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Predigttext

An Weihnachten passt alles zusammen
24-12-08 15:42
Alter: 2 yrs


VON: J. VORLÄNDER



Predigt zur Christnacht (Lukas 2,19)


Liebe Gemeinde,

Weihnachten. Es ist wieder soweit! Je älter man wird, desto schneller scheint sich Weihnachten zu wiederholen: und vieles läuft Jahr für Jahr ganz ähnlich ab: Die meisten Menschen legen großen Wert auf eine weihnachtliche Tradition, z.B. an Heiligabend: in die Kirche gehen, leckeres Essen genießen, eine schöne Bescherung haben, gepflegtes familiäres Beisammensein usw.

Und das kann auch sicherlich „ganz nett“ sein, wenn alles nach Plan verläuft:

- Wenn im Gottesdienst die eigenen Lieblings-Weihnachtslieder gesungen werden,

- wenn die Zubereitung des Festessens gut gelingt,

- wenn die erhofften Geschenke unter dem Baum liegen,

- wenn man Menschen um sich hat, die auch wirklich nett zueinander sind…

 

Aber wie sieht es in uns aus, wenn nicht alles so gut gelingt und so schön ist, wie wir uns erhofft, gewünscht, ersehnt haben? Wenn das Jahr schon durchwachsen war und es jetzt auch zu Weihnachten nicht richtig hell werden will? Dann fällt es vielen schwer, Weihnachtsfreude zu empfinden.

 

Ich habe den Eindruck, dass sich viele Menschen von Jahr zu Jahr mehr Mühe geben, Weihnachten so vorzubereiten, dass sie das Fest der Geburt Jesu, der Menschwerdung Gottes auch wirklich als Fest der Freude, der Liebe und des Friedens erleben.

Alles wird genau geplant und vorbereitet, damit Weihnachten schön nach Plan verläuft.

Viele Menschen geben sich Mühe – die ganze Adventszeit hindurch.

Und dann ist wieder Weihnachten da – doch das eigene Gefühl sagt bei einigen:

„Ich bin doch nicht da hingekommen, wo ich sein wollte.

Ich habe es doch wieder nicht geschafft, mich ideal auf Weihnachten vorzubereiten.“

 

Aber: Muss denn alles nach Plan laufen, muss man ideal vorbereitet sein, um weihnachtliche Freude erleben zu können? Wir haben eben die Weihnachtsgeschichte gehört: Überlegen Sie doch mal –

 

Wer war denn damals ideal auf die Geburt von Jesus vorbereitet?

 

Josef? - Er hatte bestimmt zuhause alles gut vorbereitet für das kommende Baby, aber dann musste er plötzlich nach Bethlehem aufbrechen und damit alle Vorbereitungen über den Haufen werfen.

 

Und Maria? - Sie musste – hochschwanger – spontan mit auf die Reise.

Die Entfernung zwischen Nazareth und Bethlehem betrug 170 km bei 250 Höhenmetern. In etwa fünf Tagesmärschen konnte man Bethlehem von Nazareth erreichen. Unplanmäßiger hätte ein Reisetermin nicht kommen können und ein Stall ist auch nicht der Ort, den Frau sich für eine Entbindung wünscht.

 

Waren die Hirten gut auf die Geburt Jesu vorbereitet?

Für sie war der Abend auf dem Feld ein Arbeitstag wie jeder andere. Bis sie ganz plötzlich mit der Weihnachtsbotschaft durch den Engel und den Engelschor konfrontiert wurden. Und dann machten sie sich ganz spontan und ohne besondere Geschenke auf den Weg.

 

Wir sehen: Damals verlief alles spontan, statt nach Plan.

Und trotz aller unplanmäßigen Ereignisse, trotz aller widrigen Umstände, lag der kleine neugeborene Heiland lebendig und gesund in der Futterkrippe. Und dieser Anblick, dieser Moment war für Josef, Maria und die Hirten unglaublich kostbar. Denn sie spürten: Gott selbst ist zu uns gekommen, obwohl wir uns nicht so vorbereiten konnten, wie wir es gerne gewollt hätten.

 

Ich finde es interessant, dass wir zum Ende der Weihnachtsgeschichte über Maria lesen:

 

V.19 „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“

 

Es könnte doch auch einfach heißen: „Und Maria war überglücklich.“

Statt dessen lesen wir aber, dass Maria alle diese Worte, alles was sie in letzter Zeit gehört und erlebt hatte, bei sich bedachte. Sie überlegte, sie dachte nach.

 

Man kann auch übersetzen:

„Maria aber behielt alle diese Worte und trug sie in ihrem Herzen zusammen!” „Symballo“ = „zusammentragen“ steht dort im griechischen Urtext.

Und wir kennen das Wort „Symbol“, ein Kennzeichen, ein Zeichen, an dem man etwas erkennt, zum Beispiel an zwei Ringen von Ehepartnern, die zusammenpassen, erkennt man die Zusammengehörigkeit.

 

Maria freut sich nicht einfach nur über ihr Kind, sondern sie denkt nach:

Sie denkt darüber nach, was in letzter Zeit alles in ihrem Leben passiert ist. Sie erinnert sich an „alle“ Worte, d.h.

- an die Worte der Engels, der ihr Gottes Plan übermittelt hatte.

- an die Worte von Elisabeth, ihrer Verwandten, die Sie in ihrer schwierigen Situation ermutigt hatte mit den Worten: „Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!“

- an die Worte Josefs, der ihr seine Unterstützung zugesichert hatte, obwohl er selbst nicht der leibliche Vater des Kindes war und kaum glauben konnte, was der Engel ihm erzählt hatte.

- Maria erinnert sich auch an die Anordnung des römischen Kaisers und an die Worte der Hirten.

 

Und obwohl das Leben für Maria ganz unplanmäßig verläuft und sie sich einer riesigen Herausforderung stellen muss, merkt sie auf einmal, dass alles, was anfangs so unglaublich geklungen hat, zusammenpasst:

Der kaiserliche Befehl - und Gottes Handeln,

ihre Schmerzen bei der Geburt - und die Freude über das Kind,

die Verheißung der Engel - und die Hirten, die zu Besuch kommen.

 

Ja, an Weihnachten kommt alles zusammen und es passt alles zusammen – nicht nur bei Maria, sondern bei allen Menschen:

Die Not, die zum Himmel schreit, - und der Nothelfer, der vom Himmel kommt.

Die Wunden des Lebens - und der Heiland für alle.

Die große Sündenschuld - und die noch größere Vergebung Gottes.

Die tiefe Einsamkeit der Menschen - und die wunderbare Gemeinschaft mit Gott.

 

Weihnachten ist das Kennzeichen unseres lebendigen Gottes!

Weihnachten können wir nicht selber machen,

ganz gleich wie gut wir uns vorbereitet haben,

ganz gleich, was wir alles an Feierlichkeiten inszenieren,

ganz gleich was wir für Geschenke verschenken und bekommen.

 

Weihnachten, Weihnachtsfreude schenkt uns Gott, wenn wir alles zu ihm bringen, was wir in der letzten Zeit erlebt haben, auch und gerade das, was nicht nach Plan gelaufen ist, was schief gegangen ist, alles was wir durchleiden mussten.

 

Wenn wir alles vor Gott zusammentragen, sorgt Gott für uns.

Die Antwort auf unseren Lebenshunger ist Gottes Lebensbrot. „Bethlehem“ heißt übrigens „Brothausen“ oder „Haus des Brotes“, den Beth heißt Haus und Lechem heißt Brot.

In Bethlehem kommt der zur Welt, der später sagt: „Ich bin das Brot des Lebens: Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten.“

 

Weihnachten bildet das Kennzeichen des Lebens.

An Weihnachten passt alles zusammen, wenn wir es ehrlich vor Gott bringen. Wie zwei Ringe, die zusammengehören und einen Lebensbund symbolisieren, so gehören wir zu Jesus. In seinem Ring steht unser Name, und in unser Leben ist sein Name eingraviert. Wir gehören zusammen. Zu Weihnachten passen der heilige Gott und der verlorene Mensch wieder zusammen.

 

Und doch bleibt es für uns geheimnisvoll, das Gott selbst in Jesus zu uns gekommen ist. Was hat ihn dazu bewogen? Hätte er nicht auch statt seinem Sohn einfach einen Boten oder Propheten schicken können?

 

Was hat Gott bewogen, selbst in unsere Welt zu kommen?

Davon erzählt eine kleine Geschichte, die ich Ihnen noch vorlesen möchte:

 

Ein König hatte einen Minister, einen sehr gebildeten Mann, der Christ wurde und seinen Glauben vor dem ganzen Volk bekannte. Er erklärte, dass er an den Heiland glaube, der in diese Welt gekommen sei, um sie zu erlösen von Schuld und Tod.

 

Dem König war das unverständlich. „Aber“, sagte er, „wenn ich will, dass etwas geschehen soll, dann gebiete ich meinen Dienern, und das genügt.

Warum sollte der König aller Könige selbst in diese Welt kommen?“

 

Der König wollte den Minister wegen seiner Bekehrung zum Christusglauben entlassen. Da er ihn aber sehr liebte, versprach er ihm Gnade, wenn er eine Antwort auf diese Frage wüsste.

 

„Gewährt mir vierundzwanzig Stunden, Majestät“, erwiderte der Minister, „und ich will Euch antworten.“ Er ließ einen geschickten Schnitzkünstler holen und trug ihm auf, eine Puppe anzufertigen und sie genau so zu kleiden wie das zweijährige Kind des Königs.

 

Am folgenden Tag machte der König im Boot eine Spazierfahrt.

Der Schnitzkünstler war angewiesen, sich am Ufer des Flusses zu halten und auf ein vereinbartes Zeichen die Puppe ins Wasser zu werfen. Der König sah die Puppe fallen, und in der Meinung, es sei sein Kind, sprang er ins Wasser.

 

Der Minister fragte ihn dann, warum er selbst sein Kind habe retten wollen, während doch ein Wort an seine Diener genügt hätte.

 

„Es ist das Herz des Vaters, das so handeln musste!“ erwiderte der König.

 

Und der Minister antwortete: „So hat sich auch Gott nicht damit zufriedengegeben, den Menschen nur eine Heilsbotschaft zu senden, sondern seine unendliche Liebe ließ ihn selbst vom Himmel herabsteigen, um uns zu retten.“

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Gottes Liebe selbst erfahren und darüber froh und dankbar werden. Amen

 

 








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