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Predigttext

Weihnachtswunder - Weihnachtsmärchen?
11-12-07 08:49
Alter: 3 yrs


VON: J.VORLÄNDER



Ansprache zum mittendrin-Gottesdienst


Predigt zum Theaterstück: „Das Weihnachtswunder“ (Lukas 2)

 

Die Bedeutung von Weihnachten zu verstehen ist einfach. Es geht ums schenken und beschenkt werden. Das wurde auch im Theaterstück ein Stück weit sichtbar.

Jedenfalls wurde die kleine Steffi unglücklich, als sie sich vorstellte, Weihnachten keine Geschenke zu bekommen. Geschenke sind Jahr für Jahr das Weihnachtsthema Nr. 1.

 

Ist Weihnachten ein Wunder oder ein Märchen? – das sich Beschenken ist jedenfalls Realität. Daran gibt es keine Zweifel, wenn man sich die Höhe der Umsätze für Weihnachtsgeschenke in Deutschland ansieht. Alleine über das Internet sollen dieses Jahr zu Weihnachten für 4,6 Milliarden Euro Geschenke gekauft werden. Das sind 500 Millionen mehr als letztes Jahr.

Aber warum müssen sich die Menschen immer teurere Geschenke kaufen und fühlen sich doch dabei oft zu arm,jammern über den Weihnachtsstress und können sich oft über die Geschenke gar nicht richtig freuen?

 

Was steht hinter der Schenkerei? Es könnte beinahe der Eindruck entstehen, dass sich viele Menschen ein Weihnachtswunder erkaufen wollen.

Und die großen Einkaufszentren machen sich das natürlich zunutze: „Weihnachten ist hier“ versprechen sie auf Werbetafeln an den Bushaltestellen oder im Radio.

 

Aber da muss die kritische Frage erlaubt sein: Kann man Weihnachten kaufen? Was hat es mit dem Schenken auf sich?

Wenn ich etwas geschenkt bekomme, ist das ein Zeichen von Wertschätzung. Und danach sehnt sich jeder Mensch: wertgeschätzt zu sein. Zu spüren: ich bedeute dem anderen etwas. Ein Geschenk kann ein Zeichen von Wertschätzung sein. Es kann aber genauso gut auch nur eine Verlegenheit für ein schlechtes Gewissen sein. Manche Menschen vergessen das ganze Jahr über, sich gegenseitig wert zu schätzen vergessen zu sagen: „Ich bin froh, dass es sich gibt.“

Und Weihnachten versuchen sie dann alles verpasste mit Geschenken auszubügeln.

 

Wer nichts geschenkt bekommt und auch kein Geld zum Geschenke kaufen hat,der wird in unserer Gesellschaft ganz schnell zum Außenseiter. Denn wer zu Weihnachten nichts bekommt - während alle anderen sich beschenken - kommt sich allein, ungeliebt und vergessen vor. Wertlos.

Aus dieser Befürchtung heraus kann man vielleicht die Aktion von Ralf verstehen,die Sammelbüchse zu klauen. Er ist doch sicher kein krimineller Junge! Aber er hat Angst, Weihnachten mit leeren Händen dazustehen und „draußen“ zu sein. Er hat Angst, selbst an Weihnachten nicht „mitten drin im Leben“ zu sein, die Fülle des Lebens zu verpassen und unglücklich zu bleiben. Für ihn eine unerträgliche Vorstellung.

Wer so empfindet, für den ist Weihnachten kein Wunder und auch kein Märchen, sondern ein Alptraum.

 

Aber auch wer zu Weihnachten Geschenke bekommt und dabei zugleich spürt,dass sie ohne Liebe und Wertschätzung geschenkt werden, der fühlt sich arm.

Unerfüllte Sehnsüchte, nicht nur nach materiellem Wohlstand, sondern viel mehr noch nach Liebe und Anerkennung – sie machen sich besonders in der Weihnachtszeit bemerkbar.

Kein Geld der Welt und kein käufliches Geschenk kann unsere unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Gemeinschaft stillen. Und wenn schon vor Weihnachten klar ist, dass es kein fröhliches Familienfest geben wird, weil sich die Eltern einfach nicht mehr sehen wollen, dann wagt man auch nicht mehr, auf ein Weihnachtswunder zu hoffen.

 

Wer sehnt sich an Weihnachten nicht danach, zu einer intakten Familie zu gehören?

Ganz besonders Kinder sehnen sich danach, dass wenigstens zu Weihnachten die Welt wieder in Ordnung ist. Beim Theaterstück habe ich mich gefragt, was Steffi wohl lieber gewesen wäre, wenn sie hätte wählen müssen: Hätte sie mehr Wert auf Weihnachtsgeschenke gelegt oder mehr Wert darauf, dass ihre Mutter zu Weihnachten zurückkommt und sich ihre Eltern wieder verstehen? Vermutlich sehnt sie sich am meisten nach einer glücklichen Familie.

 

Wir Menschen haben Verlangen nach einem Schutzraum, wie ihn eine gute Familie bietet.

Nach einem Vater, der ermutigt, der uns schützt und Geborgenheit gibt.

Nach einer Mutter, die für uns da ist und uns tröstet, wenn wir traurig sind.

 

Wenn wir jetzt mal die Perspektive wechseln: Was meint Gott wohl dazu?- Gott kennt unsere Bedürfnisse.

Und er möchte uns Menschen über unsere Eltern hinaus so einen Schutzraum anbieten. Darum lässt er es sich nicht nehmen, persönlich auf die Welt zu kommen, um seinen Menschen zu begegnen.

Der Stall von Bethlehem ist der Anfang eines liebevollen Schutzraumes, den Gott uns gibt. Ein Raum ohne Luxus, aber ein Ort, an dem jeder trotz des etwas strengen Stallgeruchs merkt: hier bin ich willkommen.

 

Aber wenn ich mich vor Gott frage: bin ich es überhaupt wert, zu Weihnachten, also kurz vor Jahresende, belohnt zu werden?

Wenn ich mir überlege, was ich dieses Jahr alles gemacht habe, an guten Dingen, aber auch an schlechten, dann müsste ich unterm Strich leider eine negative Bilanz ziehen.

Ich habe zwar keine Goldmünze gestohlen, aber auch keine gespendet.

Ich bin zwar einigen Menschen freundlich begegnet, aber vielen gegenüber war ich auch gleichgültig eingestellt oder unfreundlich.

Ich habe zwar manchmal nach Gottes Willen gelebt, aber oft ist es mir auch nicht gelungen.

 

Auch in der Gefahr, dass mein Selbstwertgefühl darunter leidet, muss ich mir ehrlich eingestehen, dass ich eigentlich keine Belohnung von Gott verdient habe. Und andere Menschen auch nicht. Und obwohl niemand von Gott Geschenke zu erwarten hätte, hat Gott sich entschieden uns alle zu beschenken.

Egal, wie artig oder wie frech wir waren,

egal wie viel Gutes wir getan oder auch nicht getan haben,

egal wie viel oder wie wenig Geld wir auf unserem Konto haben:

Gott beschenkt jeden gleich, weil er jeden gleich liebt.

Jeder ist ihm wertvoll und jeder ist würdig, sich von ihm beschenken zu lassen.

Ohne Vorleistungen, ohne Anzahlung und vor allem: ohne Haken.

 

Das fällt vielen Menschen schwer zu glauben, doch Gott meint es ernst:

Gott gibt uns das wertvollste Geschenk, das es gibt. Er gibt das Beste, was er hat. Er zeigt uns, wie wertvoll wir ihm sind, indem er selbst Mensch wird. In Jesus kommt er als Heiland, als Heilmacher in unser Leben. So wertvoll sind wir ihm.

 

Und das Kommen Jesu ist nicht ohne Wirkung geblieben.

Wer sich auf den Weg gemacht und im Stall angekommen ist, der hat das Weihnachtswunder selber erleben können. Vor etwa 2000 Jahren waren es die Hirten, die als arme Menschen, ohne Ansehen zu den Außenseitern der Gesellschaft gehörten.

Sie fühlten sich nicht richtig dazugehörig, nicht wirklich „drin“ im Leben.

Als sie in den Stall von Bethlehem kamen, veränderte sich plötzlich ihr Herz: „sie lobten und dankten Gott für das, was sie erlebt hatten“ steht in der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium, Kapitel 2. Sie spürten plötzlich, welches Geschenk ihnen Gott gegeben hatte.

Sie spürten, welche Liebe von dem kleinen Kind in der Krippe ausstrahlte und sie wussten: Wir sind Gott nicht egal, sondern wir sind geliebt und wertgeschätzt. Auch als arme Hirten gehören wir dazu. Wir sind in der Gemeinschaft mit Gott.

 

Wie sieht es heute aus? Wir feiern Weihnachten, weil Jesus auch heute lebt und wirkt.

Er ist das Geschenk Gottes und wertvoll wie am ersten Tag. Aber Gott zwingt sein Geschenk niemandem auf, sondern lässt jedem die Freiheit, ob er sein Geschenk annehmen möchte.

Im Theaterstück wurde deutlich, dass sich Roland auf Gottes Geschenk eingelassen hat und es nicht bereut hat. Im Gegenteil! Er hat die Erfahrung gemacht, dass Jesus ihn – so wie er ist – auch mit seinem kranken Arm und als Außenseiter, in seiner Familie haben möchte. Dass er trotzdem wichtig ist und gebraucht wird. Er hat gespürt, dass er Jesus wertvoller ist, als die reichsten Menschen mit Gold bezahlen könnten.

Roland hat sich auf Gott eingelassen und war „drin“ im Leben. So sehr drin, dass er Steffi und Michael weitererzählt hat, wie Jesus sein Leben verändert hat. Und die beiden haben an seinem wertschätzenden und hilfsbereiten Verhalten gespürt, dass er ihnen kein Märchen erzählt.

 

Wie reagieren wir auf Gottes Gemeinschaftsangebot?

Wer lieber an ein Märchen glauben möchte, als an das Weihnachtswunder, kann das tun.

Wer weiter versuchen möchte, sich das Weihnachtswunder mit Geschenken zu erkaufen, kann das probieren.

 

Wer sich aber mit seiner Sehnsucht Jesus anvertrauen möchte, der erlebt das Weihnachtswunder und spürt: ich bin Gott so wichtig, dass er Jesus für mein Leben und Wohlergehen, zur Erfüllung meiner Sehnsüchte und zur Vergebung meiner Schuld auf die Erde geschickt hat.

Indem ich mich auf ihn einlasse, bin ich im Leben „drin“. Mittendrin im Weihnachtswunder. Amen.

 

 








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