Predigt zu Erntedank; Matthäus 6, 19-21 u. Psalm 50,14-15.23
Jesus warnt in der Bergpredigt (Matthäus 6, 19-21) vor falschem Reichtum:
19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.
20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.
21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
………
Psalm 50, 14-15. 23:
Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde und
rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
1. Dankbarkeit – eine gute Medizin für die Gesundheit
2. Dankbarkeit – richtet unser Herz auf himmlische Schätze aus
3. Dankbarkeit – eröffnet einen Weg, auf dem Gott entgegen kommt
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Nicht der ist glücklich, der viel hat, sondern der das, was er hat,
genießen kann.“
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt;
wenn es Gott gefällt, uns überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen wurmstichig werden lassen.
Gott wird es dem, der ihn in seinem irdischen Glück findet und ihm dankt, schon nicht an Stunden fehlen lassen, in denen er daran erinnert wird, dass das Irdische nur etwas Vorläufiges ist und dass es gut ist, sein Herz an die Ewigkeit zu gewöhnen.“ (von Dietrich Bonhoeffer)
Liebe Gemeinde,
Deutschland ist ein freundliches Land. Immer wieder wird ‚Danke’ gesagt.
Die Post hat sich neulich bei mir mit dieser Karte bedankt.
„Danke, Deutschland!“ hieß es auf dieser Karte.
Und weiter: „3.2 Millionen haben abgestimmt… 80.000 Postboten sagen Danke!“
Das war die Aktion ‚Deutschland sucht die Postboten des Jahres!’
Ich habe gar nicht mitgemacht und mitgestimmt.
Dennoch hat sich die Post hier mit diesem Flyer bedankt. Alle Achtung!
Freundliche Firma!
Das Wirtschafts-Marketing hat sich das freundliche Danke-sagen schon längst zu eigen gemacht. Man nennt das ‚Kundenbindung’.
- Auch nach Autobahn-Baustellen wird den Autofahren oft Danke gesagt: ‚Danke für ihr Verständnis!’
- Nach dem Besuch von Internet-Seiten heißt es manchmal: ‚Danke, dass sie uns besucht haben!’
- Auf den Kassenbon’s und bei der Abbuchung steht: ‚Danke für Ihren Einkauf!’
- Sogar auf manchem Umwelt-Toilettenpapier steht ‚Danke!’
Landauf, landab wird gedankt!
Menschen und Firmen wollen einen guten Eindruck hinterlassen.
Und außerdem: millionenfach wird im Alltag sogar ‚Gott-sei-Dank’ gesagt, aber das ist eigentlich nicht an Gott gerichtet und mit Kundenbindung hat es auch nichts zu tun. Gott sei Dank ist ein Erleichterungsruf, ein befreiender Seufzer – in den seltensten Fällen ein echter ‚Dank an Gott!’
Unsre Dankbarkeit gegenüber Gott fällt eher spärlich aus.
Was da hier auf dem Tisch des Herrn liegt, ist hübsch und dekorativ, aber es liegt ja deswegen auf dem Altar, weil es Gabe des Herrn ist.
Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn,
drum dankt, drum dankt, drum dankt und dankt und hoffet auf ihn!
(EG 508 Kehrvers)
Empfinden wir Essen und Trinken noch als Gabe, Geschenk des Schöpfers?
Kennen wir noch Tischgebete? (EG 882ff, S.1406 ff)
Wer eine Beziehung zum Schöpfer hat, den drängt es zur Dankbarkeit.
Ein Bauer ist zum Festessen in der Stadt eingeladen. Es gibt eine Schlacht am kalten Buffet. Die feinen Herren essen gleich gierig. Der Bauer bedient sich auch, setzt sich und spricht ein Dankgebet. Sein vornehmer Tischnachbar lächelt mild und sagt:
‚Na, Bauer, du kommst wohl vom Lande. Seid ihr da alle noch so altmodisch und betet noch bei Tisch?’
„Nein, nicht alle“, sagt der Bauer, „Ich habe im Stall ein paar Schweine, die fressen alle so, aber was bei uns Mensch ist, das dankt seinem Schöpfer für alle guten Gaben!“
Das unterscheidet uns von den Tieren, dass wir eine dankbare Beziehung zu unserm Schöpfer aufnehmen können, z.B. im Tischgebet.
‚Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich..’
Das ist ein Vorrecht und eine Einladung.
Haben wir eine Praxis der Dankbarkeit, die sich im Alltag niederschlägt?
3 Gedanken dazu:
1. Dankbarkeit ist eine gute Medizin für die Gesundheit
Es ist fast eine Wunderpille. Ein Arzt besucht seine Patienten im Altenheim.
Ihm fällt ein 96-jähriger Mann auf, der stets zufrieden und freundlich ist. Eines Tages spricht ihn der Arzt darauf an und fragt nach dem Geheimnis seiner Freude. Lachend antwortet der Mann:
„Herr Doktor, ich nehme jeden Tag zwei Pillen ein, die helfen mir!“ Verwundert schaut ihn der Arzt an und fragt: „Zwei Pillen nehmen Sie täglich? Die habe ich Ihnen doch gar nicht verordnet!“ Verschmitzt lacht der Mann und antwortet:
„Das können Sie auch gar nicht, Herr Doktor. Am Morgen nehme ich gleich nach dem Aufstehen die Pille Zufriedenheit. Und am Abend, bevor ich einschlafe, nehme ich die Pille Dankbarkeit. Diese beiden Arzneien haben ihre Wirkung noch nie verfehlt.“ – Darauf der Arzt: „Das will ich ihnen gerne glauben. Ihr gutes Rezept werde ich weiterempfehlen!“
Wir dagegen? Wir nehmen oft am Morgen eine Sorgenpille und am Abend die bittere Pille der Ängstlichkeit und des Mangels..
Jeden Tag die Pille Dankbarkeit? Das ist leicht gesagt.
Manchmal müssen wir uns dazu überwinden, wenn Enttäuschung, Schmerz, Traurigkeiten da sind. Man muss bewusst und aufmerksam danken, manchmal muss man sich durch eine schwierige Situation hindurchdanken.
Eine mir bekannte Familie fragte ich nach langer Zeit einmal nach dem Ergehen. Vieles lief da nicht so gut. Und die Mutter, die ich am Telefon hatte, sagte dann:
Wir danken uns jeden Tag so durch! ( fast synonym: Wir kämpfen uns jeden Tag durch!) In der Tat hat das regelmäßige Danken auch etwas von Kampf, Aufwand, Opfer an sich. Es lohnt sich, wenn wir uns beim Danken auch Mühe geben.
Darum wird ja in Psalm 50 vom Dank-Opfer gesprochen.
Früher war diese Art von Dank mit einem Opfer verbunden, das war ein Aufwand, ein bewusster Akt. Das Danken entsprang nicht unbedingt einem Hochgefühl oder einer überschwänglichen Lebensfreude.
Als kleiner Junge (das jüngste Kind von vieren, die anderen drei waren Mädchen) wurde ich von Geschenken verwöhnt, und ich habe noch den Satz meiner Mutter im Ohr, die mir in den Tagen nach dem Geburtstag und nach Weihnachten in den Ohren lag und sagte: ‚Du musst dich bedanken!’ Briefe schreiben war mir zuwider. Ich war ja dankbar – aber ich drückte mich, den Dank auch in einem netten Brief auszudrücken. Das war für mich jedes Mal ein Opfer!
Opfere Gott Dank, so heißt es in Psalm 50.
-Gott steht der Dank zu, ob du gute Gefühle dabei hast, oder auch keine guten.
-Gott steht der Dank zu, ob es dir danach ist, oder nicht.
Bei allem Schmerz und Enttäuschung steht doch fest: du lebst.
Gott gab dir die Lebendigkeit. Gott lässt Früchte wachsen und versorgt uns.
Gott beschenkt uns mit Frieden, der doch menschlich gesehen, so zerbrechlich ist.
Gott ist es einfach wert, dass wir ihm danken.
Und das ist auch - ganz nebenbei - gut für unsere Gesundheit…
2. Dankbarkeit – richtet unser Herz auf himmlische Schätze aus.
Jesus mahnt in der Bergpredigt, dass wir uns nicht falsche Schätze anhäufen, die doch nur verrotten oder gar geklaut werden können. Wir sollen dagegen himmlische Schätze sammeln.
Letzte Woche haben wir bei uns einmal gründlich einen Kellerraum ausgeräumt. Es war großer Stress. Weil soviel scheinbar Wertvolles gesammelt war. Schimmel, Rost und die Einsicht, dass wir es doch nicht brauchen, hat uns schließlich veranlasst, viele Dinge rauszuwerfen…
Unnötige Schätze, vergängliche Schätze, nichts Bleibendes, geschweige denn Ewiges.
Was bleibt wirklich von dem, was wir alles in den Kellern oder auf dem Dachboden an Werten gespeichert haben?
Dankbarkeit entwickelt ein Gespür für Bleibendes.
Dankbarkeit gegenüber Gott hat einen Sensor für Himmlisches, Ewiges.
-Ich danke z.B. nicht für gute, verständliche Worte der Freunde, sondern für die Freundschaft.
-Ich danke nicht nur für die vielen einzelnen Signale des Zusammenhaltens, sondern vor allem für die Treue des Ehepartners.
-Ich danke nicht nur für alle elektronischen Raffinessen, sondern vor allem für die Möglichkeit, mit Freunden und Bekannten jederzeit verbunden zu sein …
Dankbarkeit bezieht sich immer auf das ‚Dahinterliegende’, die dahinter liegenden Werte.
Wenn wir Dankbarkeit nicht einüben, dann werden wir eingefangen von trügerischer Habgier, die uns einredet: Das musst du unbedingt haben! Wenn du das und das nicht hast, dann ist dein Leben nichts wert!..
Habgier kann wie ein Gefängnis sein, wir zersorgen und verbeissen uns in viele kleine vergängliche Dinge. Und wenn wir diese dann haben, dann stillen sie doch nicht unsern Lebenshunger.
Jemand sagte mal: „Der Reichtum eines Menschen vermehrt sich direkt proportional zur Anzahl der Dinge, ohne die er auskommt.“
Wozu sind diese irdischen Schätze eigentlich nütze?
Wir müssen sie pflegen, versichern, schützen – und wenn sie nicht gebraucht werden, nützen sie wenig.
Vor 150 Jahren, an einem Morgen im Oktober 1854, wurde Luigi Tarisio tot in seiner Milaner Wohnung aufgefunden, umgeben von auserlesenen Geigen, die er seit Jahren gesammelt hatte.
Seine bescheidene Dachwohnung war voll von ihnen; die besten Geigen befanden sich in der unteren Schublade eines alten, gebrechlichen Schreibpultes. Eine ganz besondere Stradivari aus dieser Sammlung hatte seit Jahrzehnten niemand gespielt, weil er sie als wertvollste unter seinen Sammelobjekten bewachte, statt sie freizugeben Als Verehrer der Geige hatte Tarisio die Welt der Musik beraubt, weil er diese wertvolle Geige nur gesammelt hatte und nicht für den Gebrauch freigegeben hatte.
Schützen oder nützen? Bewahren oder Gebrauchen? Konservieren oder genießen?
Jesus will, dass wir himmlische, bleibende Schätze sammeln und sie genießen:
Frieden im Herzen, Zuversicht des Glaubens, lebendige Hoffnung, Treue, Zufriedenheit…
Die Dankbarkeit hilft dazu und richtet unsre Blicke auf Bleibendes.
Unser Herz wir frei von den Mächten der Habgier.
Damit sind wir beim 3. Gedanken:
3. Dankbarkeit – eröffnet einen Weg, auf dem Gott uns entgegen kommt.
Psalm 50,23:
Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes!
In der Bergpredigt stellt Jesus Habgier und himmlische Schätze/göttlichen Reichtum als Konkurrenz dar.
Du kannst nicht Gott und dem Mammon (Götze Geld) gleichzeitig dienen.
Man kann sich nur auf eine Seite schlagen.
Das eine vertreibt das andere.
Der Theologe Hermann Bezzel sagte einmal:
„Der Dank ist eine Gewalt, vor der alle finsteren Mächte weichen“
Wo die finsteren Mächte vertrieben sind, kann Gott mit seiner heilsamen Art uns begegnen:
- dass ich z.B. seiner Vergebung traue und als Gabe und Schatz für mich annehme.
- dass ich ihn erkenne in vielen Kleinigkeiten meines Lebens.
- dass ich mich dessen erfreuen kann, was ich habe:
„Nicht der ist glücklich, der viel hat, sondern der das, was er hat, genießen kann.“
Dazu eine wichtige Bemerkung von Bonhoeffer (auch hinter dem Lied EG 512):
„Man soll Gott in dem finden und lieben, was er uns gerade gibt;
wenn es Gott gefällt, uns überwältigendes irdisches Glück genießen zu lassen, dann soll man nicht frömmer sein als Gott und dieses Glück durch übermütige Gedanken und Herausforderungen wurmstichig werden lassen…“
Ich wünsche uns ein fröhliches Genießen dessen, was wir haben – damit es nicht wurmstichig wird.
Ich wünsche uns, dass sich unser Herz dann dankbar auf den Schöpfer ausrichtet,
und ihm einfach sagt: ‚ Vielen Dank!’