Predigt beim Mittendrin-Gottesdienst
Wie hat das Theaterstück auf Sie gewirkt?
Mir kam die ein oder andere Szene wie ein Dejavue vor, so als hätte ich sie schon einmal selbst erlebt…
So ein großes Familien-Weihnachtstreffen ist bei vielen Familien ein seltsames Gemisch aus Erwartung, Neugierde, Vorfreude auf Plätzchenduft und dem sich Wiedersehen.
Aber dazu kommt auch weihnachtlicher Terminstress, Enttäuschungen, Peinlichkeiten, Ärger – ja, sogar Streit.
Aber über allem soll der weihnachtliche Friede schweben und diese Bemühungen können über längere Zeit richtig anstrengend sein.
Weihnachten – länger als 3 Tage – das hält fast kein normaler Familienverband aus.
Das Fest der LIEBE verkehrt sich so leicht in ein Fest der HIEBE:
- Seitenhiebe auf den lieben, nervigen Onkel, der sich so in den Vordergrund spielt.
- Hiebe auf die kleinen Kinder, die doch wenigstens jetzt ruhig und brav sein sollten.
- Nicht zu vergessen: seelische Verletzungen von früher, in denen nebenbei wieder
herumgestochert wird.
Die übergroßen Erwartungen ziehen automatisch große Enttäuschungen nach sich.
Weihnachten macht uns Mühe. Das Fest der Liebe bringt uns unter Druck.
Und die Erwartungen können wir einfach nicht abschütteln.
Dazu gehören auch die verwandtschaftlichen Besuche – immer wieder eine heikle Sache.
Aber alle sind guten Willens mitzumachen.
Manche sagen aber auch: Nicht schon wieder Weihnachten - was soll das? - Ich steige aus. Sie setzen sich in den Flieger und flüchten weit weg. Weihnachtsflüchter.
Ab nach Mallorca und im neuen Jahr wieder in den normalen Alltag einsteigen.
Aber flüchten heißt ja lange noch nicht, Weihnachten richtig zu feiern.
Wie geht das eigentlich? Wie entgehen wir dem Desaster?
Wie können wir wahrhaftig und entspannt miteinander umgehen?
Wie kann uns Weihnachten wirklich Freude machen?
Drei Tipps will ich geben:
1. Etwas Gutes erwarten!
Es fällt ja nicht schwer, Negatives rund ums Fest aufzuzählen.
Es gibt mittlerweile viele Comics, Parodien, Witziges und Kitschiges – worin eigentlich nur Negatives im Blick ist … so, dass viele gar nichts Gutes mehr erwarten.
Viele Menschen tragen zwar die Sehnsucht nach einem harmonischen Fest in sich,
aber nach außen tun sie alles Weihnachtliche als lächerliches und heuchlerisches Getue ab.
Sie reagieren zynisch, bissig und outen sich als Weihnachtshasser.
Doch wenn wir die Lebenserfahrungen einfach weit zurückspulen würden
– und die bisher erlebten Misstöne vergessen – wenn wir uns zurück in die Kindheit versetzen: War Weihnachten früher nicht wunderbar?
Ist es denn verkehrt, etwas Heiles, Schönes zu erwarten? War es nicht schön?
War das nicht auch ein Geschmack von Glückseligkeit und heiler Welt?
Ich habe Weihnachten in meiner Kindheit als etwas Besonderes erlebt: Die große Vorfreude, das Staunen über den schön geschmückten Weihnachtsbaum, die Freude auf das Familientreffen bei dem wir jedes Jahr die Weihnachtsgeschichte als Krippenspiel gespielt haben.
Warum war das als Kind so schön mit der Weihnachtsgeschichte?
Warum hatten wir so eine Freude, diese Geschichte zu spielen, oder irgendwie dabeizusein?
Wir Erwachsenen sollten uns eingestehen, dass wir uns nach der heilen Welt sehnen - dass alles gut wird. - Gott meint es gut mit uns!
Auch, wenn wir durch viele Erfahrungen die schmerzliche und unheile Welt erlebt haben.
Im bekannten Adventslied heißt es: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit, der König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt …
Wir erwarten einen König, einen Heiland, der uns heil-same Geschenke bringt.
2. Sich vorbereiten!
Ein gute Vorbereitung wirkt sich in der Regel positiv aus.
Ein Geburtstagsfeier wird richtig schön, wenn sie liebevoll vorbereitet wird.
Das Fest der Liebe kommt nicht einfach so, weil es der 24. Dezember ist.
Warum sollte man den Geburtstag Jesu nicht vorbereiten?
Also: her mit dem guten Essen, her mit Plätzchen, her mit dem geschmückten Tannenbaum, her mit Glühwein, Kerzen, und all dem schönen Drumherum…
Aber nicht nur diese äußeren schönen Dinge sind vorzubereiten.
Es ist gut, auch unsre Seele auf das Fest der Liebe vorzubereiten.
Wir suchen ja nicht nur das Äußerliche, wir sehnen uns doch auch nach Friede, nach Zusammenhalt, nach Liebe.
Bevor Gott im neugeborenen Jesuskind die Füße auf die Erde setzte, sorgte er selbst dafür, dass die Israeliten sich vorbereiteten.
Ein Mann namens Johannes tauchte auf und rief den Menschen ins Gewissen.
Er sagte: Um Gottes Willen - ändert euch! Macht euch bereit:
Überlegt, was ihr falsch gemacht habt und bringt eure Schuld vor Gott.
Lasst euch zum Zeichen der erneuten Hinwendung zu Gott taufen.
Darum nannte man diesen Mann Johannes, den Täufer.
Menschenmengen pilgerten aus dem Land, aus den Städten dahin, wo Johannes war.
Auch aus dem stolzen Jerusalem kamen die Menschen hinunter ins tiefe Jordantal,
um Buße zu tun! Sie gaben diesem Prediger Recht und erkannten, dass sie einem Größeren den Weg bahnen sollten.
Schon einige hundert Jahre früher sagte der Prophet Jesaja:
„Es ist die Stimme eines Predigers in der Wüste: Bahnt dem Herrn den Weg, macht eben die Straße.“ - Und man erwartete nicht weniger als den Messias
….dem man den roten Teppich auslegen wollte, d.h. gebührend empfangen wollte.
Glauben wir, dass Gott auch uns beschenken will? – oder haben wir uns mit Vorurteilen so zugeschüttet, dass wir innerlich total dicht machen und Gott nicht an unser Herz lassen?
Gott kommt dahin, wo man ihn einlässt – heißt ein Sprichwort.
Im Theater bestand von Anfang an der Wunsch, die Weihnachtsgeschichte vorzulesen.
Das war zwar nicht zu viel gewollt, aber es war trotzdem im Familientrubel schwierig,
weil jeder seine eigene Sache mitgebracht gebracht hatte.
Schließlich – anders als erwartet – hörten die beiden doch noch die Geschichte – gemeinsam in aller Ruhe, nachdem der Trubel vorbei war.
Das Fest der Liebe! – Was für eine Liebe hatte Gott, dass er Mensch geworden ist?
Was für eine Leidenschaft ist das, wenn Gott so was aushält: Futterkrippe, Ärmlichkeit, Hinterhof, Stallgeruch…
Darin hat Gott Geschichte gemacht. Eine Liebesgeschichte und Heilsgeschichte.
Seine Liebe hatte einen langen Atem – bis heute noch.
Und er lässt sich durch die Widrigkeiten und unsre Bosheiten nicht abhalten,
Leben und Segen dorthin zu bringen, wo sie erwartet werden.
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig!
(Wochenspruch, Jesaja 40,3.10)
3. Dankbar empfangen!
Das ist eine Gegenbewegung gegen unser ständiges Mühen, Tun und Schaffen.
Nach dem vorbereitenden Tun kommt das Lassen, das Geschehen-Lassen.
Gott kommt uns gerne entgegen.
Seien Sie einfach gespannt darauf, was Gott tut. Wo Gott handelt, hört unser Tun auf.
Wir werden überrascht, wir staunen, wir werden beschenkt.
Wir hören die alten Worte wieder neu.
Wir freuen uns wie Kinder. Heilige Zeit, heilige Nacht, kindliche Freude.
Gott ist gut zu uns, weil er uns liebt! Indem wir uns für seine Liebe öffnen,
wird Weihnachten zu einem Fest der Liebe. - Amen.