
Wir suchen hinter vielen Dingen oft noch mehr – und merken das an einer inneren Unruhe. Unruhig suchen wir z.B. nach Sinn und Ziel –wissen aber nicht ganz genau, was das sein wird. Manche Menschen suchen und verzehren sich in ihren Gedanken und Fragen – einfach von dem Grundgefühl her: ‚Es muss doch noch mehr geben als nur der monotone Alltag’ Oder: ‚Es muss doch noch mehr geben als Zimtsterne, Weihnachtsmann und Geschenke..’
- Die Bibel (Matth. 2) erzählt von Sterndeutern. Sie suchen am Himmel einen tieferen Sinn und fragen sich, was das mit dem hellen, besonderen Stern zu bedeuten habe – und sie nehmen dabei eine große Reise in Kauf.
- Die Hirten auf dem Feld suchen tief in ihrem Herzen ein besseres Leben – ihr Alltag ist herb und stumpf und monoton.
Manchmal kommt unser Suchen dann auch zum Ziel – und wir sind überglücklich.
Schon die kleinen Dinge – der wiedergefundene Schlüssel, die wiedergefundene Kreditkarte erfreuen uns. Noch mehr die wiedergefundenen Beziehungen zu Menschen.
Vor kurzem stand in der Zeitung, wie eine Suche nach einem alten Menschen, der sich an der Stadtgrenze von Essen verirrte, glücklich zum Ende kam. Ich staunte über das Aufgebot dieser Suchaktion: Hundertschaften von Polizei durchkämmten das Gebiet, Suchhunde wurden auf die Spur gesetzt, ein Suchhubschrauber mit Wärmebildkamera kreiste stundenlang über dem Gebiet, - schließlich wurde der alte Mann gefunden, zwar unterkühlt, aber doch lebend.
Was suchen Sie eigentlich hier im Gottesdienst?
Plätzchen und Lebkuchen gibt es nicht, Glühwein auch nicht, zu kaufen haben wir auch nichts. Suchen wir so eine selige Weihnachtsstimmung aus der Kindheit, so einen Weihnachtszauber, eine kindliche Weihnachtswonne?
Suchen wir eine Art Weihnachtsfeier, die wir aber schlecht beschreiben können?
Was suchen wir eigentlich?
Ich möchte Ihnen ein Gedicht vorlesen, das treffend die gängige Stimmung beschreibt:
„Keine Firma ohne Feier / kein Büro und auch kein Heim.
Überall dieselbe Feier/ überall derselbe Reim.
Ob Verein, Behörde, Schule /, überall dieselbe Spule:
Weihnachtsbäume, Engelshaar,/ sanfte Reden Jahr für Jahr.
Phrasen, Rührung, dann Bescherung,/ amtliche Gesichtsverklärung,
Propaganda, Unterhaltung,/ ziemlich große Lärmentfaltung,
Kaffee, Rauch- und Stollenduft in dem Saal der hundert Kerzen/
und der sonst so harten Herzen:
‚Weihnachtsinflation’ - ganz am Rande: Gottes Sohn.“
…………
Irgendwie spüren wir eine Weihnachtsinflation – viele suchen darin aber das Eigentliche.
Was am Rande nur erwähnt wird, das soll hier und jetzt in die Mitte: Gottes Sohn.
Eine Weihnachtsfeier für Gottes Sohn – für seine Geburt.
Eine Feier für das Wunder der Menschwerdung Gottes.
Das ist natürlich vom Pfarrer schnell so gesagt. Aber sie werden ja nicht einfach so glauben, was ein Pfarrer sagt. ‚Der kann ja leicht reden – und dabei das Blaue vom Himmel herunter behaupten’, denken sich vielleicht manche.
(Ein Zeichen, das wir brauchen!)
Darum brauchen wir auf unsrer Suche Anhaltspunkte und Zeichen.
Zeichen befeuern unsre Suche und Leidenschaft.
Zeichen geben Orientierung, sie bündeln unsre Aufmerksamkeit in eine bestimmte Richtung.
Die Eltern der kleinen Maddie würden sich nicht so investieren, wenn sie nicht Zeichen hätten, die auf eine Entführung hin deuteten.
Wenn wir eine Suchaktion durchführen, dann sammeln wir Anhaltspunkte: ‚Wann wurde das Objekt zuletzt gesehen? Was haben wir seitdem gemacht? Sind Hinweise auch zuverlässig? So ist es auch mit unserer Sehnsucht nach Weihnachten.
Liebe Gemeinde,
nun ist Weihnachten auch mit Zeichen aufgeladen…Man muss sie nur sehen …
Schauen sie auf das Blatt hier – die drei Tannenbäume, sie sind auch wie Zeichen zum Himmel. Die Spitzen der Tannenbäume zeigen pfeilartig in den Himmel.
Wie ein kleiner Tipp für den gewogenen Betrachter: das Ziel der Weihnachtssuche findest du nur im Himmel…
Schön, wenn wir so einen Baum wie hier schmücken.
Schön, wenn die Kerzen drauf brennen.
Aber am schönsten ist es, wenn wir den Zusammenhang nach oben erkennen…
Für die Sterndeuter übrigens gab es, wie schon gesagt, ein kräftiges Zeichen: ein besonderer Stern am Himmel. Sie fragen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen … und sind gekommen, ihn anzubeten.“ (Matth.2,2).
Den hellen Stern hatten sie mit einer bestimmten Verheißung in Verbindung gebracht und suchten nun – noch intensiver als vorher – nach dem verheißenen König in Israel. Schließlich fanden sie ihn in Bethlehem. Sie brachten dem Jesuskind ihre Geschenke.
Die Hirten bekamen auch ein kräftiges Zeichen, die seltsam-schöne Engelserscheinung am Himmel - ein Zeichen, dass Gott sie nicht vergessen hat. Sie wurden angesprochen und sie hörten: „... das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Lukas 2, 12; Übertragung: Und daran werdet ihr ihn erkennen: Das Kind liegt, in Windeln gewickelt, in einer Futterkrippe; Erkennungszeichen für den Gottessohn)
In einem Psalm (86,17) hat König David ein Bitte an Gott.
Er betet: „Tu ein Zeichen an mir, dass du es gut mit mir meinst..!“
Wieder eine persönliche Frage an sie: ‚Glauben Sie, dass es Gott gut mit ihnen meint?’
Manchmal dürfen wir Gott um ein Zeichen, einen Wink, einen Hinweis bitten. Er gibt uns hier und da Hinweise und Zeichen. Wir müssen sie nur erbitten und erwarten. Manchmal sind sie in Alltäglichkeiten versteckt…
Viele Menschen glauben, dass es Gott nicht gut mit ihnen meint.
Viele denken, Gott gönnt ihnen nichts, sondern er raubt ihnen Lebensfreude und er legt Lasten auf, die zu schwer sind. Aber so ist es nicht.
Im Gegenteil: Gott meint es gut mit uns. Er gibt gerne Zeichen, dass er’s gut meint mit uns, auch wenn wir Widerwärtiges erfahren.
Wenn es Gott gut mit uns meint, heißt das ja nicht automatisch, dass alles nach unserm Sinn glatt gehen muss.
„Tu ein Zeichen.., dass du es gut mit mir meinst!“
Und ich sage dem, der da noch seine Zweifel hat: Schau auf das Zeichen, das die Hirten bekommen haben. Es ist auch ein Zeichen für dich: ein Kind in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe.
Ziemlich menschlich und ziemlich armselig!
Babys liegen bei uns im Himmelbettchen – sie bekommen das Schönste und Beste. Sie sind unser Schatz. Wir tun alles, damit es dem Kind gut geht.
Gott macht uns etwas in diesem Zeichen von Windel und Krippe deutlich. Seine Art zeigt sich darin. Er wurde arm-selig für uns.
Die Seligkeit liegt in seiner Armut, Einfachheit, Menschlichkeit.
Das ist ein kräftiges Zeichen für unsere Suche!
Er hat nicht die Merkmale unserer öffentlichen Promis: stark, imposant, respektgebietend, machtergreifend, bewundert..
Er kommt anders. Gott stellt sich neben uns Menschen und nicht über die Menschen.
Er wird erkennbar und verstehbar. Er offenbart sich ‚auf Augenhöhe’. Jeder, der die Geschichten von Jesus lesen und hören kann, der hört etwas vom lebendigen Gott.
Windeln und die Krippe weisen auf den menschgewordenen Gottessohn.
Und der Sohn Jesus weist später auf seinen Vater im Himmel: ‚Wer mich sieht und hört, der hört Gott reden..’ Er selbst und seine großen Taten sind ein Zeichen für Gottes Herrlichkeit.
Weil das so ist, darum müssen wir uns nicht fürchten vor diesem Gott.
Schon den Hirten wird gesagt: Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Retter geboren…
Gott sei Dank, dass er uns an Weihnachten ein kräftiges Zeichen seiner Menschenliebe gegeben hat – indem er seinen Sohn als Baby in Windeln einpackte und in die Krippe legte.
An dieser Krippe sind die Hirten zu ihrem Ziel gekommen..Sie haben Glück und Sinn gefunden. Sie beten an. Und die Zeichen haben sie nicht betrogen.
Sind wir mit unserem Suchen schon an der Krippe angekommen, wie es im Lied so schön heißt: Ich steh an deiner Krippe hier o Jesu du mein Leben…?.
(Ein Rettungsschirm für alle)
Liebe Gemeinde, was ich bisher beschrieben habe, ist nur unsere Seite.
Dass wir Suchende sind. Dass wir Zeichen brauchen. Dass wir die Botschaft von Weihnachten hören. Dass die Tannen mit ihrer Spitze die Richtung vorgeben…
Aber die Wahrheit von Weihnachten hat noch eine andre Seite.
Die hat uns Gott offenbart und gezeigt in dem, was Jesus gelehrt hat.
Zur Wahrheit gehört auch der Satz: Gott sucht uns! Gott hat eine Leidenschaft für uns.
Er sucht uns mit brennender Liebe – wie nach verlorenen Geschöpfen.
Sein Einsatz ist riesig.
Nicht nur eine Hundertstaffel von Polizei, sondern Legionen von Engeln, die verkünden und helfen, dass wir mit unserem Vater im Himmel wieder zusammenkommen.
Gott hat Propheten geschickt, die schon viele hundert Jahre vor Jesus auf einen Messias und Retter hingewiesen haben…
Gott will mit seinen Geschöpfen zusammen sein.
Deshalb hat er seinen Sohn geschickt, nicht nur mit dem schönen Zeichen der Krippe am Anfang, sondern auch mit einem bitteren Kreuzes-Zeichen am Schluss – so ernst ist die göttliche Liebe für uns, im wahrsten Sinn des Wortes: todernst.
Jesus ist nicht ausgewichen – er hat sich dem Bösen gestellt und überwunden!
Er ist als Sieger hervorgegangen – der auferstandene Jesus, er ist lebendig.
Im Vorfeld der Kopenhagener Klimakonferenz gab es eine Menge Kommentare.
Der Chef des Umweltbundesamtes, (Jochen Flasbarth, WAZ 21.Nov.09) forderte einen „Rettungsschirm für das Weltklima“. Der Artikel in der Zeitung war dann überschrieben: „Rettungsschirm für die Welt“.
In der Tat – mittlerweile denken Verantwortliche global. Es ist gut so. Wir brauchen einen Rettungsschirm für die Welt. Sonst wird es ungemütlich warm und Katastrophen sind die Folgen. Ob die Menschen sich da einig werden?
Der Begriff „Rettungsschirm“ ist mittlerweile geläufig:
Die Banken bekamen einen Rettungsschirm.
Große Konzerne fordern einen staatlichen Rettungsschirm.
Vater Staat muss es in vielen Milliarden teuer bezahlen … aber es zeigt auch, dass dem Staat viel an Rettung liegt.
Ich will das einmal mit Gottes Absichten vergleichen:
- In seiner Suche nach uns will er einen großen Rettungsschirm aufspannen über alle, die zu ihm hinlaufen und ihm vertrauen…
Den Hirten…den Sterndeutern…den Jüngern…den Freunden…all denen, die ihre Sehnsucht und ihr Vertrauen diesem Jesuskind entgegenbringen.
Später sagte Jesus einmal: Wer mir vertraut, der wird leben…
Ehrlich gesagt: unser Status vor Gott ist ziemlich schlecht – den Hirten vergleichbar. Gemessen an Gottes Heiligkeit und Vollkommenheit ist nichts an uns, was himmlischen Beschreibungen würdig wäre. Wir sind nicht vollkommen gut, sind nicht perfekt gut … wir stehen bei Gott in der Kreide, ja, sind insolvent geworden.
Viele unserer guten Absichten wurden nicht in gute Taten umgesetzt.
Der gute Wille wurde im Alltag erstickt, ja, hat sich sogar in Böses verkehrt.
Wir erleben unsere Zerbrochenheit, Fehlerhaftigkeit, unsere Schuld.
Wir müssen zugeben: Wir sind Schuldner vor Gott.
Der Schuldenberg in Deutschland geht demnächst über die Billionen-Grenze, allein die Neuverschuldung überschreitet die 100 Milliarden-Schwelle.
Man fasst sich an den Kopf, was wir uns noch alles leisten – wo doch so vieles auf Pump ist, - eine Last für die Zukunft. Dieser Berg ist unvorstellbar hoch – und darum, weil es nicht mehr anschaulich ist, sagen manche glatt: Was wollt ihr denn?
Unser persönlicher Schuldenberg vor Gott ist so hoch, dass manche meinen: Was wollt ihr denn? Ich bin doch auch nicht schlimmer als der..oder der..? Ich hab doch keinem was zuleide getan?
Eine Elektronik-Kette hatte vor Weihnachten mit dem Slogan geworben:
„Mann, war ich brav!“ Selbstgefällig sollte sich der Mann auf die Schulter klopfen – und dann sich selbst belohnen, indem er was Tolles kauft!“
‚Mann, war ich brav!’, so denken Leute, die selbstgefällig sitzen bleiben und nichts mehr suchen. Sie haben schon alles. Ja, sie haben ihre eigene Gerechtigkeit.
Gottes Rettungsschirm spannt sich auf für die, die eben nicht alles haben. Die leiden unter ihren Fehlern und ihrem Mangel. Die wissen, dass sie eben nicht brav waren.
Die mehr suchen als Kerzen und Marzipan-Gefühle.
Jesus, der Retter, für uns geboren – aus Liebe zu uns.
Jesus, der Heiland, für uns gelebt – aus Liebe zu uns.
Für uns gestorben – zur Vergebung der Schuld, zur Versöhnung mit unserem Schöpfer.
Einfach so, aus Liebe. Einfach geschenkt.
Wir brauchen nur die Hände aufmachen und uns beschenken lassen.
Oder die Hände falten und sagen: Danke, Herr, dass du mein Retter bist! Dir vertraue ich.
Das ist Gottes Rettungsschirm!
Wenn Menschen begreifen, wie real Geschenke sein können, dann kommen sie in Scharen. Wie zB im November in Paris.
Eine Firma wollte 100 000 Euro verschenken, in 5000 Umschläge verpackt zu je 5 bis 500 Euro Inhalt. Ein Bus sollte die Umschläge verstreuen.
Nach dem werbewirksamen Ankündigen gab es einen Auflauf von mehreren Tausend Menschen, die alle auf dem besagten Platz in der Nähe des Eiffelturms standen, in der Hoffnung, dass sie solche Geldgeschenke ergattern könnten.
Allerdings wurde dieser Werbegag dann abgesagt:
Die Polizei griff ein. Die Sicherheitslage war nicht mehr gewährleistet. Es war Chaos, weil zu viele Menschen da waren.
Wenn es etwas Umsonst gibt, dann kommen die Menschen.
Gnade und Liebe Gottes sind umsonst in Jesus zu uns gekommen.
Vielleicht sind Sie deswegen hier im Gottesdienst?
Weil Sie diese Gnade suchen, ahnen oder schon spüren?
Lassen sie sich beschenken.
Und bestaunen sie das Geheimnis an Weihnachten.
Und beten sie es an. Auch ihr Heiland – auch ihr Rettungsschirm.
Vielleicht können wir das dann auch einmal so bekennen – wie in einem Psalm:
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt…, der spricht zum Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. (Psalm 91,1-2)
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich unter diesen Rettungsschirm flüchten.
Wie hieß es bei der Suchaktion für Maddie?
„Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun“.