Predigt am 1. Advent - Römer 13, 8-12
Das wichtigste Gebot
8 … Nur wer seine Mitmenschen liebt, der hat Gottes Gesetz erfüllt.9 Die Gebote: "Du sollst nicht die Ehe brechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; begehre nicht, was anderen gehört" und alle anderen Gebote lassen sich in einem Satz zusammenfassen: "Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst." 10 Denn wer seinen Mitmenschen liebt, tut ihm nichts Böses. So wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.
Leben im Licht Gottes
11 Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es Zeit ist, aus aller Gleichgültigkeit aufzuwachen. Unserer endgültigen Erlösung sind wir jetzt näher als zu Beginn unseres Glaubens. 12 Bald ist die Nacht vorüber, und der Tag bricht an. Deshalb wollen wir uns von den finsteren Taten der Nacht trennen und uns stattdessen mit den Waffen des Lichts rüsten. (Hoffnung für alle)
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Predigtgedanken:
1. Gebote werden nur durch Liebe richtig erfüllt!
2. Es ist an der Zeit! Mache dich auf, werde endlich Licht!
Liebe Gemeinde,
es ist doch seltsam, wie viele Gipfel es in letzter Zeit gibt. Politiker eilen von Gipfel zu Gipfel. Es sind immer ganz wichtige Themen, sodass auf höchster Ebene verhandelt werden muss:
-z.B. ein Milch-Gipfel – und doch gehen die Preise runter und die Bauern leiden.
-Ein Opel-Gipfel – große Versprechungen und viel guter Wille – und doch wird die Entscheidung durch GM aus der Hand genommen.
-Ein Weltfinanzgipfel – und doch fangen hier und da die Manager schon wieder in alter Manier zu zocken an.
-Kürzlich der Welternährungsgipfel, Mitte November in Rom: und hier ebenfalls ehrwürdige Ziele, doch schon jetzt zeigte sich, dass die um 2000 (Milleniumsziele) formulierten Ziele, (z.B. die weltweite Quote der Hungernden Menschen, damals 800 Millionen, bis zum Jahre 2015 zu halbieren) nicht zu halten sein werden, - im Gegenteil, die Armutskurve zeigt nach oben. Wir haben jetzt nicht 800 Millionen, sondern ca. 1 Mrd hungernde Menschen – täglich sterben 100 000 Menschen.
-Und jetzt steht der nächste große Gipfel an, der Klimagipfel in Kopenhagen: das Ziel ist, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, ansonsten drohen unkontrollierbare Risiken, besonders für die ärmeren Länder und für die Inselländer. Die Polkappen schmelzen weiter ab und der Meeresspiegel steigt, was für Küstenstädte verheerend wäre. Schon jetzt zeigt sich, dass es vermutlich nichts mit verbindlichen Verträgen wird und dass die klimatischen Katastrophen sich zukünftig vermehren werden.
Eigenartig: alle beteuern den guten Willen, schaffen gute Gesetze, gründen Initiativen – und doch zerrinnen die Ziele unter fleißigen Händen und in ehrgeizigen Gremien…
Ich will diese Gipfel nicht stammtischmäßig zerpflücken, sie haben ihren Sinn – aber ich will etwas Zusätzliches zu bedenken geben:
Gute Gebote funktionieren nur, wenn sie mit guten Motiven umgesetzt werden.
Schauen wir mal unsren kleinen Verantwortungsbereich an: unseren Haushalt, unsre Gewohnheiten, unsre Beziehungen. Da gibt es ja auch kleine und große ‚Klima-Katastrophen’. Wir wollen aber ein gutes Miteinander und schaffen darum gute Regeln:
- ‚Immer wenn du in die Wohnung kommst, dann ziehst du deine Schuhe aus! Verstanden? Wie wir es alle machen..’. Und der Sohn sagt dann: Hm….!?
- ‚Immer, wenn einer Geschirr benutzt, soll er es anschließend gleich in die Spülmaschine tun – sonst trocknen die Essensreste an – und es macht später noch mehr Arbeit.’ - Und das Familienmitglied stöhnt: ‚Wenn es denn sein muss..!!?’
- ‚Immer wenn der letzte abends nach Hause kommt, schließt er die Tür ab..’. – Aber kaum einer macht’s… keiner will der Letzte gewesen sein...
- ‚Und wenn einer wieder so gemein zum andern ist und dauernd stichelt, dann entschuldigt er sich…’ Alle nicken, aber wenn es wieder soweit ist, dann ist nur der andere schuld!
Ich glaube, diese Alltagserfahrungen zeigen uns, wie schwer es ist, gute Regeln auch wirklich umzusetzen und zu leben. Warum?
Weil die Motive nicht stimmen. Denn gute Gebote funktionieren nur, wen sie auch in der richtigen Haltung – mit Liebe – getan werden.
‚Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung’ (V.10) – so hat es Jesus schon sinngemäß gesagt (Matth. 22,36ff) und hier sagt es Paulus eben auch. Wer bestimmte Regeln aus Liebe und Einsicht tut, der tut es anders und besser als der, der es gezwungenermaßen oder gleichgültig tut.
-Die Liebe sieht Gebote nicht nur als bloße Einschränkung, sondern auch als Hilfe für andre.
-Die Liebe kann auch um einer Regel willen verzichten oder etwas opfern.
-Die Liebe ist bereit, sich aus der Komfortzone der Bequemlichkeit herauszuwinden, um das zu tun, was dem andern gut tut oder was einfach Sinn macht.
Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sagt: ‚Da…, da hast du dein Essen…!’ – Oder: ‚Hier, bitteschön, ein leckeres Essen extra für dich! Guten Appetit! ‚
In den Sprüchen Salomos steht übrigens der Satz: ‚Besser ein Gericht Kraut mit Liebe, als ein gemästeter Ochse mit Hass“ (Sprüche 15,17)
Wir wissen es auch von der Erziehung:
Nur Regeln aufstellen und durchsetzen und das ohne die Liebe, bzw. liebevolle Gesinnung – dann muss man mit Druck und Angst arbeiten, und Regelverstößen mit Strafe und Gewalt begegnen. Das macht aber Kinder hart. Sie werden verbogen - und die Eltern werden gesetzlich und zynisch. Darum ist der Taufspruch von Elias so gut:
Lasst uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.(1.Joh.3,18)
Regeln mit Liebe verbunden, wirken Wunder!
Liebe kann und muss auch manchmal konsequent sein, das tut weh. Liebe kann nicht alles durchgehen lassen. Aber auch bei einem Verbot,zB. Süßigkeitenverbot, erkennt das Kind, in welcher Haltung die Eltern diese Grenze gezogen haben.
Paulus ermahnt die Christen in Rom, dass sie diese Liebe zum Nächsten nicht verlieren, sonst geraten alle noch so guten Gebote, auch die 10 Gebote, in die Gesetzlichkeit. Sie werden dann zu einer lästigen, moralisch sauren Pflicht.
Ist es nicht so: Manche Menschen schauen zuallererst nach dem Schlupfloch des Gesetzes oder der Gebote:
Wann ist es kein Ehebruch? Ist das schon Ehebruch, wenn man nackte Frauen im Internet anguckt? Wenn ich 20 Euro im Bus finde und einstecke, ist das schon gleich Stehlen?
… Gibt es nicht auch eine barmherzige Lüge…?, usw…
Sie fragen nach den Grenzen der Nächstenliebe. Sie fragen nach der Lücke..
Wenn wir Gebote als Einengung verstehen, dann haben wir schon die Gesinnung, dass uns der eigene Nutzen sehr wichtig ist, sodass man nach den Schlupflöchern sucht.
Die Politiker stopfen immer wieder Steuerschlupflöcher. Aber wir Menschen sind in der Umgehung dessen, was wir der Allgemeinheit schulden, sehr schöpferisch – und so tun sich noch raffiniertere Schlupflöcher auf, wie wir fällige Steuern umgehen können.
Wo der Eigennutz da ist, steht nicht die Solidarität oder die Liebe zum Nächsten dahinter. Ein Mensch kann dann vielleicht sagen: ‚Was willst du denn? – Das ist doch legal’ Ja, es ist vielleicht legal, aber es ist nicht die richtige Gesinnung.
1. Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung. Gebote werden nur durch die Liebe richtig erfüllt.
Ein zweiter Gedanke:
2. ‚Es ist an der Zeit! Mache dich auf, werde endlich Licht!’
Paulus spricht nicht nur über das gute christliche Leben wegen der Gesinnung und Haltung, er hat auch noch ein anderes Argument: die Zeit drängt.
11 Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es Zeit (griech:Kairos!) ist, aus aller Gleichgültigkeit aufzuwachen. Unserer endgültigen Erlösung sind wir jetzt näher als zu Beginn unseres Glaubens. 12 Bald ist die Nacht vorüber, und der Tag bricht an. Deshalb wollen wir uns von den finsteren Taten der Nacht trennen und uns stattdessen mit den Waffen des Lichts rüsten
Wenn etwas dringend ist, dann ist man konzentrierter und man arbeitet besonders intensiv zB an entsprechenden Vorbereitungen.
Vor einer Geburt ist es ähnlich. Wenn die hochschwangere Frau zum Ehemann sagt:
‚Du, ich glaub, das Kind meldet sich, ich hab so ein Ziehen im Baum’, dann ist Alarmstufe 1 angesagt und der liebe Papa wird Koffer packen – und alle Hindernisse aus dem Weg räumen, damit man jederzeit ins Krankenhaus fahren kann. Die Tage vor der Geburt erlebt man sozusagen ‚Standby’, stehenden Fußes, immer in Bereitschaft. Die ‚Niederkunft’ – wie man früher sagte – kann jederzeit kommen.
Paulus denkt nicht an Niederkunft, aber er denkt an Wiederkunft.
Der, der als der Christus kam, der wird wiederkommen – und Licht, Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Heil heraufführen und sein Reich sichtbar aufrichten.
Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer!, so heißt der Wochenspruch.
In der Adventszeit denken wir an beides: an Jesu Wiederkunft am Ende der Zeit und an sein damaliges Kommen in diese Welt, an seine Geburt in Bethlehem.
Im Leben muss man die Zeiten richtig erkennen: es gibt Zeiten zum Lernen und Arbeiten, es gibt Zeiten zum Genießen. Es gibt eine rechte Zeit für Schlafen, Arbeiten, Frühstück, Geselligkeit, Gottesdienst u.a.… Es gibt für solche Dinge auch eine Unzeit, eine falsche Zeit – etwa Frühstück am Abend, oder Feierabend am Morgen, oder Zähneputzen in der Nacht…
Im griechischen Denken haben wir zwei Zeitbegriffe:
Die linear dahinfließende Zeit – Chronos – die durch Uhren gemessen wird.
Die rechte Zeit, (Kairos) in der bestimmte Dinge einfach erledigt werden müssen. Diese Sachen kann man auf jeden Fall nicht verschieben. Sie sind dringend.
Z.B. die Zeit der Geburt – das lässt sich nicht beliebig vorziehen oder hinausschieben – es gibt nur wenige Tage, die die richtigen Tage für die Geburt sind.
Das will Paulus klarmachen: es kommt der Zeitpunkt (kairos), wo Gott uns entgegenkommt. Darum:Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt. Das ist aus Jesaja entnommen, wo Gottes Kommen in unsere Zeit mit dem Licht verglichen wird, das die Dunkelheit vertreibt.
Aber an das andre denkt Paulus auch: Unsere Lebenszeit wird weniger (chronos!): daher überlegt, ob ihr Zeit totschlagen wollt oder Zeit vergeuden wollt durch böses Tun… Wir sind jetzt dem Tod näher als noch vor einer Woche.
Übrigens: Menschen mit überstandenem Herzinfarkt leben ihre restliche Lebenszeit viel bewusster und dankbarer. Ihre Prioritäten im Leben sind neu geordnet. Das wirklich Unwichtige ist nicht mehr so wichtig wie früher. Die verbleibende Lebenszeit wird kostbarer. Etwa in der Haltung: ‚Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens!“
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer – so heißt der Spruch zum 1.Sonntag im Advent.
Also: ein König kommt. Gott kommt wie ein guter und gerechter König.
Darum: benehmt euch! Rüstet euch mit Waffen des Lichts. Schaut, dass der König seine Freude an euch hat, dass ihr ihn mit guten Taten ehrt.
Keine krummen Geschäfte mehr, kein falscher Eigennutz, - sondern eben die Liebe zum andern, die aus Fairness zu ihm die Regeln respektiert.
Spielen wir mal durch, wie es wäre, wenn sich eine bedeutende Person ankündigt – zB per Telefon wissen lässt, er komme morgen so am späten Vormittag?, z.B. der Schalke-Trainer Felix Magath – er hat von unserer Jugendaktion ‚Himmelsstürmer’ Projekt 2010 gehört und wollte sich vor Ort informieren:
Was wären wir aus dem Häuschen: ‚Der Magath kommt!...’
Keiner von der Jugend würde da noch lange im Bett liegen..oder sagen: ‚Mir doch egal!’
Wenn wir das in unsern Alltag hineindenken, spüren wir, wie es Paulus sagen will:
Gottes neues Reich bricht an, es wird schon hell am Horizont…
Schlaft nicht…steht auf…werdet licht und hell…hört auf mit finstern Taten und Gedanken…wenn es auch noch dunkel um euch herum ist, seid trotzdem Kinder des Lichts…denn der Tag bricht bald an.
Liebe Gemeinde, das ist dann der Gipfel aller Gipfel, wenn nämlich der König aller Könige kommt - in Schönheit, Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Liebe. Das wird ein wunderbarer Advent sein und wird alles andre in den Schatten stellen.
Dann werden wir sagen: Was für ein König! Welche Ehre, dabei sein zu dürfen. Und wir werden auch sagen: ‚Ja, es hat sich gelohnt, dass wir uns vorbereitet haben!’ Amen.