Ansprache im mittendrin-Gottesdienst nach Matth. 19: der reiche Mann und Jesus
Das Wort ‚Weihnachten’ spaltet die Menschen – für die einen Frust, für die andern Lust.
Die einen stöhnen: Au weia, schon wiiieeder Weihnachten.... was mach ich bloß?…die Zeit rast, was schenke ich dem und dem.. Dieser Stress mit Überlegen, Einkaufen, der große Rummel, die vielen süßen Sachen, wie werd ich das alles überstehen.. ? Und man beschenkt sich gequält, bedankt sich artig und schreitet zügig zum Umtausch...
Statt: O du fröhliche, würden sie lieber singen: Ach, du fröhliche..!
Ach, so viel Kitsch, so viel Familien-Heuchelei.
Ach, so viele Besäufnisse, die sich dann Weihnachtsfeiern nennen..
Ach, wenn es doch schon vorbei wäre!
Eben Weihnachtsfrust!
Aber jedes Jahr muss man da durch. Alle Jahre wieder..
Manche sind ausgesprochene Weihnachtsflüchter geworden: Ab in den Flieger – in die Sonne, Urlaub nehmen, Ruhe..
Und die hier Bleibenden stürzen sich oft voll in die Weihnachtsromantik.
Viele Kisten werden aus dem Keller geholt. Zimmer werden geschmückt, Erzgebirgefiguren, Räuchermännchen, Spieluhren, blinkende Girlanden, der Vorgarten oder Balkon verwandelt sich. Krabbelnde Weihnachtsmänner, Rentierschlitten und viele Kerzen mit entsprechendem Gebäck. Weihnachtsromantiker.
Eine Frau schrieb:
„Weihnachten ist für mich wirklich das Fest der Familie. Ich liebe es, Plätzchen zu backen, Christbaum zu schmücken, Fünf-Gänge-Weihnachtsmenüs zu kochen, Geschenke zu verpacken und – ob Sie’s glauben oder nicht – Ich mag auch die ganzen Familientreffen. Kollektives Christstollen-in-sich-hineinstopfen und Rudel-Weihnachtsspaziergänge lösen in mir ein äußerst anheimelndes Gefühl aus, in das ich mich gerne hineinkuschle…..“
Weihnachtsfrustierte und Weihnachtsromantiker:
Vielleicht sind beide Haltungen in uns – irgendwie ist es ätzend, irgendwie ist es auch schön.
So jedenfalls mein Gefühl.
………
Das Lied vom Anfang lautete (von Gerhard Schöne):
Schrille Nacht, eilige Nacht! Wieder was vorgemacht.
Auf Kommando: Harmonie. Schwerer Kopf, weiche Knie.
Schlaf in himmlischer Ruh! Schlaf in himmlischer Ruh!
Schrille Nacht, eilige Nacht! Goldnes Kalb,
o wie lacht Gier aus deinem lockenden Schlund. Ich stoß mir die Ellbogen wund.
Und kein Retter ist da. Und kein Retter ist da.
Ein anderes Gedicht beklagt die weihnachtliche Vernebelung:
Fest des 13.Gehaltes, Fest des abgeholzten Waldes, Fest des Schenkens und Besuchens, Fest des Bratens und des Kuchens, Fest der Kerzen und der Lichter, Fest der feierlichen Gesichter, .. Fest der Briefe und der Karten, Fest der Gänse und Poularden, …, Fest der Rührung und des Sehnens,….Fest der weggespülten Klarheit, Fest der unterschlagnen Wahrheit,
wann, o Mensch, wird’s endlich klar, was das Fest nun wirklich war?
………….
Im Theaterstück (Der gestohlene Jesus, Willow-Theater) entsteht zunächst Frust durch den gestohlenen Plastik-Jesus aus der Krippenszene. Die Mitte der Weihnachtsgeschichte fehlte..
Die Szene wirkt symbolisch: das Leben ist ausgezogen.
Nur Krippe und Stroh, das ist nicht Weihnachten!
Aber eigenartig: dennoch findet in diesem Stück mehr Weihnachten statt als sonst.
Bei der Krippe ein Mensch, ein echter Mensch, Vivian – mit ihren wenigen Habseligkeiten.
Und daneben Barbara aus der Wohlstandswelt - mit einer gekauften Edel-Jeans-Jacke für die Tochter. Ein Missgeschick brachte die beiden zusammen.
Für die reiche Barbara eine ärgerliche Unterbrechung mitten im Shopping.
Aber dann Staunen und Überraschtsein. Schließlich ein gegenseitiges Beschenken.
Eine Ahnung von Weihnachtslust! Es geht um echte Geschenke.
…………………
Manchmal denke ich: Solche Zwischenfälle sind an Weihnachten das Beste.
Das ist dann echt. Und es bleibt haften.
In den Ungereimtheiten lässt sich Weihnachten besser entdecken als wenn alles glatt geht.
Erinnern Sie sich: Letztes Jahr – das Schneechaos im November, die gebrochenen Strommasten im Münsterland, der dramatische Stromausfall über Tage, die verzweifelten Bauern, die nicht wussten, wie sie ihr Vieh versorgen sollten – und dann menschliche, anrührende Szenen.
Die Nachbarschaft rückte zusammen, Hilfe aus Holland wurde für die Höfe organisiert, Stromaggregate wurden installiert, Hilfskräfte arbeiteten fieberhaft bis zur Erschöpfung…und dann die zutiefst schöne Erfahrung: eine gute Nachbarschaft ist ein Geschenk.
So sind fremde Menschen einander zu Helfern, manchmal zu Freunden und Rettern geworden.
Ein Zwischenfall kurz vor Weihnachten.
Worum geht’s an Weihnachten?
Es geht um ein echtes Geschenk:
Gott schenkt uns seinen Sohn – so heißt es im Weihnachtslied.
Gottes Sohn - ein Geschenk des Himmels!
Beschenkte haben nichts zu fürchten – das wird den Hirten gesagt: Fürchtet euch nicht!
Der Mensch ist in seinem tiefsten Wünschen auf den Himmel ausgerichtet.
Himmlisch soll es immer zugehen, sogar die Werbung nimmt diese Sehnsüchte geschickt auf und spricht von himmlischen Düften, himmlischen Erlebnisses u.a.
Sehnsucht nach Himmel, nach himmlisch heiler Welt, Sehnsucht nach ewigem Leben – das steckt in uns Menschen.
Das trieb auch einen Menschen um, von dem ich jetzt erzählen will (Matthäus19):
Er kommt aus der Wohlstandswelt, er hat alles, gönnt sich alles – wie eben Barbara, oder wie wir. Also ein reicher Mensch: Italienische Schuhe. Maßgeschneiderter Anzug. Er hat eine goldene Kreditkarte. Er lebt erste Klasse – nicht nur in der Bahn oder im Flieger, auch im Restaurant.
Er ist sportlich fit, sein Bauch ist flach, ein dynamischer junger Mann.
Er wird bewundert, sein Erfolg kann sich sehen lassen, ein junger Unternehmer, der weiß, was er will. Ein Yuppie.
Aber auch ein reicher Mensch spürt, dass noch nicht der Himmel auf Erden da ist.
Er merkt, dass Scheckkarte und Erfolg nicht alles ist. Er ergreift die Chance, einen bewunderten Menschen zu fragen – und er spricht von seiner Sehnsucht:
Herr, was muss ich denn tun, um das ewige Leben zu bekommen?
Die Frage gilt Jesus.
Es war für diesen reichen Mann eine Überwindung, mit diesem einfachen Zimmermannssohn , der bekanntlich in einer Notunterkunft zur Welt kam, zu reden. Irgendwie war es nicht sein Status.
Die Frage verrät schon seine Einstellung: Was muss ich tun?
Nachdem er schon so viel getan und auf den Weg gebracht hat, geht er auch diese ernste und tiefste Frage so an:
„Was kostet es? Bitte, welcher Einsatz? Ich bin flexibel, Jesus, gleich in bar, oder Vermächtnis, oder Schenkung, Dauerauftrag…“
Was kostet es denn?
Irgendwie sympathisch, so geschäftlich zu denken.
Was muss ich investieren für diese große Sache?!
Bisher gingen seine Bilanzen immer auf, - nach dem Motto: Investieren und dann gewinnen!
Klar, von nichts kommt nichts! Zäher Fleiß, hart arbeiten und dann noch ein Quäntchen Glück, dann ist man auf der Gewinnerseite.
Jesus ist natürlich nicht verlegen und kontert genau auf dieser Ebene:
„Ja, sagt er, du kannst den Himmel haben, wenn du die Gebote Gottes hältst!“
Und der Yuppie hat glatt den Schneid und hält bei diesem Poker mit:
„O.k. Gebote, Jesus, wie war das noch mal:
Du sollst nicht töten? Äh, ne keinen umgebracht.
Du sollst Gott ehren und achten? Natürlich, keine Frage, deshalb bin ich ja hier...
Du sollst nicht stehlen? Jesus, abgesehen von den kleinen Unregelmäßigkeiten ist die Bilanz im großen und Ganzen in Ordnung. Sie ist aufsichtlich geprüft, Entlastung erteilt.
Ehebruch? Naja, Jesus, du bist doch ein Mann, - ich tue nichts, was nicht andere auch täten! Lügen?.. Äh..ist das ein Gebot? Steht es so da? Tja, siehst du nicht, wie wir von allen Seiten bemogelt werden..
Liebe dienen Nächsten wie dich selbst? Ich möchte nicht aufgeblasen wirken, aber du weißt, was ich an Spenden weitergebe, grade an Weihnachten…
Und schließlich leuchtet sein Gesicht und er schämt sich nicht zu sagen:
„Die Gebote hab ich gehalten! Ja, hab ich eigentlich alles eingehalten.“
Ich war immer ein ziemlich ordentlicher, ehrlicher Bürger.
Dass Jesus da nicht laut lachen musste!
So viel Selbsteingenommenheit, Selbstgerechtigkeit und verbogener Wahrnehmung hat er schon lange nicht mehr gehört.
Der Mann wirkt wie ein Kind, das tropfnass dasteht und seiner Mutter gerade erklärt; dass es keineswegs draußen im Regen gespielt hat.
Aber jetzt treibt es Jesus auf die Spitze.
Er erkennt, dass der junge Mann richtig in seinen Reichtum verliebt ist. Er sagt:
Wenn du wirklich das ewige Leben haben willst, dann verkaufe, was du hast, und gib das Geld den Armen. Dann hast du einen Schatz im Himmel, der nicht vergeht..…Und dann, dann folge mir nach!
Schade, dass uns in der Bibel nicht mehr über diesen eigentlichen sympathischen, suchenden Mann gesagt wird. Er ging traurig weg, denn er war sehr reich! – so endet die Geschichte.
Aber in den Freunden von Jesus rumort es weiter:
Ja, wenn dieser Mensch da nicht reinkommt, wer denn dann? Wer kann dann überhaupt gerettet werden? Antwort Jesus O-Ton:
Für Menschen ist es unmöglich, aber für Gott ist alles möglich! (V.26)
Unmöglich! Es heißt nicht etwa: Unwahrscheinlich’ oder ‚fast nicht möglich!’, sondern ‚Unmöglich!’
Sehr radikal. Keine Chance. Ausgeschlossen. Kein Hintertürchen.
-Es ist unmöglich, durch den Pazifik zu schwimmen.
-Es ist unmöglich, den Mount Everest mit einem Picknickkorb zu besteigen.
-Es ist für uns Menschen – ob reich oder arm – unmöglich in den Himmel zu kommen.
Verständlich ist die Trauer des Mannes schon: In unserm Leben hängt der Lohn von der Leistung ab. Bezahlung hängt von unserer Arbeit ab. Darum dachte der reiche Mann, dass der Himmel in Reichweite seines Geldes oder seines Verdienstes war.
Aber Jesus meint: Der Himmel kostet weit mehr, als wir je bezahlen könnten.
Er ist unbezahlbar, und schon gar nicht ein Schnäppchen.
Er ist nicht auf dem Weihnachtsmarkt zu haben, nicht mit Romantik herbeizuzaubern.
Für Menschen ist es unmöglich, - aber nicht für Gott!
Dahinter steckt die einfache Wahrheit, dass wir Menschen uns selbst nicht retten können.
Nicht durch Geld, nicht durch gute Taten, nicht durch hohen Einsatz, nicht durch fromme Gefühle. Den Himmel kann man sich nicht verdienen, der wird dem geschenkt, der sich darnach ausstreckt.
Jesus sagte mal in der berühmten Bergpredigt:
Selig sind die geistlich Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich!! (Matth.5,6)
Der Bedürftige, der Bettler, der Sünder, der Verlorene kann dieses Geschenk erst richtig schätzen…Nur wer sich verloren weiß, der wird dankbar für einen Retter. Nur wer sich verloren hat, der freut sich über einen Erlöser. Einen Retter zu haben, ist ein Geschenk.
Kennen Sie die Geschichte von dem schwarzen Schwan auf einem Teich im Stadtpark von Münster, er wurde vor Monaten deutschlandweit bekannt, weil er sich total verliebt hat – in wen?
In einen anderen Schwan, - der aber aus Plastik ist.
Er hat sich mit diesem Plastik-Schwan sozusagen verlobt, und schwimmt dauernd nebenher.
Der Plastikschwan ist um einiges größer, denn es ist eigentlich ein Tretboot.
Darum ist kein Leben in dem Schwan, den er liebt.
Das ist mir zum Gleichnis geworden, dass wir unser Herz oft an Dinge hängen, die kein Leben haben: an Reichtum, an Karriere, an Romantik, an Urlaub, an ..
Alles das ist zwar schön, aber nur ein Plastik-Leben, kein echtes Geschenk, das ewig hält.
Gott will, dass wir unser Herz dem Befreier und Retter schenken, dem, der lebendig ist und Leben bringt: Jesus. Weil er aus Vergänglichkeit und Vergeblichkeit herausrettet, indem er vergibt. „Der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt mit Freuden singt..“, so heißt es im Adventslied: Macht hoch die Tür..
Später sagte Jesus einmal von sich: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer mir vertraut, der hat – schon jetzt – das ewige Leben.
Hier ist der Kern für die Weihnachtsfreude und Weihnachts-Lust!
Was für eine Freude, von Gott reich beschenkt zu werden!
Wie freut sich Gott über den, der dies Geschenk annimmt.
Und unser gegenseitiges Schenken ist ein Abglanz dieses weihnachtlichen Wunders.
Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?
Das wunderbare Geschenk in Jesus annehmen. Ihm Glauben schenken. Denn er ist der Retter. Er schenkt den Himmel.
Er will uns ein himmlisches Weihnachtsfest schenken. Das wünsche ich uns.