Ansprache zum Familiengottesdienst der Kinderarche mit dem Musical vom 'Hahn, der nicht Hahn sein wollte'
Der Hahn Siegismund – stolz, eingebildet, unzufrieden mit sich,
will was Besseres sein – nur Kikeriki und Misthaufen und Tiere wecken war zuwenig.
Und immer so früh aufstehen! Er denkt: ich Armer, ich hab’s schlecht, die andern habens gut!!
Ich such mir eine neue Aufgabe:
- als ein Pferd – aber er konnte den Wagen nicht ziehn.
- als ein Schwein – aber es wurde ihm übel, zum Kotzen.
- als eine Katze – aber nicht er jagte Mäuse, sondern die Ratte jagte ihn
- als ein Huhn – aber er legte kein Ei und machte sogar noch welche kaputt
- als eine Kuh – aber die Melkmaschine jagte ihm einen Schrecken ein
- als ein Schaf – aber da wurde er geschoren und verlor sein Federkleid
- als ein Hund – aber der Dieb war da
So kam er wieder nach Hause in seinen Stall und denkt: Ich bin zu nichts nütze, er war sehr, sehr traurig.
„Ich kann nichts, ich tauge nichts, ich bin ein Looser, bin überflüssig auf dem Hof, auf der Welt.. !“
..bis ihn der Bauer weckt. Er sagt: „ Aufstehen und zwar flott, – du musst krähen!“
Und Siegismund merkt: das Krähen ist das, was andere nicht können.
Wie ich bin, ist es recht. Ich bin etwas Besonderes. Ich bin spitze…!
Ich bin wirklich ein Siegismund (altes deutsch: Sieg und Schutz)
Wie ein Sieger sitzt er auf seinem Misthaufen und ist glücklich.
Ein Gleichnis für unsre Leben – ich möchte von einem erzählen, dem auch immer etwas anderes wollte, als er konnte. Ein Beispiel von einem, der mit Jesus ging, der sein Jünger und Freund geworden ist . Das war Simon, ein Fischer am See Genezareth.
Er macht zunächst mit Jesus eine tolle Erfahrung.
Nach einer frustigen Fischer-Nacht und vergeblichem Fischfang wird er von Jesus ermutigt, etwas zumindest Merkwürdiges zu tun, nämlich noch mal rauszufahren auf den See – und siehe da: das war ein riesen großer Fang. Die Netze fassten es nicht….
Petrus dachte bei sich: Ich kann es auch nicht fassen; dieser Jesus, was für ein Mann, was für ein Rabbi, was für ein Prophet! Wo er ist, da ist Erfolg. Wo er ist, geschehen Wunder.
Mit ihm will ich gehen, durch dick und dünn.
Mit seiner ‚Botschaft siegen. Gott verkündigen. Menschen begeistern.
Simon – ein Siegismund für Gott!?
Außerdem – an einer anderen Stelle wird berichtet – Jesus hatte dem Simon einen Beinamen und Ehrennamen gegeben, und zwar: Petrus (Kephas), d.h. zu deutsch Felsenmann.
Das gab dem Simon aber einen Kick. Er wollte stark wie ein Fels sein.
Stark für Gott. Für die gute Sache. Für Jesus.
Für den Messias, wobei er noch nicht richtig wusste, was das eigentlich ist.
Und seinen Fischerberuf hat er an den Nagel gehängt, zunächst einmal.
Die Wege mit Jesus waren aufregend.
-Soviele Leute, die ihn aufsuchten, und er durfte dabei sein.
-Soviele Einsichten, die er noch nie vorher so gehört hatte.
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-Soviele Kranke, viele wurden gesund. Sogar in der eigenen Familie, in Kapernaum, dem Fischerdorf, da wohnte die Schwiegermutter von Simon, die hatte hohes Fieber.
Jesus hat das Fieber vertrieben.
Was für ein Mann! Was für eine großartige Botschaft.
Ich will mein Bestes geben!, dachte also Simon.
In manchen Situationen nahm Jesus nur wenige Jünger mit sich – z. B. einmal auf einen hohen Berg– Jakobus, Johannes und eben dieser Petrus. Jesus wurde verklärt, Gott redet aus dem Himmel, das ist mein lieber Sohn. Ein Stückchen der jenseitigen Welt konnte er erleben..
Jesus hatte einmal seine Jünger gefragt, was die Leute von ihm halten.
Für wen halten die Leute mich? Eine Art Meinungsumfrage (Mt.16):
Verschiedene Meinungen gab es:
Du bist Johannes der Täufer, du bist Elia, du bist Jeremia oder ein anderer Prophet..
Und Jesus spitzt es für die Freunde zu: Und ihr? Was denkt ihr?
Und Simon sagt:
Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! (Mt.16,16)
Jesus antwortet: Das ist eine Eingebung von Gott. Du hast es nicht von dir aus.
Und dann spricht er diesem Simon spricht noch mal auf seinen Beinamen an:
Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen…
Was für ein Wort!
Und so plusterte sich Simon innerlich auf, bestimmend in der Jüngerschar, er war etwas stolz, träumte schon von der himmlischen Karriere zur Rechten von Jesus – aber bekanntermaßen kommt Hochmut vor dem Fall..
Das fing an, als der Leidensweg von Jesus begann.
Die Pharisäer warteten auf eine Gelegenheit, Jesus festzunehmen.
Jesus wusste darum, und auf seinem Weg nach Jerusalem ahnte er, dass seine Reise dort enden würde.
Als Jesus von seinem künftigen Leiden sprach, legte sich Petrus ins Zeug:
Das geschehe dir nur nicht! Keinesfalls lassen wir das zu! Wir halten zu dir!
Große Worte des Jüngers – aber: es wird sich bald zeigen, nichts dahinter.
Jesus fährt ihn sogar ruppig nach diesem Freundschaftsschwur an:
Geh weg von mir, du denkst typisch Mensch, du denkst aber nicht wie Gott.
Jesus suchte nicht das Leiden, aber er wusste, dass seine Botschaft unweigerlich ins persönliche Erleiden hineinführt. Die Leute werden seine gute Botschaft von der Rettung durch Gott, seine Einladung zum Vertrauen und Glauben nicht verstehen, sondern sie werden sich ärgern. Sie wollen ihn mundtot machen – dazu wird er angeklagt werden.
Und weil Jesus den Mund so voll nahm, weil er Worte sagte, die nur Gott zustehen, weil er die Ehrentitel der anderen gelten ließ, weil er am Sabbat Menschen heilte, - und das galt als verbotene Arbeit…darum musste er weg! Immer öfter sprach Jesus von seinem Leidenmüssen.
Aber Petrus wollte dafür kämpfen, dass sein Herr beschützt bleibt.
Ein ehrenwerter Gedanke. Am Tag vor Jesu Tod waren sie noch zusammen beim Abendmahl und Jesus sagte danach folgendes:
In dieser Nacht werdet ihr alle euch über mich ärgern.
Dann aber Petrus: Wenn sich auch die andern ärgern über dich, ich will mich nicht ärgern.
Darauf Jesus – und jetzt kommt der Hahn wieder ins Spiel:
In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. (Mt.26,34)
Und Petrus setzt noch ein Wort drauf, vollmundig:
Und wenn ich mit dir sterben müsste , will ich dich nicht verleugnen!
Er hatte sich total verschätzt.
Im Garten Gethsemane, die Jünger sind eingeschlafen, .. als dann die Soldaten kamen, um Jesus an seinem Schlafplatz festzunehmen, da zückt Petrus sein Schwert und haut wild auf einen Soldaten ein, dessen Ohr er traf.
Bei dieser nächtlichen Festnahmeaktion merkt Petrus, dass Jesus sich nicht wehrt, kein Kampf, kein Held, kein Sieg – sondern es ist dunkle Nacht draußen und auch in der Seele der Jünger.
Ängstlich fragten sie sich: Was soll das noch werden?
Einige Freunde flohen, andere schlichen herum, mit der Angst, dass sie auch festgenommen würden.
Petrus schlich sich in der Nacht zum Palast des Hohenpriesters und wollte in der Nähe der nächtlichen Verhandlung sein. Er steht mit andern Menschen am Feuer.
Dann kam ein peinlicher, beschämender Augenblick (Matth. 26,70ff):
Eine Frau am Feuer sagt: den kenn ich doch!..
Petrus: Ich weiß nicht, was du sagst!
Eine andere sagte: Den kenn ich doch, der war mit dem von Nazareth!
Petrus: Nein, kenne ich nicht, ich schwör’s: den kenne ich nicht.
Und noch mal, zum 3.Mal: Ich hab mit Jesus nichts zu tun. Ich schwör’s, bei meinem Leben!
Und dann krähte der Hahn, der Morgen brach an.
Und es begegnen sich die Blicke zwischen Jesus und Petrus.
Und Petrus weinte, wie er noch nie in seinem Leben geweint hatte.
Er merkte: ich bin kein Held für meinen Herrn, ich bin nicht stark, ich hab nicht das Beste gegeben, sondern:
Ich bin feige, ich habe mich versteckt, ich habe gelogen, ich habe versagt mit meiner Kraft, – ich bin kein Petrus, kein Fels!, sondern schlicht und einfach ein Sünder.
Wo Petrus draufsteht, ist im Grunde kein Petrus drin…
Äußerlich sehe ich vielleicht stark aus, aber innerlich hab ich versagt.
Diese Einsicht tut richtig weh…
Ich bin nicht der, der ich immer sein wollte…
Ich bin - vor Gott – ganz einfach ein Sünder.
Ich kann nicht mit meiner eigenen menschlichen Kraft vor Gott bestehen.
Das war der absolute Tiefpunkt..
Es war eine schreckliche Zeit für ihn…
Darüber vergingen die Tage, die Kreuzigung und dann waren diese Ostererfahrungen:
hier und da, Jesus, der Auferstandene, war wirksam, spürbar..
Und auch Petrus hat ihn erlebt..
Mittlerweile hatte er sich wieder in seinen Beruf hineingegeben.
Fischer am See Genezareth..
Eines Morgens machte er eine eigenartige Erfahrung:
Nachdem sie nachts nicht gefangen hatte, sahen sie einen Mann am Ufer, der ihnen sagte, sie sollten noch mal rausfahren und die Netze zur Rechten auswerfen. Und siehe da: was für eine Menge Fische!
Da dämmert es den Jüngern: Es ist der Herr! Der auferstandene Jesus!
Petrus kann es nicht erwarten, springt aus dem Boot, schwimmt, watet so schnell er kann zu Jesus.
Dort hat Jesus schon das Frühstück auf einem Feuer mit Fischen hergerichtet.
Jesus fragt ihn dann etwas sehr Wichtiges.(Joh.21)
Er fragt nicht nach den Heldentaten, die doch keine waren, er fragt nach der Liebe und dem Vertrauen.
Petrus hast du mich lieb?
Ja, du weißt, ich habe dich lieb!
Jesus: Dann weide die Schafe, d.h. sorge für die Gläubigen.
Zum zweiten Mal: Hast du mich lieb? Antwort: Du weißt es doch. – Jesus: Weide meine Schafe!
Und zum dritten Mal: Hast du mich lieb!?
Und Petrus war sein ganzes Versagen vor Augen – dreimal hat er geleugnet – und zum dritten mal sagt er : Du kennst mich doch durch und durch – ich habe dich wirklich lieb! – Weide meine Schafe!
Petrus bekommt hier einen großen Auftrag, die gute Nachricht von Gott andern Menschen zu sagen, obwohl er Versager und Sünder ist. Aber er tut es nicht mit der eigenen Kraft, sondern er tut es, weil der Auferstandene das gesagt hatte und ihn damit befähigt.
Der Auferstandene hatte ja auch gesagt: Ich bin bei euch alle Tage!
………….
Liebe Gemeinde, soweit diese Geschichte von Simon Petrus.
Gott will nicht, dass wir uns verbiegen nach unsern Wünschen und Träumen, um ihm zu gefallen.
Er nimmt uns so wie wir sind, aber lässt uns aber nicht so, wie wir sind.
Er verwandelt uns. Er gibt uns seine Kraft.
Er vergibt Bosheit und Schuld – und gibt ein erneuertes Herz, das ihm gerne dient.
Und er fordert uns heraus: Hast du mich lieb? Vertraust du mir?
Und warum ist nun der Hahn auf so vielen Kirchtürmen (entweder Kreuz oder Hahn)?
Er erinnert an diesen Petrus!
-Er mahnt einerseits zur Wachsamkeit.
-Wir sollen den Herrn nicht verleugnen,
- wir dürfen – wie Petrus – trotz allem aus der Kraft der Vergebung leben.
- Wir dürfen Gott auch darum bitten, dass er uns an dem Platz, wo wir sind, nützlich macht.
Ob auf dem Misthaufen, ob im Stall, auf dem Feld, ob Zuhause, ob bei den Kindern, ob in der Gemeinde, ob im Beruf oder sonst wo…
Dass wir an dem Platz, wo wir hingehören, auch zufrieden sein können,
und mit Gottes Hilfe das tun, was er uns aufträgt.
Dankbar für unser Leben.Dankbar für unseren Stand.
Dankbar für die Gaben und Fähigkeiten.
Dankbar, dass wir einen Gott haben, der uns so einmalig gemacht hat, dass keiner sich schämen muss: Jeder ist spitze!
Diesem Gott wollen wir dienen, ihn lieben und ehren! Amen.
(Kehrvers: Du bist spitze, du bist genial, jemanden wie dich, den gibt es nicht noch mal.
So, wie du bist, hat Gott dich ausgedacht, er hat dich wirklich wunderbar gemacht….)