Jesaja 65,17-19.23-25 Predigt zum Ewigkeitssonntag
17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. …
23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.
24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR. (Luther)
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17 So spricht der Herr: «Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. An den alten Himmel und die alte Erde wird niemand mehr denken, sie werden vergessen sein.18 Freut euch und jubelt über das, was ich tue: Jerusalem wird von fröhlichem Gesang erfüllt sein, und die Menschen sind voller Freude. 19 Auch ich werde jubeln über Jerusalem und über mein Volk glücklich sein. Weinen und Klagen werden verstummen…..
23 Keine Arbeit ist dann mehr vergeblich. Die Kinder, die sie zur Welt bringen, werden nicht mehr früh sterben. Denn sie sind das Volk, das ich, der Herr, segne. Zusammen mit ihren Kindern und Enkeln werden sie im Land leben.
24 Ehe sie zu mir um Hilfe rufen, stehe ich ihnen bei, noch während sie beten, habe ich sie schon erhört. 25 Wolf und Lamm werden friedlich zusammen weiden, der Löwe wird Heu fressen wie ein Rind, und die Schlange wird sich von Erde ernähren. Sie werden nichts Böses mehr tun und niemandem schaden auf meinem ganzen heiligen Berg. Mein Wort gilt!»
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Predigtgedanken:
1. Die neue Zeit ist paradiesisch schön.
2. Wir Menschen sind oft kurzsichtig und töricht.
3. Was klug ist: in guten Zeiten für die schlechten Zeiten sorgen
Loslassen / Sich überlassen / Ewiges bestaunen / Vorfreude
………….
Liebe Gemeinde,
stellen Sie sich bitte jetzt etwas vor, was sehr, sehr schön ist …
Und jetzt überbieten sie die Vorstellung und stellen sich vor, was noch schöner ist….
Und vielleicht können sie die Bilder noch toppen? Etwas ausnehmend wunderbar Schönes?!
1. Der Himmel, die neue Zeit, ist paradiesisch schön!
Dann nähern sie sich wahrscheinlich den Bildern von paradiesischen Zuständen, wie es Jesaja beschreibt. Und am Ewigkeitssonntag ist es gut – wie schon der Name sagt – die Bilder und Symbole für Ewigkeit anzuschauen und sprechen zu lassen.
Textlesung aus ‚Hoffnung für alle’ … (Situation der Hörer..)…
Starke Bilder: neue Erde, neuer Himmel, Gesang, Jubel, keine Trauer mehr, keine vergebliche Arbeit, keine Kindersterblichkeit, die Generationen, alt und jung friedlich und natürlich zusammen, nichts Böses, der Löwe frisst vegetarisch, die Schlange frisst Erde, Wolf und Lamm auf einer Weide, sie mögen sich; Jerusalem: endlich wieder eine blühene, fröhliche Stadt, die ihrem Namen alle Ehre macht: Stadt des Friedens; – und das Beste: eine innige Beziehung zwischen Mensch und Gott. Menschen rufen – und schon kommt Hilfe. Noch während sie beten, sind sie schon erhört..
Ich habe eine Frau im Altersheim gekannt – sie machte mir großen Eindruck. Sie lebte bescheiden, zufrieden, kam aus dem Osten, hatte in ihren Sätzen so eine Singsang-Melodie: ‚Jo, wir haben rübergemacht, uns geht’s gut, es ist schei hier, ich bin zufrieden..’. Sie war für mich schon vorher in ihrer kleinen Wohnung ein Vorbild für ein-fältigen Glauben. Sie kannte zentrale Bibeltexte und Gesangbuchlieder.
Nun also war sie im Altersheim. Sie wurde gut gepflegt, lag im blütenweißen Bett – und wartete geduldig darauf, dass sie in bald in den Himmel käme.
Und einige Male passierte es, - so erzählten die Schwestern-, dass sie am Morgen überglücklich die erste Schwester empfangen hat: „Oh, schei, schei..hier im Himmel…alles so schei..!“
Sie war begeistert, und die Schwestern hatten Mühe, zu erklären, dass sie keine Engel wären und dass dies hier noch nicht der Himmel war…
Regelmäßig war sie alte Frau enttäuscht.. Sie tat mir leid.
Sie hatte eine solche Ewigkeitsfreude und –sehnsucht, dass sie sich auf das himmlische Zuhause freute und je früher, desto lieber dort sein wollte.
Sie lebte von der Kraft der paradiesischen Bilder.
(in den barocken Kirchen mit Deckengemälden wird der Himmel oft an der Decke abgebildet..Und die Leute – oft Analphabeten – freuten sich, wenn sie himmelwärts sahen – und staunten: Boh, diese Engel, Gott Vater, der Allmächtige, daneben ein Löwe, ein Lamm,..befreite, singende Menschen und dazwischen Engel, Engel, Engel… In der Kultur des Mittelalters waren das kraftvolle Bilder – bei uns hier: eine aufgeklärte, vernünftige Decke, eben Paneelenbretter, eine wie die andere..)
Den meisten ist ein Blick fürs Ewige abhanden gekommen.
Fällt z.B. das Wort ‚Paradies’? – Kommt schnell die Antwort: Naja, ich weiß nicht.
Leben in Ewigkeit? – ‚Zu schön, um wahr zu sein!’
Auferstehung? – ‚Ist noch keiner zurückgekommen.’
Das wird so keck gesagt, als wären sich da alle Wissenschaftler und vernünftige Menschen einig. Und über diesseitige Probleme redet man leidenschaftlich, über Gesundheitsreform, Krankheiten, neue Medikamente, berühmte Professoren, über Schmerztherapie, Hospizarbeit – alles gut und schön und wichtig, alles Dinge vor dem Tod. Aber sterben tun wir nun allemal, und dann? Was ist dann nach dem Tod?
Für die Dinge vor dem Tod wird uns viel ans Herz gelegt, was wir alles tun sollten. Oft überfordern wir uns mit allem, was wir so machen sollten: Es gibt ein aktuelles Reisebuch mit dem interessanten Titel: 1000 places to see before you die. Die Lebensliste für den Weltreisenden / Zu deutsch: Tausend Orte, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt!’ (Neuschwanstein, Tach-Mahal, chin.Mauer…) Was für ein Stress, alle diese Dinge anschauen zu sollen..
Die wichtige Frage ist also: Was ist nach dem Tod?
Dann werden wir einsilbig, sprachlos, stumm, verlegen .. die Sache mit dem Tod und hinterher wird oft flapsig behandelt, ist Thema vieler Witze. Das ist nicht schlecht, wenn etwas Humor dabei ist.
Aber wir könnten doch auch zugeben, dass es eine unbändige Sehnsucht in uns Menschen ist, Bedeutung und Bestand zu haben, auch nach dem Tod. Eine unbändige Sehnsucht nach Ewigkeit, nur wir wissen dieser Sehnsucht nicht so recht Worte zu verleihen. Im AT steht bei Prediger (3,10f): ‚Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat,… Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt..’
Welche Bilder geben wir unserer Seele?
Auf was freuen wir uns? Was gibt uns über den Tod hinaus Kraft?
Jesaja sagt: Der Himmel ist paradiesisch schön!
2. Wir Menschen sind oft kurzsichtig und töricht.
Aber wir Menschen sind – im Blick auf die Endgültigkeit und Ewigkeit – oft kurzsichtig.
Nicht, dass wir die Bilder des Jenseitigen nicht mehr bestaunen, sondern wir klären auch unsre Dinge oft nicht rechtzeitig für das Alter, für Pflege oder für den Tod und danach.
Im Psalm 90,12 heißt es ja:
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Das Ende bedenken ist für viele ein Tabu. Sie sagen: Sterben tun wir von allein!,
Richtig, aber auch zum Sterben, Abschiednehmen muss man sich vorbereiten.
In unserer Verwandtschaft merken wir selber, wie Dinge aufrechterhalten werden, die eigentlich keinen Sinn mehr machen. Ein Haus wird behalten, beheizt, seit einem Jahr beheizt, jedoch leer … es fehlt aber an dem Entschluss, sich davon zu trennen.
Oder: eine Frau ist vor Jahren gestorben, der Ehemann hat ihre Wohnung im Altersheim über Monate aufrechterhalten.. einfach so.... das Loslassen fiel schwer.
Eine andere Frau hatte einen Schlaganfall bekommen, sie ist nicht mehr fähig, klare Entscheidungen zu treffen, es war keine Vorsorgevollmacht da, also musste aufwendig die bürokratische Lawine über das Vormundschaftsgericht losgetreten werden.
Bei vielen Menschen sind Erbschaften ungeklärt, und weil sie zu Lebzeiten nicht vernünftig geregelt sind, gibt es nach dem Tod Gezanke und Streit. Der beste Weg, die Familie zu ruinieren, ist, Erbe, Vermögen und sonstiges Wichtiges nicht beizeiten zu klären.
Und weil manche Aufgaben, die fürs Alter anstehen, nicht angegangen werden, schleppen sich die Menschen im Alter mit immer mehr Ballast ab, so versinken viele Menschen rückwärtsgewandt in die Vergangenheit, sie werden trübsinnig. Ihre Sinne und Gedanken werden trüb und schwer, sie sind nicht mehr nach vorne mit ewiger Hoffnung ausgerichtet.
3. Was klug ist: in guten Zeiten für die schlechten Zeiten sorgen
Klug ist, in guten Zeiten für die schlechten Zeiten vorsorgen.
Das ist ein ganz natürliches wirtschaftliches Prinzip.
Die Feldmäuse haben das Prinzip kapiert, das Eichhörnchen macht es so, Joseph in Ägypten machte es so: er hat die 7 fetten Jahre für die 7 dürren Jahre genutzt.
Viele Menschen stehen unvermittelt, unvorbereitet in einer Krise.
Sie wirbeln durch das Leben – und dann plötzlich ein Hindernis, Crash, Not, Ohnmacht und die schnelle, verzweifelte Anfrage: Gott, warum? Eigentlich müssten sie sich fragen: warum haben wir in guten Zeiten nicht für Ehe oder Familie gesorgt?
Wir müssen sehen, dass wir in guten Zeiten Dinge ansammeln, von denen wir in schlechten Zeiten zehren können. Das gilt für Ehe, Familie und für jeden Einzelnen.
Was ist kostbar, was wir für die schlechten Zeiten so dringend brauchen?
Kostbar sind z.B. gute Freunde, damit wir nicht im Alter isoliert dastehen.
Also werd ich beizeiten gute Freundschaften pflegen, sie werden mir dann nahe sein.
Kostbar ist z.B. Frieden mit den engsten Angehörigen. Dem Ehepartner, den Kindern, den Eltern u.a.. Je älter man wird, umso enger rückt die Verwandtschaft zusammen, bei Geburtstagen etwa. Was will ich in guter Zeit dafür investieren?
Kostbar sind z.B. manche Worte, Sprüche, Lieder, die mich ermutigt und erfreut haben. Ich will mich damit umgeben, sie evtl. lernen. Sie sind im Kopf, wenn ich mal nicht mehr lesen kann. Wenn mir die Sinne schwinden, kann ich mich an Versen festhalten.
Kostbar ist auch die Gesundheit. Man sagt ja: Bis 40 Jahre gibt man die Gesundheit aus, damit man zu Geld kommt. Ab 40 gibt man Geld aus, damit man wieder zu Gesundheit kommt…Was kann ich in guten Zeiten für den Körper tun, damit ich besser geschützt bin, wenn ich mal schwach bin u.a.?
Kostbar ist übrigens auch, die Lebensfreude zu genießen – hier und jetzt, und nicht immer nur auf das Morgen zu veschieben.
Kostbar ist auch Lebensweisheit. (und das Ordnen der Prioritäten im Leben: Hinweis auf den Film von Mitch Albom, dienstags bei Morrie!)
Kostbar ist die Erfahrung von Gnade. Von der Gnade leben und andern gegenüber gnädig sein. Im Psalm (90,14) steht gleich nach der Mahnung: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen… die Bitte:
Fülle mich frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Wir möchten nicht spät von Gottes Gnade angefüllt werden, sondern eben früh: dann können lange davon zehren: Gnade kommt von gratia, umsonst. Gottes Zuwendung und Vergebung ist ein Umsonst-Geschenk, eben Gnade. Kostbare, teure Gnade.
Mein Leben ist ein Geschenk. Ich lebe aus Gottes Güte, weil er gut zu mir ist.
Ich lebe dadurch, dass Gott mir vergibt. Ich habe das Leben mir nicht verdient, jemand anderes dient mir, Gott dient mir in Jesus. Ich lebe aus Gottes Hand.
Ich bin aufgehoben in Gottes Hand.
Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.
Darum kann ich leichter loslassen. Ich muss mich nicht an Dinge des Lebens klammern.
Zum Loslassen gehört auch das Sich-Loslassen.
Ich darf mich einem andern überlassen – Gott, dem Schöpfer und Erhalter meines Lebens.
Das macht frei und großzügig.
Ich muss mich nicht völlig in meine Probleme verbeissen, ich muss nicht alles klären.
Wohl aber muss ich wissen, ob Gott mir gnädig ist. Und er ist es – in Jesus Christus, seinem Sohn. Fülle mich frühe mit dieser Gnade.
Wer den gnädigen Gott erlebt, der wird angefüllt mit großer Hoffnung.
Gnade hat nicht nur einen zeitlichen Wert (Aufatmen, Ent-lastung, Be-freiung), sondern auch einen ewigen Wert (Rettung, Zukunft und Hoffnung).
Wen die Hoffnung erfasst hat, der schaut gerne nach vorne.
Und da sind jetzt wieder die Bilder des Himmels wichtig.
Die sollen wir anschauen, und uns satt sehen.
In einem Liedvers heißt es: Im Anschauen seines Bildes werden wir verwandelt.
Was wir anschauen, bekommt Macht über uns.
-Schauen wir z.B. auf das, was uns unter den Händen zerrinnt, wird es eng.
-Schauen wir darauf, wie die Zeit verfliegt.
-Schauen wir auf unser Leben, unsre Möglichkeiten – so wird der Horizont zunehmend enger.
-Schauen wir aber auf das Ewige, dann werden wir wieder frei und froh.
Im Psalm 17,15 steht: Ich aber will schauen dein Antlitz …, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.
-Die Bilder des ewigen Gottes, das Bild Jesu, die Bilder vom Himmel sollen uns satt machen.
Das ist also Weisheit des Lebens:
Loslassen können, sich einem gnädigen Gott überlassen können, das Ewige bestaunen und in großer Vorfreude auf das Ende zugehen. Das Ende ist der Anfang des Ewigen.
Bonhoeffer schrieb am Ende seines Lebens: " Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens…“
Bonhoeffer lebte aus der Kraft der Ewigkeit, und seine Freude auf dieses ewige Leben hat ihn durch das schwere Ende tapfer durchgetragen.
Ich wünsche uns eine starke Hoffnung – indem wir die Verheißungen und Bilder der ewigen Welt anschauen, daran satt werden, uns stärken, und fröhlich vorwärts leben können. Amen.