Matthäus 7, 1-5
1) „Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. 2) Denn so wie ihr jetzt andere verurteilt, werdet auch ihr verurteilt werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere legt, wird man euch selber messen. 3) Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? 4) Du sagst: 'Mein Bruder, komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!' Dabei hast du selbst einen Balken im Auge! 5) Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen.
Predigtgedanken:
I. Drei Gründe, warum wir nicht verurteilen sollen
1. Damit wir selber nicht verurteilt werden
2. Weil wir oft vorschnell urteilen
3. Weil wir nicht alles wissen und durchschauen
II. Konstruktive Kritik setzt klare Sicht voraus
III. Jeder Mensch braucht deutlich mehr Lob als Kritik
Liebe Gemeinde!
Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten wie Menschen auf Kritik von anderen reagieren. Einige sind interessiert und offen, andere lassen alles scheinbar ganz „cool“ an sich abperlen und wieder andere reagieren sofort laut und verärgert.
Nie vergessen werde ich den Tag, als ich zum ersten Mal nachgedacht habe, was ständige Kritik und unerbetenes Urteilen bei anderen Menschen auslösen kann. Ich war ungefähr 12 Jahre alt. Ich spielte mit meinem jüngeren Bruder im Garten und sagte ihm ein paar gut gemeinte Worte. Und dann? Plötzlich beginnt mein Bruder zu weinen und gerät außer sich vor Wut. Er greift sich einen Spaten und läuft damit weinend auf mich zu. Er brüllt dabei: „Ich bring’ dich um!“
Das war kein normaler Geschwisterstreit mehr, sondern bitterer Ernst. Und ich war erschüttert und rannte um mein Leben. Viele der Kommentare und Ratschläge, die ich meinem Bruder über Tage und Wochen hinweg gegeben hatte, waren gar keine böse Absicht gewesen, sondern gut gemeint. Aber – so habe ich vor einiger Zeit gelernt – das Gegenteil von „gut“ ist oft „gut gemeint“, also „schlecht“! Meine Kommentare hatte mein Bruder als persönliche Kritik und Verurteilung aufgefasst und bis zur Explosion in sich gesammelt. Und wie es weiterging erfahren Sie am Ende der Predigt.
Wie gehen wir mit Kritik um? Fressen wir sie in uns hinein? Oder kontern wir sofort? Eine gute Idee im Umgang mit Kritik kann es sein, eine Nacht darüber zu schlafen.
Eine Anwaltskanzelei in London hat eine ungewöhnliche Methode entwickelt, mit Kritik umzugehen. Die Mitarbeiter sind angewiesen, eine möglichst unhöfliche Antwort zu schreiben. Dann lassen sie den Brief über Nacht liegen. Wenn sie am nächsten Morgen zur Arbeit kommen, zerreißen sie den Brief und schreiben statt dessen eine höfliche, professionelle Antwort.
Im heutigen Abschnitt der Bergpredigt erhalten wir eine Erklärung, wie wir mit Kritik umgehen sollen; wie und wann wir Kritik üben und annehmen sollen.
Ich lese den Predigttext aus Matthäus 7, die Verse 1-5: [siehe oben]
Um dieses Gebot Jesu richtig zu verstehen, ist es wichtig, die Worte der Bergpredigt in ihrem Zusammenhang zu verstehen. Für das richtige Verständnis sind auch andere biblische Aussagen mitentscheidend. Um Missverständnissen vorzubeugen benenne ich zunächst, was Jesus nicht meint:
1.) Jesus spricht nicht über die staatliche Autorität. Diese darf sehr wohl urteilen. Vor seiner Kreuzigung respektiert Jesus sogar, dass Pontius Pilatus ein ihm von Gott übertragenes Recht besitzt, ihn zu verurteilen. Die Macht, die Pilatus besaß, war ihm „von oben gegeben“ (Joh 19,11). Jesu Wille ist es nicht, dass Menschen grundsätzlich nicht urteilen sollen. In einer Welt, in der Unrecht geschieht brauchen wir Richter, die Urteile sprechen. Gerechte oder zumindest möglichst gerechte Urteile. So beschreibt Paulus das Amt des Richters bzw. der öffentlichen Gewalt im Römerbrief so:
„Die öffentlich Gewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. Sie handelt im Auftrag Gottes, wenn sie alle bestraft, die Böses tun.“
2.) Jesus spricht auch nicht über die Autorität, die wir zuhause, in der Familie oder in der Gemeinde ausüben; denn auch dazu finden wir Aussagen in der Bibel: Im Buch ,Sprüche’ finden sich zahlreiche Ermahnungen an Eltern, ihre Autorität in der Familie ernst zu nehmen. Z.B. „Erzieh deine Kinder mit Strenge, solange sie noch jung sind, aber lass dich nicht dazu hinreißen, sie zu misshandeln!“ (Spr. 19,18) Oder an die Kinder gerichtet: „ Denke immer an die Ermahnungen deines Vaters und habe die Weisung deiner Mutter stets vor Augen; wenn du auf ihre Worte hörst, wirst du Ehre und Anerkennung erlangen.“ (Spr. 1,8)
In erzieherischen Angelegenheiten ist es also durchaus gefordert zu urteilen, Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Und auch in der Gemeinde kann es notwendig sein, zu urteilen. Im 1. Korintherbrief mahnt Paulus, Probleme innerhalb der Gemeinde zu klären und sie nicht nach außen zu tragen. Paulus urteilte in der Gemeinde in Korinth, um den Missständen entgegen zu wirken und klare Verhältnisse zu schaffen. Wie in der Familie, so muss es auch in der Gemeinde Regeln geben, um gut miteinander leben zu können.
3.) Jesus meint mit seinen Worten auch nicht, dass wir uns als Christen kein persönliches Urteil bilden dürften oder dass wir unsere Fähigkeit, Kritik zu üben, besser aufgeben sollten. Um gut und böse, wahr und falsch unterscheiden zu können, ist es ja unerlässlich, zu prüfen und anschließend zu beurteilen bzw. eine Entscheidung zu treffen. Und unsere persönliche Urteilsbildung ist heute auch von gesellschaftlichem Interesse: Es ist richtig und wichtig, dass wir uns gegenüber politischen Gruppen und Aktionen eine Meinung und ein Urteil bilden.
Wir wissen jetzt also, was Jesus nicht meint. Was aber meint er?
Was Jesus mit Sicherheit angreift, ist eine verurteilende Haltung anderen Menschen gegenüber. Er warnt davor, zu streng zu urteilen, dauernde Kritik zu äußern und ständig an anderen herumzunörgeln. Es steht uns nicht zu, Gott zu spielen und von oben herab über Menschen zu urteilen. Es steht uns nicht zu, auf Fehlern und Schwächen anderer herumzureiten und schonungslose, destruktive Kritik zu üben.
Wir sollen auch keine selbstgerechte Haltung einnehmen. Denn wer sich selber auf die Schulter klopft, neigt auch schnell dazu, auf andere herabzuschauen. Je „frommer“ und „besser“ man sich fühlt, desto größer ist diese Gefahr.
Im Gleichnis vom Pharisäer und vom Zolleinnehmer (Lk 18,9) tadelt Jesus die Worte eines Pharisäers, der im Tempel betet: „Ich danke dir, Gott, dass ich nicht so bin wie andere Leute: kein Räuber, kein Gottloser, kein Ehebrecher und schon gar nicht wie dieser Zolleinnehmer dort hinten. Ich faste zweimal in der Woche und gebe von allen meinen Einkünften den zehnten Teil für Gott.“
Egal wie gut die Handlung auch sein mag: das Verurteilen anderer Menschen aus einer selbstgerechten, überheblichen Haltung heraus bringt einen Nach- statt einen Vorteil. Das wird zum Schluss des Gleichnisses ganz deutlich, wo es heißt: „Denn wer sich selbst ehrt, wird gedemütigt werden; aber wer sich selbst erniedrigt, wird geehrt werden.“ Der Pharisäer hat keinen Grund stolz zu sein und das Handeln anderer aus seiner selbstgerechen Haltung heraus zu verurteilen, denn er ist nicht selbst gerecht, sondern Gott macht ihn gerecht.
Martin Luther hat mit seiner reformatorischen Entdeckung in aller Deutlichkeit klargestellt, dass wir als Christen beschenkt sind und immer neu beschenkt werden. Wir können nicht aus eigener Kraft gerecht werden, sondern allein durch Gottes geschenkte Gnade.
I. Drei Gründe, warum wir nicht verurteilen sollen
(1.) In V. 1 nennt Jesus den ersten Grund, warum wir nicht verurteilen sollen: Damit Gott uns nicht verurteilt. So wie wir auf andere blicken, so blickt Gott auch auf uns. Und nicht nur Gott misst uns mit unserem Maß – auch Menschen messen uns mit unserem eigenen Maß. Im eigenen Interesse ist es deshalb sinnvoll, nicht zu kritisch zu schauen und sich anderen gegenüber so zu verhalten, wie man auch selber behandelt werden möchte. „Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu“. Sie kennen dieses Sprichtwort, das positiv formuliert auch im Matthäusevangelium zu finden ist: Die sog. „Goldene Regel“ glänzt zwar nicht, ist aber für ein gutes menschliches Miteinander sehr wertvoll und lautet: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Mt 7,12). Jesus warnt seine Hörer und auch uns vor einem ungerechtfertigten oder zu harten Verurteilen anderer, damit das Urteil nicht auf uns selber zurück fällt; damit wir uns damit nicht ins eigene Fleisch schneiden. Denn unser Verhalten färbt ab - im Positiven wie im Negativen. Wer andere verurteilt, kann davon ausgehen, auch selber von anderen verurteilt zu werden – auch wenn es nicht ausgesprochen wird oder nur unbemerkt hinter dem eigenen Rücken geschieht.
Gott hat das Recht zu richten und Urteile über Menschen zu sprechen. Uns Menschen – wenn wir mal von den amtlichen Richtern absehen – steht es nicht zu, Menschen zu verurteilen. Obwohl es durchaus Spaß macht Richter zu „spielen“ – es ist nicht im Sinne des Erfinders. Aber die Versuchung, Richter „spielen“ zu dürfen, besteht seit dem Anfang der Menschheit. In der Paradiesgeschichte in 1. Mose 3 wird von der Versuchung der Menschen erzählt, so wie Gott sein zu wollen, allwissend be-urteilen und allmächtig ver-urteilen zu können. Aber genau dieses Recht und diese Macht steht uns Menschen nicht zu, weil wir für das Richteramt nicht qualifiziert sind.
(2.) Der zweite Grund, warum wir nicht verurteilen soll, liegt darin, dass wir voreilig urteilen; dass wir Vorurteile haben. Wie schnell ordnen wir einen uns fremden Menschen in eine Schublade ein. Wie schnell bilden wir uns ein Urteil an Hand des Aussehens, der Sprache oder des Verhaltens eines Menschen – und sei es nur unbewusst? Nach psychologischen Erkenntnissen geschieht das innerhalb von Sekunden!
Ich erinnere mich noch als ich klein war und zum ersten Mal einen farbigen Menschen sah: Mein vorschnelles Urteil war: Dieser Mensch färbt ab! Ich konnte ja genau sehen, dass er in seinen inneren Handflächen viel heller war, also schon bei einer Begrüßung per Handschlag Farbe verloren haben musste! Es dauerte dann eine Weile, bis ich begriff, dass ich mir mein Urteil zu schnell und völlig unwissend gebildet hatte.
In Joh 7,24 heißt es: Urteilt nicht nach dem äußeren Schein, sondern urteilt gerecht! D.h. ganz klar: Urteilt nicht voreilig, nicht nach dem ersten Eindruck! Seid erstmal unparteiisch eingestellt und prüft genau, bevor ihr urteilt. Spielt euch nicht als Richter auf, sondern besser als Anwalt.
(3.) Ein dritter Grund, warum wir nicht richten, nicht verurteilen sollen, besteht in unserer Unkenntnis vieler Dinge. Wir durchschauen nicht alles, nicht alle Zusammenhänge des Lebens und wir können alles nur aus unserer begrenzten Perspektive betrachten. Gott hingegen kennt das im „Dunkeln Verborgene“ und die „Absichten des Herzens“. (1. Kor 4,4-5)
Wir müssen einsehen, dass wir unfähig sind, 100% gerechte Urteile zu fällen.
Wer sich in der Bibel auskennt weiß, dass Gott zwei Maßstäbe kennt: Recht und Gnade. Im eigenen Interesse dürfen wir uns aussuchen, nach welchem Maßstab wir bemessen werden wollen. Gnade und Barmherzigkeit haben wir in Jesu Handeln schon erfahren. Wenn wir diese Gnade zu schätzen wissen, wäre es deshalb naheliegend, sich anderen gegenüber ebenfalls gnädig zu verhalten. Im Zweifelsfall ist es gut, für einen anderen Menschen einzutreten und fortwährend Vergebung zu schenken, Verständnis zu zeigen und Liebe zu üben. „In dubio pro reo - Im Zweifelsfall FÜR den Angeklagten“ – so gilt es auch heute in unserem Rechtsstaat.
II. Konstruktive Kritik setzt klare Sicht voraus
In den Versen 3-5 verdeutlicht Jesus, der gelernte Zimmermann, seine Worte mit einem Bild aus der Schreinerwerkstatt. Einen Splitter im Auge zu haben - die Vorstellung ist alles andere als angenehm, aber vorstellbar. Ebenso denkbar ist, dass ein guter Chirurg diesen Splitter entfernt. Allerdings ist dafür Feingefühl nötig und vor allem eine klare Sicht. Mit einem Balken im Auge ist sie garantiert nicht gegeben. Und deshalb möchte ich mir auch nur ungern vorstellen, mir von einem blinden Chirurgen einen Splitter aus dem Auge operieren zu lassen - das könnte sprichwörtlich „ins Auge“ gehen.
Auch hier gilt: Dieses Bild Jesu richtet sich nicht gegen liebevolle und konstruktive Kritik, sondern gegen unberechtigtes, liebloses, heuchlerisches Verurteilen. Konstruktive Kritik zu üben ist durchaus sinnvoll, ja auf einem hohen Niveau menschlichen Denkens sogar wichtig, um Fortschritte zu ermöglichen und um die Gefahr der Betriebsblindheit zu vermeiden. Die Grundvoraussetzung ist allerdings eine klare Sicht. In V.5 gebraucht Jesus harte Worte: „Du Heuchler“ so nennt er den Möchte-gern-Chirurgen. Ein Heuchler, das ist jemand, der nach außen etwas zur Schau trägt oder etwas anderes vorgibt zu sein, als er in Wirklichkeit ist. Ein blinder Chirurg kann in Wirklichkeit kein Chirurg sein!
Wenn ich von mir selber ausgehe, muss ich jedoch eingestehen, dass ich bei anderen oft die Dinge kritisiere, die ich auch bei mir selber kritisieren müsste. Es ist ein einfacher psychologischer Trick, sich durch die Kritik an anderen das eigene Selbstwertgefühl zu stärken und zu denken: ‚Im Vergleich mit anderen bin ich doch eigentlich ganz O.K.’ Und indem ich mit dem Finger auf jemanden zeige, lenke ich die Aufmerksamkeit weg von meinen eigenen Fehlern und stehe für einen Augenblick vergleichsweise besser da. Dieses Verhalten des mit-dem-Finger-auf- andere-Zeigens ist aber nicht etwa eine Erfindung der BILD-Zeitung, sondern existiert viel länger: Im 1. Buch Mose wird dieses Verhalten schon sichtbar, als Gott Adam fragt: „Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?“ „Ja“, gestand Adam, „aber die Frau, die du mir gegeben hast, reichte mir eine Frucht – deswegen habe ich davon gegessen!“ Und dann zeigte Eva, dass auch Frauen sehr gerne die eigene Schuld von sich weisen.
Ich denke, wir verstehen, was Jesu Bild verdeutlichen will: Jeder Mensch steht in der Gefahr, sich immer selber herauszureden und seine eigenen Fehler großzügig zu übersehen. Aber wer sich seine eigenen Fehler nicht eingesteht, wird dadurch blind und unfähig, anderen konstruktive Kritik zu geben. Um dazu fähig zu sein, ist es unerlässlich, zuerst den eigenen Balken aus dem Auge zu entfernen und sich eine klare Sicht zu verschaffen: Dabei können vertraute Menschen behilflich sein und Gott selbst, wenn wir ihn darum bitten, uns unsere Fehler zu zeigen.
In Matthäus 18 - in der sog. Gemeinderede - rät Jesus dazu, einander zu ermahnen, wenn ein Gemeindeglied Fehler gemacht hat. Den Anfang soll ein persönliches Gespräch unter vier Augen sein, keine öffentliche Kritik, kein Kritisieren hinter dem Rücken des Betroffenen. Erst wenn das vier-Augen-Gespräch erfolglos bleibt, sollen als nächster Schritt ausgewählte Personen hinzugezogen werden und erst wenn auch dieses Gespräch nicht weiter führt, soll die Gemeinde als Gruppe beratschlagen und gemeinsam urteilen. Ziel ist dabei aber keine endgülige Verurteilung und Ausgrenzung, sondern nach Möglichkeit die Erkenntnis der Schuld, Vergebung und Wiedereingliederung. Und auch hier gilt die Grundvoraussetzung: Erst dann, wenn wir selber eine klare Sicht haben, können wir anderen behilflich sein.
III. Jeder Mensch braucht deutlich mehr Lob als Kritik
Sind wir anderen behilflich, indem wir konstruktive Kritik üben? Ja und nein.
Ja, konstruktive Kritik kann hilfreich sein. Aber:
Auch dann, wenn wir mit unserer Kritik nicht richten und verurteilen wollen und sie in liebe- und verständnisvoller Weise, mit Gefühl und aus Hilfsbereitschaft konstruktiv üben, auch dann besteht die Gefahr, dass wir zu viel kritisieren und zu wenig loben.
Das rechte Verhältnis von Lob und Kritik – so besagt die sog. „Gotmann-Konstante“ in der Psychologie – ist 5:1. Jeder Mensch braucht 5 mal mehr Lob als Kritik, um glücklich zu sein. Und nicht nur wir, auch Gott freut sich über ehrliches Lob.
Und auch wenn wir oft zu wenig loben und viel zu kritisieren wissen: Jesus möchte, dass Menschen sich nicht verurteilen, sondern versöhnen.
Und – Gott sei Dank – endete auch die Verfolgungsjagd zwischen meinem Bruder und mir nicht mit Totschlag, – ich bin ja, wie Sie sehen, noch da – sondern mit einer Versöhnung. Nach dem ersten Schrecken und einer erfolgreichen Flucht haben mein Bruder und ich damals den Vorfall mit unseren Eltern aufgearbeitet und uns wieder versöhnt.
Und so wünsche ich Ihnen und uns, dass wir niemanden verurteilen, sondern uns immer wieder neu aufmachen, um uns zu versöhnen – so wie auch Gott sich durch Jesus mit uns versöhnt hat. AMEN.