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Predigttext

Kindliche Weihnachtsfreude
27-12-07 09:28
Alter: 3 yrs


VON: TH.ENZNER



Galater 4, 4-7


4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,

5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen.

6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. (Luthertext)

………………………………………………………………

 

4 Aber zu der von Gott festgesetzten Zeit sandte er seinen Sohn zu uns. Christus wurde wie wir als Mensch geboren und den Forderungen des Gesetzes unterstellt.

5 Er sollte uns befreien, die wir Gefangene des Gesetzes waren, damit Gott uns als seine Kinder annehmen konnte.

6 Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Heiligen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn hat. Deshalb dürft ihr jetzt im Gebet zu Gott sagen: «Lieber Vater!»

7 Ihr seid nicht länger Gefangene des Gesetzes, sondern Kinder Gottes. Und als Kinder Gottes seid ihr auch seine Erben, denen alles gehört, was Gott versprochen hat. (Hoffnung für alle)

………..

Predigtgedanken:

 

- Weihnachten ist‚erfüllte Zeit’: die Geschichte hat einen Brennpunkt

- Zugehörig zur Familie Gottes: ein Kind und kein Knecht

- Zutrauen statt Gesetzlichkeit: ‚Papa’ statt ‚Chef’

 

Liebe Gemeinde,

 

die Hirten damals waren ganz benommen von der Heiligen Nacht, in der alles anders war.

Am nächsten Tag haben sie sich verwundert die Augen gerieben: war es Traum, war es echt?

Sie wurden wieder in ihren Alltag gezogen: die Schafe hatten Hunger, die Wölfe mussten abgewehrt werden – nichts mehr von Engeln, - weg war der Glanz. Die Geburtstagsfeier in Bethlehem war vorüber.

 

- Wie geht es Ihnen nach er Geburtstagsfeier Jesu, - wie ist der Tag nach der Heiligen Nacht?

- War es ein schönes Fest gestern, so wie Sie es sich wünschten?

- Ruhig, mit Musik und festlicher Freude, die alten Lieder hörend, schweigend die flackernden Kerzen betrachtend?

- Wie ging es uns Eltern? Ist es gelungen, dass nicht alle Kinder gleichzeitig über die Geschenke hergefallen sind – gab es plötzlichen Streit?

Jetzt – wo das Geschenkpapier herumliegt, wo die Dinge zum Umtausch schon in einer Ecke liegen, merken wir das Ende des Glanzes.

Wir spüren, der Alltag hat uns bald wieder. Die Nüchternheit kehrt zurück.

 

Der Predigttext aus Galater 4, 4-7 ist zunächst etwas nüchtern, aber er handelt von dem großen Weihnachtswunder, das die Welt bewegte. Es ist eine andere Art, von Weihnachten zu erzählen.

Textlesung ….

 

V.4 Als die Zeit erfüllt war …

 

1. Punkt: Weihnachten ist erfüllte Zeit.

 

Paulus sieht die Geburt Jesu als Wende-Zeit. Die Zeitgeschichte aus vielen Jahrhunderten bündelt sich in diesem Ereignis und geht von da aus weiter in die Weltgeschichte, - als würden die ‚Zeitstrahlen’ durch ein Brennglas gehen.

Die Zeit Jesu ist die Mitte der Zeit.

 

In unserer Zeitrechnung teilen wir ein: nach Christi Geburt und vor Christi Geburt.

In nichtchristlichen Religionen wird allgemeiner von der Zeitrechnung gesprochen: vor der Zeitrechnung, nach der Zeitrechnung.

So gewaltig war die Geburt Jesu, dass das Abendland, Europa, Amerika und alle davon abhängigen Länder ihre Uhren, ihre Computer, ihre Termine nach diesem von Gott ausgedachten Zeitpunkt ( Geburtstermin Jesu) stellen:

Heute ist also der 25.Tag im 12. Monat im 2008. Jahr nach Christi Geburt!

 

V.4 Als die Zeit erfüllt war..

 

Gott hat sich also zu seiner festgesetzten Zeit vorgenommen, höchstpersönlich in unsere Welt zu kommen.

 

V.4 Gott sandte seinen Sohn. Geboren von einer Frau.

 

Bei einer Geburt geht es oft schmerzlich zu. Da wird gelitten und geweint, gebangt, geschrien, geblutet – manchmal ist es sehr dramatisch oder geht es hart am Tod vorbei.

Bestimmt war es damals bei Maria weit kritischer als bei unsern Geburten.

Geboren von einer Frau – heißt, schon von Anfang an wurde die Herrlichkeit und Göttlichkeit abgelegt und unsere harte Wirklichkeit angenommen.

 

Nicht nur die Geburt war typisch menschlich, das ganze Leben war typisch Mensch.

Er war den harten Lebensbedingungen, den Gesetzen, den Zwängen, den Pflichten unterworfen.

 

Der Sohn Gottes hatte keine Sonderrechte, z.B. dass ihn Krankheit nicht schmerzen könnte, oder dass ihm im Zimmermannshandwerk alle Werkstücke in null-komma-nix gelingen würden.

- er musste genauso im Schweiß seines Angesichts arbeiten.

- er hat sich genauso an der Mühe des Alltags gerieben.

- er hat sich geplagt für Essen und Trinken.

Er hat Angst gehabt vor Wasser, Sturm, Blitz, Donner und wilden Tieren.

 

Ein Theologieprofessor führte einmal eine Reisegruppe durch das Gelobte Land Israel.

Es waren natürlich fromme Leute, die nach Israel pilgerten, und ganz erhabene Gefühle zogen durch ihre Seele – sie waren schließlich unterwegs auf des Heilands Spuren!

 

Manchmal flog ihnen ein heiliger Schauer den Rücken hinab.

Der Theologe zieht mit ihnen durch ein kleines jüdisches Dorf. Auf der Gasse spielen Kinder im Staub, zerlumpt und mit zerrissenen Kleidern. Unter ihnen ist ein Kleiner mit dunklen Augen, verschmutzt, unter der Nase schaut er besonders unappetitlich aus.

Da greift sich der Professor eben diesen Jungen, stellt ihn in die Pilgerguppe und ruft:

„So hat er ausgesehen!“ – Er, Jesus!

War das ein Schock für die Gruppe! Da war alle heilige Stimmung verflogen.

So hat er ausgesehen – ganz ohne Heiligenschein.

 

Er wurde eben typisch Mensch: von einer Frau geboren und unter das Gesetz getan!

 

Wissen wir, wie hart das ‚Gesetz’ sein kann?

Wissen wir, dass wir von diesem Gesetz durch und durch geprägt sind?

 

Da sind die Naturgesetze,

-z.B. die vitalen Triebe, die uns zum Essen antreiben, die uns zur Macht treiben, die uns zum andern Geschlecht hinziehen – das sind einfach Ordnungen, die uns immer bestimmen.

-Aber auch die Zwänge im seelischen Bereich: die Selbstbehauptung, das dauernde Nachdenken über uns selbst, unsern Wert bei andern, der Kampf um das Ansehen, das Bemühen, die eigenen schwachen Stellen zu verstecken.

 

Manchmal kommt einem das Leben so vor, als würden wir wie eine Marionette an vielen Fäden hängen, - wird woanders gezogen, dann springen wir und hüpfen nach dem Takt, der von außen vorgegeben wird.

 

Unter das Gesetz getan.

Im Wirtschaftsleben wird es besonders auffällig: Unbarmherziges Konkurrieren. Ellbogenmentalität. Vorschriftendschungel. Undurchschaubares Steuergeflecht.

Überall der Taktstock des ‚Du sollst’, ‚Mach doch..’, ‚ Pass auf’, ‚Tu was..’, ‚Setz dich durch..’ – und am Schluss steht das Gesetz der Vergänglichkeit, der Tod.

Ziemlich deprimierend..

Es ist gar nicht so weit her, mit unserer vielgepriesenen Freiheit!

 

Der Mensch – unter das Gesetz getan?

 

Der Apostel Paulus richtete sein Schreiben an Christen in der Gegend von Galatien in Kleinasien. Bei denen schwang noch etwas anderes mit: ihre jüdische Gesetzlichkeit.

Die Christen dort erlebten einen Rückfall: sie sagten ‚Christsein Ja!’, sie haben sich taufen lassen, - aber sie wollten darüber hinaus auch noch viele jüdische Gebote und Verbote noch halten. Die Freiheit des Glaubens ging ihnen verloren, indem sie immer mehr Angst hatten, ob sie eine Vorschrift nicht hielten oder vielleicht vergessen hätten.

 

Diese Christen sind rückfällig geworden – in ihr altes Leben. Die Freiheit eines Christenmenschen war weg. Sie bekannten wohl noch Jesus, aber lebten nicht in seiner Freiheit.

 

Paulus greift zu einem Bild, das damals jeder verstand: Der Knecht und das Kind.

 

Punkt 2: Zugehörig zur Familie Gottes – nicht mehr Knecht, sondern Kind.

 

Aber jetzt geschieht durch Jesus, durch Glaube und Taufe, etwas Erstaunliches:

der Knecht wird zum Kind. Der Angestellte wird Familienmitglied.

 

4 … sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,

5 damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen

 

Gott wurde Mensch, Gottes Sohn wurde ein Kind, und damit in menschliche Nöte und Zwänge hineingestellt, damit wir aus den Zwängen ausgelöst würden, damit wir keine Knechte sein müssen.

Gott hat sich neben uns wie ein Bruder hingestellt, damit wir ihn annehmen, ihm glauben und uns durch ihn auslösen lassen aus der Diktatur der Zwänge, der Sünde und des Todes.

 

Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein … so heißt es im Lied EG 27: Lobt Gott ihr Christen alle gleich… (V.5)

 

Jesus löst (er-löst) uns aus der Abhängigkeit vom Bösen, aus der Verlorenheit.

Er weckt unsre Sehnsucht nach Kindschaft.

Das Weihnachtsfest weckt in der Tat eine Menge Sehnsucht nach der ‚heilen Welt’ der Kinder. Und als Kinder haben wir das Recht zu wünschen..

 

Die Erfüllung dieser Sehnsüchte liegt in der Kindschaft.

Erinnern Sie sich doch an die Unbeschwertheit aus Kindheitstagen?

…sich verlieren im stundenlangen Spielen, aufgehoben sein, unbekümmert und völlig geborgen..?

-

-

Das sollen wir Jesus an Weihnachten nun zutrauen, dass er uns zu Kindern Gottes macht.

Dazu ist Gottes Sohn Kind geworden, dass wir der Diktatur des Gesetzes nicht mehr folgen müssen, sondern den kindlichen heiligen Geist von Gott annehmen.

 

3. Punkt: Zutrauen statt Gesetzlichkeit: ‚Papa’ statt ‚Chef’

 

Ein Kind weiß um den Vater, die Mutter im Himmel.

Weiß um die Stärke, die Größe, die Macht.

Es ist Gott nichts unmöglich.

 

Jesus hat übrigens Gott gern als Vater angesprochen, unüblich für seine frommen Zeitgenossen. Viel zu vertraut, sagten diese Leute.

Aber er redete weiterhin zu seinem himmlischen Vater – und seinen Freunden gab er ein besonderes Gebet mit und das heißt: „Vater unser im Himmel…“

 

Wer einen Vater im Himmel hat, der ist der Plage der Gesetze noch nicht enthoben, aber er steht nicht mehr unter der Diktatur, als müsste er sich selbst durch Leistung und Kampf erlösen.

 

Ein Gotteskind lebt in neuer Freiheit und mit neuer Bestimmung.

(Ein Kind ist später auch Erbe alles dessen, was vermacht wird.)

 

Ein Gotteskind redet anders, als z.B. ein Angestellter mit seinem Chef.

 

Ein Arbeitnehmer sagt korrekt: ‚Jawoll Chef, was soll ich machen? Wie lang hab ich zu tun? Was bekomme ich für meine extra Schicht?..’

 

Ein Kind redet zärtlicher: Es ist unmöglich ‚Chef’ zu sagen. Es ist unangemessen, mit der Stechuhr alles bestätigen zu lassen.

Ein Kind hat eben den direkten Draht zu Papa …

 

Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

 

Das Wort ‚Abba’ ist ein aramäisches Wort. Mitten in der griechischen Übersetzung ein aramäisches Wort! Das Wort ist lautmalerisch und international und wird von jedem Vater verstanden. Es ist genau das, was wir mit Papa meinen.

 

Papa ist fast ein Kosewort. Die Kinder wissen es gut zu nutzen, setzen sich auf Papas Schoß, reiben sich an seinem kratzigen Bart und sagen: „Ach, Papilein, könntest du nicht mal ..“, und dann werden die Wünsche genannt – und meist auch erfüllt.

 

Wir wissen ja, wie gerne wir Wünsche erfüllen. Und wie unser Herz schwach wird, wenn Kinder ihre Wünsche nennen.

 

Wer Jesus vertraut, verliert seinen knechtischen Geist und bekommt einen kindlichen Geist:

- der zeigt uns eine Zutraulichkeit, die keineswegs unverschämt ist.

- der gibt dem Gebet eine kindliche Art, auch wenn es dann später ausgewachsene nüchterne Männer sind.

 

Liebe Gemeinde,

weil Gottes Sohn Kind geworden ist, darum dürfen wir kindlich „Abba“ sagen.

Wir dürfen einfach drauflos reden – wie Kinder.

Wir sollen Vaters Wort respektieren, wir sollen Vaters Nähe suchen.

 

Der kindliche Geist wird uns helfen und an das erinnern, was der Vater will.

Er hilft uns auch, wenn wir schwach sind.

 

Nehmen wir die Kinder als Vorbild.

Ich wünsche uns, dass wir uns vor Gott wie Kinder benehmen und wie Kinder freuen können!

 








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