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Predigttext

Umkehren wie die Zugvögel
21-11-07 10:10
Alter: 3 yrs


VON: TH.ENZNER



Jeremia 8, 4-7; Volkstrauertag


Gegen das verblendete Volk und seine Verführer

 

Gott sagt zum Propheten Jeremia:

 

4 Sprich zu ihnen: So spricht der HERR: Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

 

5 Warum will denn dies Volk zu Jerusalem irregehen für und für? Sie halten so fest am falschen Gottesdienst, dass sie nicht umkehren wollen. 6 Ich sehe und höre, dass sie nicht die Wahrheit reden. Es gibt niemand, dem seine Bosheit leid wäre und der spräche: Was hab ich doch getan!

Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt.

 

7 Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

…………………..

Neues Leben Übertragung:

 

4 Jeremia, sag dem Volk: So spricht der Herr: Wenn Menschen hinfallen, stehen sie dann nicht wieder auf? Wenn sie einen falschen Weg eingeschlagen haben und ihren Irrtum erkennen, kehren sie dann nicht wieder um?

 

5 Warum also bleiben die Menschen in Jerusalem stur weiter auf dem falschen Weg und halten sich von mir fern? Sie wollen nicht umkehren!

6 Ich lausche ihren Gesprächen, und was höre ich? Keiner spricht die Wahrheit. Es gibt auch keinen, der seine bösen Taten bereut, sodass er sagt: O nein, was habe ich nur Schreckliches getan? Nein, jeder jagt auf dem Weg der Sünde entlang, eilends, wie ein Pferd, das in die Schlacht stürmt!

 

7 Der Storch weiß, wann er aufbrechen muss, ebenso Taube, Kranich und Schwalbe. Sie alle kehren jedes Jahr zur rechten Zeit zurück. Aber mein Volk weiß nicht einmal, was ich ihnen geboten habe!

 

8 Wie könnt ihr nur sagen: Wir sind so klug, wir besitzen doch die Gesetze des Herrn? Das, auf was ihr euch beruft, ist doch von euren Lehrern vollständig verfälscht worden!

 

9 Eure Weisen werden beschämt und verwirrt dastehen, sie werden sich in ihrer Weisheit widerlegt sehen. Wie können sie auf den Gedanken kommen, dass sie weise sind, wenn sie doch das Wort des Herrn verworfen haben?

 

10 Deshalb werde ich eure Frauen anderen Männern überlassen, und Fremde sollen euer Land besitzen.

………

 

Predigtgedanken:

 

- ein verblendetes Volk und ein frustrierter Gottesmann

- Umkehren zur rechten Zeit führt wieder zum Leben

- Gottesfurcht bewahrt vor Verdrehung, Verblendung u. Verstockung

 

Liebe Gemeinde,

 

haben Sie schon einmal einen bösen Albtraum gehabt, der Sie so aufgewühlt hat, dass Sie schweißgebadet aufgewacht sind?

 

Sie sitzen etwa in einem Auto, dessen Bremsen versagen, und Sie fahren immer schneller durch die Ortschaften, fahren Menschen um, fahren Kinder um, lassen hinter sich eine Schneise des Verderbens, bis Sie schließlich nach vielen Schlangenlinien in einem völlig verbeulten Auto an einem Baum zum Stehen kommen – und damit aufgewacht sind.

 

 

Der Prophet Jeremia sieht zu seiner Zeit eine Lawine böser Ereignisse. Er sieht die Geschichte seines Volkes, wie sie sich wie ein böser Albtraum entwickeln wird.

 

Rasant geht es auf den Abgrund zu.

Die groß angelegte und gute Kultus- und Gottesdienstreform des frommen Königs Josias ist versandet, die Außenpolitik ist von Angst und fehlendem Gottvertrauen geprägt, die sozialen Spannungen schreien zum Himmel.

 

Gott meldet sich durch den Prophetenmund zu Wort und lässt seinem Volk ausrichten:

 

„Ihr lebt besinnungslos! – Verrückt!

Ihr schadet euch doch nur selbst! Seid vernünftig und kehrt um zu meinem Recht!“

 

Der Ton des göttlichen Appells ist nicht drohend, eher klagend, werbend, auf Einsicht zielend – um sozusagen noch 5 vor 12 die Katastrophe zu stoppen.

Leider hat es nichts genützt.

Am 16. 03. 597 war es dann soweit: Nach langer Belagerung wurde Jerusalem vom König Nebukadnezar eingenommen. Die babylonische Verbannung begann. Israel hörte auf zu existieren.

 

Aber bleiben wir bei der Zeit vor dieser Katastrophe:

Gott mahnt durch Jeremia und er erinnert dabei an Selbstverständlichkeiten, um die Menschen zu gewinnen:

 

- Ist es nicht so, wenn einer von euch auf die Nase fällt, dann steht er doch auf, oder?

- Ist es nicht so, wenn sich einer verläuft, dann setzt er alles dran, um auf den rechten Weg zu kommen, oder?

Aber ihr haltet falsche Gottesdienste, die Lüge hat schon Gewohnheitsrecht, niemand schreitet mehr ein – ja, ihr wollt gar nicht mehr umkehren und euch verändern!

 

Keiner hat Einsicht und sagt: „Es tut mir leid! Wir denken falsch! Wir denken verkehrt!“

 

V.6:‚Es gib niemand, dem seine Bosheit leid wäre, und der spräche: Was hab ich doch getan!’

 

Hat keiner mehr Zivilcourage? Schlägt keinem mehr das Gewissen?

Es ist, als ob Gott so in die Runde seines Volkes schaut, besonders zu den Verantwortlichen, zu den Priestern, zu den Staatsleuten und dem König mit seinen Beamten.

Aber nein, alle sind stumpf geworden, alle lassen’s laufen, wie es läuft.

Sie antworten Jeremia: „Nur keine Panikmache! Irgendwie haben wir immer wieder einen Weg gefunden. So schwarz sehen wir das nicht. Und die Priester, vom Staat bezahlten Beamten säuseln ‚Friede, Friede’“. – so lauten die Antworten.

 

Es ist, als ob Jeremia von einer höheren Warte viel deutlicher die düsteren Zusammenhänge der Geschichte sieht – als die Verantwortlichen, die mitten in ihren Aufgaben stecken und meinen ihre Pflicht tun.

 

Woher kommt das?

 

Jeremia ist ein Mann Gottes. Wer mit Gott innig verbunden ist, der weiß auch, was bei den Menschen gespielt wird. Und er erkennt, dass das Recht Gottes nicht automatisch geachtet wird. Wo die Ehrfurcht vor Gott und seinem Recht auszieht, da zieht durch die Hintertür das Recht nach menschlichem Geschmack ein, etwa:

- Recht ist, was alle tun.

- Recht ist, was nützt.

- Recht ist, was Spass macht.

- Recht ist, was der Stimmung des Volkes entspricht.

- Recht ist, was bei der Mehrheit ankommt.

Und so wird das Recht, das Gott eingesetzt hat, z.B. die 10 Gebote, immer mehr umgebogen, passend gemacht.

 

So beginnt dann der Albtraum:

1. Stufe: mangelnde Ehrfurcht vor Gott.

2. Stufe: Rechtsverdrehung zu eigenen Gunsten.

Aber der Sog ins Verderben geht noch weiter, denn Sünde zieht immer wieder Sünde nach sich. Sünde eskaliert. Das Böse fasziniert. Bis zur Verblendung.

 

Es ist wie beim Verliebtsein – nur ins Negative gewendet. Argumente helfen nicht. Vernunft auch nicht. Der Mensch ist verliebt in seine Begierden, Wünschen, Egoismus und Unrecht. Er erkennt das böse Ende nicht.

 

Vergleichbar mit dem Mann, der vom Hochhaus in die Tiefe springt, und einige Stockwerke tiefer schaut jemand raus und ruft: Wie geht’s denn? Und die Antwort bekommt: Och, bis jetzt geht alles super gut, richtig flott, ich komm voran!

 

Wird das Böse dann aber nicht gestoppt, kommt es zur Verstockung. Durch nichts mehr kann der Weg auf der schiefen Bahn gestoppt werden. Der Albtraum spult sich ab bis zum bitteren Ende.

 

Gott vergleicht die Menschen wie die Pferde in der Schlacht, die sich durch das Getümmel, durch die Massen, durch das Tempo berauschen lassen und dann unweigerlich in ihr Verderben rennen. So hat sich das Volk verlaufen und verrannt.

 

‚Sie laufen alle ihren Lauf wie ein Hengst, der in der Schlacht dahinstürmt.’ (V.6)

 

Der Prophet Jeremia steht kopfschüttelnd da, und registriert das schnelle Tempo der unheilvollen Entwicklung.

Nochmal: warum musste es so kommen?

1. Mangelnde Ehrfurcht vor Gott

2. Rechtsverdrehung

3. schließlich Verblendung bis hin zur Verstockung

 

Dabei wäre Veränderung, Umkehr doch das Normalste im Leben – genauso selbstverständlich wie das Aufstehen nach dem Hinfallen!

 

Als Gegenbild zum besinnungslos dahinstiebenden Pferd, das nur eine Richtung kennt, bringt Jeremia das geheimnisvolle Hin und Her der Zugvögel.

 

 

Diese Tiere, nur vom Instinkt dirigiert, nicht mal mit dem Verstand wie wir ausgerüstet, diese Tiere halten sich an die sinnvolle Ordnung Gottes.

Sie ziehen immer dorthin, wo sie gut leben können. Sie ziehen in warme Gegenden, und kehren mit dem Wechsel der Jahreszeiten wieder zurück. Sie wissen, was dran ist. Sie können zur richtigen Zeit umkehren.

 

7 Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Kranich und Schwalbe halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

 

‚Nehmt euch ein Beispiel an diesen einfachen Tieren! Aber was macht ihr, die ihr doch auch noch Verstand habt? Ihr wollt das Recht des Herrn nicht wissen!’

 

Liebe Gemeinde,

man könnte meinen, alle die Mahnungen seien in den Wind gesprochen.

Die Unheilsgeschichte hat einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gab. Dennoch ruft Jeremia unermüdlich: Wendet euch Gott wieder zu!

 

Es half nichts. Die Niederlage kam, unaufhaltsam.

 

Heute ist Volkstrauertag: Wir Deutsche haben auch eine Albtraum-Geschichte hinter uns …

 

Angefangen hat bei uns Deutschen der Albtraum mit Denkfaulheit.

Froh war man, dass sich bestimmte Führer mit beherzten und markigen Worten des Volkes annahmen und z.B. die Arbeitslosigkeit eindämmten.

Das bisschen Unwohlsein, das sich hin- und wieder einstellte, als z.B. Leute verschwanden, konnte man durch politische Erfolge besänftigen.

Der Stolz über große, nationale Anstrengungen verdeckte die Scham über manche Entgleisung.

Das Gefühl ‚Wir sind wieder wer!’ verkehrte sich in das überhebliche „Wer seid ihr schon, ihr Juden, ihr ..!“ Verblendung pur!

 

Und ehe man sich’s versah, war die Angst, aus der Reihe zu tanzen, größer als die Zivilcourage. Die Gleichschaltung der Menschen nahm ihren Lauf, und immer unverblümter sagten die Führer, was sie wollten, und was und wen sie ausrotten wollten.

 

Der Albtraum des 3. Reiches nahm seinen dämonischen Verlauf..

Hinterher, nach der Katastrophe, war’s dann keiner gewesen.

Die meisten sagten: Wir taten nur unsre Pflicht.

Und viel zu viele meinten, dass sie am Widerstand beteiligt waren.

„Warum?“, fragt die junge Generation die Großeltern...

Warum habt ihr da mitgemacht?

 

Sie müssten sagen:

Ja, wir sind schuldig geworden, wir haben mitgemacht, wir haben der Angst nachgegeben, wir haben unser Gewissen besänftigt, wir haben uns hinter der Verantwortung anderer versteckt. Wir haben getötet – für nichts und wieder nichts.

 

Erst nachdem 60 Millionen Menschen der Kriegs- und Vernichtungsmaschinerie geopfert waren, war der Albtraum zu Ende.

 

Nun bringt es aber nichts, dabei stehen zu bleiben. Wir wollen für uns lernen – und erkennen: Wer Gott nicht mehr die Ehre gibt, der wird bald Gefangener seiner eigenen Verblendung. Wer nicht bereit ist, umzukehren, der muss auch den Preis seiner Verblendung bezahlen.

 

 

Liebe Gemeinde,

es liegt an uns, zur Besinnung zu kommen und umzukehren wie die Zugvögel. Umkehren im Namen Jesu!

 

Umkehren vor Gott ist keine Niederlage, sondern ein starker, verheißungsvoller Neuanfang, angefüllt mit Hoffnung und Energie.

 

Ein Rabbi sprach: ‚Die große Schuld des Menschen sind nicht die Sünden, die er begeht – die Versuchung ist groß und seine Kraft ist klein. Die große Schuld des Menschen ist, dass er jederzeit umkehren kann und es nicht tut.“

 

Umkehren ist zwar ärgerlich. Man hat eine Strecke zurückgelegt, und soll sie wieder zurückgehen. Keiner gibt gerne zu, in eine Sackgasse gelaufen zu sein.

 

Aber Umkehren ist auch befreiend. Die Lebensweichen können nochmal neu gestellt werden. Die Gleise führen nicht mehr ins Verderben.

 

Umkehren ist lebensrettend. Wenn man einem Strom, der in die Tiefe stürzt, gerade noch entkommt und das Ufer erreicht, bevor es zu spät ist, das ist Rettung.

 

Mit diesem Bild beschreibt Leo Tolstoi sein Leben und sagt rückblickend:

„Ich kam mir vor wie ein Mensch, den man in einen Kahn setzte und in dessen unerfahrene Hände man die Ruder gelegt hatte. Vom Ufer fortgestoßen, ruderte ich auf dem reißenden Strom des Lebens dahin. Je mehr ich in die Mitte der Strömung kam, um so mehr Menschen begegnete ich. Lachende, singende, lärmende Menschen, die alle in einer Richtung dahinfuhren, und niemand fragte danach, ob denn die Richtung stimmte, in der die Fahrt ging.

Plötzlich hörte ich durch das Gewirr das Tosen und Brausen der Stromschnellen, und ich sah, wie vor mir ein Lebensschiff nach dem anderen kenterte und unterging.

Da kam ich zu mir und hielt inne mit der tollen Fahrt.

Mit aller Gewalt ruderte ich zurück, stromaufwärts dem Ufer zu. Und endlich kam ich heraus aus der gefährlichen Strömung. Das Ufer, von dem ich losgetrieben war, war der lebendige Gott. Nun war ich zu ihm zurückgekehrt und geborgen!“

Wendepunkte sind manchmal die besten Punkte im Leben.

Wenn wir uns verbiestert, verbohrt, verbockt haben in Groll oder Hass, in Verzweiflung oder Trotz. Oder wenn wir einfach so im Leben dahingetrieben werden durch Hektik, Beruf, Alltagsstress. Wendepunkte sind Rettungspunkte.

 

Liebe Gemeinde, wenn sie künftig am Himmel die Zugvögel sehen,

dann denken sie daran, dass es immer wieder eine Zeit gibt fürs Umkehren.

 

Besser umkehren als umkommen!

 








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