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Predigttext

Bestelle dein Haus..
25-11-07 19:27
Alter: 3 yrs


VON: TH.ENZNER



Markus 13,31-37; Ewigkeitssonntag


Das Kommen des Menschensohns und unsere Wachsamkeit

 

31 Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.

32 Niemand weiß, wann das Ende kommen wird; weder die Engel im Himmel noch der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater. 33 Darum werdet nicht nachlässig und bleibt wach! Denn ihr wisst nicht, wann es soweit ist. 34 Es ist genau wie bei einem Mann, der auf Reisen geht. Bevor er sein Haus verlässt, weist er jedem seiner Knechte eine bestimmte Arbeit zu und befiehlt dem Pförtner, wachsam zu sein. 35 Genauso sollt auch ihr wach bleiben. Ihr wisst ja nicht, wann der Herr kommen wird, ob am Abend oder um Mitternacht, im Morgengrauen oder nach Sonnenaufgang. 36 Deshalb sollt ihr zu jeder Stunde auf seine Ankunft vorbereitet sein und nicht etwa schlafen. 37 Was ich euch sage, gilt auch für alle anderen Menschen: Ihr müsst immer wach und bereit sein!

……..

Predigtgedanken:

1. ‚Plötzlich und unerwartet..’

2. ‚Bestelle dein Haus..’

3. ‚O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne..’

………

 

Liebe Gemeinde,

 

ich musste etwas schmunzeln, als ich aus der Zeitung erfuhr, dass es letzten Montag einen ganz besonderen Tag gab, den Welt-Toilettentag! Man sollte sich an diesem Tag an die Wichtigkeit der Hygiene rund um die Toilette erinnern. Nach einigem Schmunzeln hab ich mich eingelesen, und gemerkt, dass es tatsächlich ein wichtiges Thema ist.

 

Für viele Dinge gibt es Erinnerungstage, es gibt auch den Tag des Wassers, den Tag des Kindes, den Mutter-Tag, den Vater-Tag, den Tag des Baumes, den Tag der Umwelt, den Tag des offenen Denkmals, den Tag für sonst was Wichtiges… - fast schon eine Inflation von Gedenktagen.

Wie viel wichtiger ist aber heute das Gedenken an den Tod, an Tod und Ewigkeit!

 

1. Plötzlich und unerwartet..

 

Damit es nicht so kommt, wie es in manchen Traueranzeigen steht: „Plötzlich und unerwartet..“. Diese Wendung macht deutlich, dass der Tod uns plötzlich überfällt und wir immer wieder mit diesem Schock zurechtkommen müssen.

Der Volksmund sagt: ‚Unverhofft kommt oft’: Unfälle, Gasexplosionen, Überflutungen, Erdbeben, - auch im persönlichen Alltag: Kollaps, Ohnmacht, Hexenschuss..

 

Aber unser Tod oder der Tod von lieben Menschen - ist er immer nur plötzlich und unerwartet?

In vielen Fällen nicht! Es ist die ‚gefühlte Plötzlichkeit’, die uns zu schaffen macht.

 

Statistisch gesehen müssen wir ab 60 oder ab 70 mit dem Ende rechnen.

-Den Rauchern wird es täglich vor Augen geführt: die Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln, zB ‚Rauchen ist tödlich..’ weisen auf die ständige Gefahr hin.

-Für Infarktpatienten, Krebspatienten, Menschen im Altersheim ist der Tod eine täglich reelle Bedrohung.

 

Wir müssen mit dem Tod leben lernen! Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben.

Wir müssen lernen, mit der Endlichkeit, dem persönlichen und zeitlichen Ende zu leben.

 

David sagt in Psalm 39: Herr, lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir...

Und Worte aus einem andren Psalm lauten ähnlich: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden! (90,12)

 

2. „Bestelle dein Haus..“ (2.Könige 20,1)

 

Im alten Testament gab es einen frommen König Hiskia, der wurde todkrank und der Prophet sollte diesen König auf seinen Tod vorbereiten. Der Prophet Jesaja geht zu ihm hin und sagt: „So spricht der Herr: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben…“ Gott hatte ein Interesse, dass Hiskia alles Wichtige in seinem Königshaus noch regelt, bevor es zu spät ist.

 

Bestelle dein Haus! - ist ein Aufruf, es nicht laufen zu lassen, um am Ende nur erschrocken das ‚Plötzliche und Unerwartete’ festzustellen.

Bestelle dein Haus! – meint uns mit allem Wichtigem im Leben, was uns gehört, was uns etwas bedeutet, was wir weitervererben..

 

Das ist ein unangenehmer Impuls, den wir gerne verdrängen.

 

Vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. weiß man, dass er in den letzten Jahren seines Lebens dem Hofstaat verboten hat, in seiner Gegenwart auch nur ein einziges Wort vom Sterben und Tod zu sagen. Er baute sich das prächtige Schloss Versailles auch aus dem Grunde, weil er an seinem Pariser Wohnsitz zu nah beim Friedhof war.

Er wollte sich einfach nicht an sein Ende gewöhnen.

 

Auch wir bestellen nur ungern unser Haus..

-Ob es nun das Testament ist.. – ach, das hat doch Zeit.

-Ob es nun die Berechung der Altersvorsorge ist – ach, das ist lästig, ich bin noch jung.

-Ob es nun eine Patientenvollmacht ist – ach, ich bin doch nicht krank.

-Ob es nun ein klärendes Gespräch ist, mit Kindern, Geschwistern – um im Frieden oder zumindest nicht im Groll Abschied zu nehmen.

-Ob es nun die Beziehung zu Gott ist – haben wir unseren Frieden gemacht, ihm den gebührenden Dank erwiesen, ihm unsre Nöte, Schmerzen, Vergeblichkeit gesagt, ja ihn um Vergebung gebeten für Dinge, die nicht mehr gut zu machen sind?

 

-Ob es nun eine Regelung betrifft, wo wir unsre Grabstelle haben wollen?

Es muss ja nicht so übertrieben sein, wie eine Frau aus meiner früheren Gemeinde, die neben dem Friedhof wohnte und auch schon ihr eigenes Grab gekauft hatte und es liebevoll mit Blumen ausstattete und pflegte. Diese Frau war ein Unikum in verschiedener Hinsicht, schlicht und fromm – und was das Vorbereiten betrifft, konnte man von ihrer Haltung schon eine Scheibe abschneiden.

 

Bestelle dein Haus!

In unserem Text spricht Jesus von Wachsamkeit und vom Durcheinandergeraten des Kosmos. Schauen wir zum Himmel, sehen wir: Jahrtausende sind die Sterne alle am gleichen Platz, sollte da jetzt gleich was durcheinander geraten?

Der neulich angekündigte Komet, der wird sich auch wieder aus dem Staub machen und uns nicht bedrohen…! Wachsamkeit bezieht sich aber nicht nur auf das Weltende, sondern auf mein Ende. Mein Tod ist ja das Ende meiner Dinge, das Ende meiner Möglichkeiten – und dieses mein Ende ist statistisch gesehen Millionen Male realer und näher als das Weltende.

 

Eine alte Geschichte erzählte von einem Gastwirt in England. Der lebte ziemlich unmoralisch und chaotisch und zog seine Gäste mit in schlechtes Verhalten hinein. Reichlich Alkohol und zweifelhafte Vergnügungen waren der Lebensinhalt des Wirts und seiner Gäste.

 

Eines Tages stirbt in seiner Verwandtschaft ein naher Angehöriger. Ob er will oder nicht, er muss zur Trauerfeier in die Kirche und die Predigt anhören, aber in seiner Abneigung gegen Gottes Wort beschließt er, während der Predigt beide Ohren zuzuhalten. So sitzt der Gastwirt taub unter den Zuhörern und verschließt sich dem Wort Gottes buchstäblich.

Da sticht ihn eine Mücke in die Nase. Gedankenlos nimmt er die Hand vom Ohr und verscheucht die lästige Mücke. In dem kurzen Augenblick hört er den Satz de Predigers: „Bestelle dein Haus, denn du musst sterben“.

Schnell hält er sich wieder die Ohren zu und wartet auf das Ende der Feier. Aber das eine Wort geht nun mit ihm nach Hause, und er kann es nicht wieder loswerden. Das Wort steht morgens mit ihm auf, geht abends mit ihm zu Bett, kehrt in seinen Träumen wieder. Der Mann kann es nicht loswerden.

Am Ende ergibt er sich Gott, kehrt um und beginnt ein neues Leben. Er bestellt sein Haus und lädt Gott in sein Lebenshaus ein. Aus dem Wirtshaus und dem Ort der Sünde wird ein Ort der christlichen Gastfreundschaft.

 

3. „O Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne..“ (Gerhard Tersteegen)

 

Die Ewigkeit ist in der Tat gewöhnungsbedürftig.

Der Liederdichter aus Mülheim, Gerhard Tersteegen, erinnert sich in einem Abendlied daran, dass er sich an die Ewigkeit gewöhnen will.

 

Der letzte Vers seines Abendliedes lautet:

‚Ein Tag, der sagt dem andern, mein Leben sei eine Wandern, zur großen Ewigkeit, o Ewigkeit, so schöne, mein Herz an dich gewöhne, mein Heim ist nicht in dieser Zeit!’

(EG 481,5 von ‚Nun sich der Tag geendet.. 1745)

 

Wer sich gewöhnen will, der kann das nicht ein für allemal tun, sondern er muss es wiederholt tun. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er muss bestimmte Dinge immer und immer wieder tun. Wenn wir uns an die Ewigkeit gewöhnen wollen, dann müssen wir uns die wunderbaren Dinge immer wieder vor Augen halten.

 

Vor einiger Zeit habe ich einen Gottesdienst in dem berühmten Markusdom von Venedig erlebt. Ich hatte nur minimal wenig von den Texten verstanden, aber wenn ich zum Deckengewölbe schaute, dann konnte ich mich daran nicht satt sehen: es war über und über mit Goldmosaiken verziert. Symbole und Gestalten, Schmuck, Ranken und der Glanz des Goldes hinterließen den Eindruck einer gewaltigen Schönheit und Herrlichkeit. Ein Abglanz der ewigen Welt.

 

Die Architekten des Mittelalters haben die Deckengewölbe oft als Sinnbild für Himmel und Ewigkeit ausgeschmückt..

 

Wir brauchen Bilder und Symbole, um uns an die Ewigkeit zu gewöhnen…

Mit unsren Sinnen wollen wir die Ewigkeit erfassen, mit den Augen – auch mit dem Mund, zB jetzt beim Abendmahl. Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist…

Das Brot und den Wein schmecken!

Jesus sagte damals zu seinen Jüngern: Ich werde mit euch nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken, bis ich es neu trinken werde im Reich meines Vaters..!

Ich stelle mir vor, wenn ich vom Wein trinke: So – und noch viel schöner – wird es sein, wenn ich in der ewigen Gemeinschaft bei Jesus bin.

 

O Ewigkeit so schöne, mein Herz an dich gewöhne..!

Darum sagen wir Christen zu diesem Sonntag auch nicht Totensonntag, sondern Ewigkeitssonntag,- damit wir nicht nur rückwärts schauen, sondern uns auch daran gewöhnen, vorwärts nach dem ewigen Ziel zu schauen. Christen sind in dieser unsrer Zeit wie Durchreisende, die mehr und mehr in der Ewigkeit heimisch werden.

 

Auch an Gottes gutes, ewiges Wort sollen wir uns gewöhnen, z.B. diesen wunderbaren Zuspruch hören, wenn Jesus spricht:

Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. (V.31)

 

Darauf kann man bauen. Darauf kann man leben und darauf kann man auch sterben.

 

 

 

 

 








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