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Predigttext

Wer den Sohn nimmt, bekommt alles!
25-12-07 01:00
Alter: 3 yrs


VON: J. VORLÄNDER



Eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte / Predigt zur Christnacht (1. Joh 5,12)


Liebe Gemeinde,

ich vermute, dass Sie etwas von dieser Christnacht erwarten. Dass Sie sich etwas erhoffen oder versprechen: zumindest die meisten von Ihnen. Es ist menschlich, Erwartungen zu haben. Ganz unterschiedliche Erwartungen: kleine oder große.

Vielleicht haben Sie einfach nur erwartet, wenigstens in der Christnacht in der Kirche einen Sitzplatz und genug Luft zum Atmen zu bekommen.
Vielleicht erwarten Sie auch, hier in gemütlicher Atmosphäre endlich zur Ruhe zu kommen, um über Weihnachten nachzudenken und Gott mit alten und neuen Liedern zu loben.
Oder vielleicht ist Ihr Weihnachtsfest auch von traurigen Umständen überschattet und Sie erhoffen sich, in der Christnacht einen kleinen Trost zu finden; etwas von Jesu Licht und Wärme zu spüren.

Ich wünsche Ihnen, dass sich Ihre Erwartungen erfüllen!

Ich gebe aber auch zu bedenken, dass es unrealistisch ist, dass sich alle unsere unterschiedlichen Erwartungen erfüllen. Experten warnen sogar davor, zu viel – von sich, von anderen, vom Leben – zu erwarten. Denn je mehr wir erwarten, desto stärker können wir auch enttäuscht werden… und ärgern uns dann oft fürchterlich.

 

Ich möchte Sie einladen, über Ihre Erwartungen nachzudenken, die sie jetzt, zu Weihnachten 2007 und auch für nächstes Jahr haben. Genauer: Ihre Erwartungen von Gott. – Erwarten Sie etwas von ihm?

 

Es gibt Menschen, die von Gott ziemlich viel erwarten:

Ein unversehrtes Leben ohne Schicksalsschläge, Wohlstand aus heiterem Himmel, Errettung aus jeder selbst eingebrockten Notsituation, Weltfrieden, Gerechtigkeit für alle…und für sich selber am meisten.

Und es gibt heute auch viele Menschen, die von Gott gar nichts mehr erwarten. Vielleicht aus der Sorge heraus, von Gott keine Spur in ihrem Leben zu finden?

 

Diese Sorge ist unberechtigt. Denn Gott hat sich über die Jahrtausende hinweg immer wieder persönlich offenbart: vor über 3000 Jahren den Erzeltern, angefangen bei Abraham & Sarah, Mose, seinem Volk Israel, den Propheten, denen er weitere Verheißungen, Versprechen, offenbart hat. Denen er gezeigt hat: Ihr, mein auserwähltes Volk, dürft auch trotz all eurer Fehler weiterhin mit mir rechnen. Ihr dürft viel erwarten, wenn ihr mir die Ehre gebt und mich nicht nur für eure eigenen Wege ausnutzen wollt.

 

Und schließlich hat Gott sich in Jesus Christus als Mensch offenbart. Offenbart, sich selbst mitgeteilt. So, als würde er sagen: „Hier bin ich, der neue König, der Messias auf den ihr wartet, als kleines Kind mitten unter euch. Wollt ihr meine Freunde sein?“ Gottes Freundschaftsangebot gilt nicht nur Israel, sondern allen Menschen.

 

Aber was erwarten wir für unser Leben von Gott? Erwarten wir, dass Jesus unser Leben erfüllt und uns beschenkt? Oder „pokern“ wir lieber - mit kleinen Einsätzen: 3 Euro in die Kollekte und dafür habe ich dann bei Gott einen Wunsch frei? Erwarten wir von Gott, dass wir uns nach Lust und Laune die Rosinen aus seinen Kostbarkeiten, aus seiner Schöpfung herauspicken dürfen, ohne Gott die Ehre zu geben?

 

Oder machen wir uns klar, dass alle materiellen Kostbarkeiten, dass auch die schönsten Geschenke wertlos sind im Vergleich zu dem Geschenk in der Krippe? Auf dieses Geschenk Gottes haben Menschen Jahrhunderte lang gewartet und gehofft. Sie haben sich gesehnt nach dem verheißenen König, der vom Propheten Jesaja als Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst angekündigt worden ist. [Jes 9,5]

 

Ist Jesus Christus für mich persönlich von so unschätzbarem Wert, dass ich „all in“ gehe – so heißt es ganz modern beim Pokerspiel-, dass ich alles auf eine Karte setze und Jesus alles was ich habe, mein ganzes Leben, anvertraue?

Dass ich von ihm nicht täglich neue „Wunder“ erwarte, sondern verstehe, dass er selbst das Wunder für mein Leben ist?

 

Mit diesen Gedanken vorweg möchte ich Ihnen jetzt eine ‚ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte’ vorlesen. Die „gewöhnliche“ aus dem Lukasevangelium haben wir ja schon am Anfang gehört. Die jetzige Geschichte verdeutlicht symbolisch, dass in Gottes „Weihnachts-Geheimnis“, in Jesus Christus, alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen liegen [Kol 2,3].

 

Die Geschichte heißt: „Wer den Sohn nimmt, bekommt alles!“

Sie erzählt von einem reichen Mann, dessen Frau vor Jahren verstorben war und der allein mit seinem Sohn lebte. Vater und Sohn vereinte die Liebe zur Kunst. Beide bereisten gemeinsam viele Länder Europas, stets auf der Suche nach neuen Schätzen. Die Wände ihres Hauses waren mit wertvollen Gemälden geschmückt: Rembrandt, Vermeer, Picasso, Monet, Matisse, van Gogh...

Der Sohn war bald – wie der Vater – ein weithin anerkannter Kunstexperte, und der Ältere konnte seinen Stolz auf ihn kaum verbergen, wenn sie gemeinsam mit Kunsthändlern aus der ganzen Welt verhandelten.

 

Doch dann kam der Krieg und der Junge wurde eingezogen.

Wochen später erhielt der Vater ein Telegramm: Nach schweren Kämpfen gelte der Junge als vermisst. Und eine böse Ahnung wollte nicht mehr von ihm weichen, er werde seinen Sohn nie wieder sehen.

Wenige Tage danach bestätigten sich seine Befürchtungen. Sein Sohn war bei dem Versuch gefallen, einen verwundeten Kameraden zu bergen. Verstört und verzweifelt sah der alte Mann das Weihnachtsfest nahen. Es war eine große Trauer in seinem Herzen. Und eine große Leere.

 

Am Morgen des Heiligen Abends klopfte es an der Tür. Der Vater öffnete.

Da stand ein junger Soldat, der in den Händen ein Paket hielt. Leise sagte er: „Ich bin der Mann, dem ihr Sohn das Leben gerettet hat, als er starb. Darf ich eintreten? Ihm kann ich nicht mehr danken, aber Ihnen – denn er hat so oft und so liebevoll von Ihnen gesprochen.“

 

Der Vater bat ihn herein, und der Soldat berichtete, wie der Sohn immer wieder von seiner Liebe zur Kunst erzählt hatte, die er mit dem Vater teile.

„Ich bin selbst Künstler, wenn auch nur ein ganz bescheidener“, sagte der junge Mann. „Ich möchte Ihnen ein Geschenk machen.“ Der alte Herr öffnete das Paket. Unter dem Packpapier kam ein Porträt seines Sohnes zum Vorschein, das der Soldat gemalt hatte. Überglücklich bedankte der Vater sich. Er versprach, das Bild an einem Ehrenplatz aufzuhängen.

 

Als der Soldat gegangen war, nahm der alte Mann ein Bild von unschätzbarem Wert von der Wand über dem Kamin. Dort hängte er das Porträt des Sohnes auf. Die Weihnachtstage über betrachtete er es wieder und wieder.

In den folgenden Wochen hörte er weitere Geschichten über seinen Sohn, der noch mehr Kameraden das Leben gerettet hatte. Dies erfüllte das Herz des Vaters mit Stolz, Stolz auf den geliebten Sohn. Das erleichterte ihm die Trauer. Das Porträt seines Sohnes wurde sein größter Schatz. Den Nachbarn sagte er, es sei das wertvollste Geschenk, das er je erhalten habe.

 

Im nächsten Frühjahr wurde der alte Mann krank und starb. In seinem Testament war festgelegt: Seine Bilder sollten bei einer Auktion am nächsten Weihnachtsfest versteigert werden. Dem Tag, an dem er sein größtes Geschenk erhalten hatte.

 

Der 24. Dezember kam. Und mit ihm die Auktion. Sammler aus aller Welt hatten sich eingefunden. Sie alle waren begierig, eines der unschätzbaren Kunstwerke zu ersteigern. Aber die Auktion begann mit einem Gemälde, das nicht auf der Liste stand: Das Porträt des Sohnes. Der Auktionator bat um das erste Gebot. Im Saal herrschte Schweigen. Minuten vergingen. Niemand sprach ein Wort. Endlich rief jemand von weit hinten: „Wer will denn schon dieses Gemälde? Das ist doch nur ein Porträt seines Sohnes. Rufen Sie die guten Sachen auf. Deswegen sind wir gekommen!“

Es folg­te beifälliges Gemurmel von allen Seiten.

 

„Nein“, sagte der Auktionator, „wir müssen zuerst dieses Bild veräußern!“

Schließlich erhob ein alter Freund des Verstorbenen die Hand und sagte:

„Würden Sie zehn Dollar akzeptieren? Das ist alles, was ich aufbringen kann. Ich habe den Jungen gekannt, und ich nehme das Bild gern.“

Der Auktionator blickte in die Runde: „Zehn Dollar sind geboten. Bietet jemand mehr?“ Die Antwort war ungeduldiges Schweigen. Der Auktionator zögerte. Dann fuhr er fort: „Zehn Dollar zum Ersten, zum Zweiten und - zum Dritten.“

Der Hammer fiel, begleitet von allgemeiner Erleichterung.

Einer aus dem Publikum rief: „Jetzt können wir endlich zu den echten Schätzen kommen!“ Der Auktionator schaute ihn an und sagte: „Die Auktion ist beendet.“ Staunen und Unglauben erfüllte den Raum. „Was soll das heißen, sie ist beendet?“ schrie einer. „Was ist mit den van Goghs? Und mit den Rembrandts? Da geht es doch um Millionen!“ Der Auktionator zuckte die Schultern und erwiderte: „Das ist einfach. Es war der Wille des Vaters: Wer den Sohn nimmt, bekommt alles!“

 

An diesem Weihnachtstag erfuhren die Kunstsammler, was die Liebe eines Vaters bedeuten kann - eines Vaters, dessen größte Freude sein Sohn war, der sein Leben hingegeben hatte, um andere zu ret­ten.

 

Weihnachten erinnert uns an einen anderen Vater, dessen Sohn gekommen ist, uns zu retten. Und auch nach dem Willen dieses Vaters heißt es in der Schrift: ‚Wer den Sohn nimmt, bekommt alles.’ –

 

Die Geschichte  spricht für sich. Die Kunstsammler wurden in ihren hohen Erwartungen bitter enttäuscht. Der Freund des Verstorbenen wurde über alle Erwartungen hinaus reich beschenkt.

 

Die frohe Botschaft dieser ungewöhnlichen  Weihnachtsgeschichte steht im Johannesevangelium und in den Johannesbriefen. Im 1. Johannesbrief heißt es: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben!“ [1. Joh 5,12]

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit dem, was Sie haben, auf Gottes Sohn „setzen“.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen Gottes Sohn wichtiger ist als ein van Gogh oder ein Rembrandt oder andere Geschenke.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Jesus vertrauen und spüren, wie er in Ihrem Leben wirkt und dass sie wissen, wie sehr Gott Sie liebt.  

 








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