Jesaja 6,1-8
…………………………..
1 Es war in dem Jahr, als König Usija starb. Da sah ich den Herrn auf einem hohen, gewaltigen Thron sitzen. Der Saum seines Gewandes füllte den ganzen Tempel aus.2 Er war umgeben von mächtigen Engeln, jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zwei Flügeln bedeckten sie ihr Gesicht, mit zweien ihren Leib, und zwei brauchten sie zum Fliegen. 3 Sie riefen einander zu: «Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott! Seine Herrlichkeit erfüllt die ganze Welt.» 4 Ihre Stimme ließ die Fundamente des Tempels erbeben, und das ganze Heiligtum war voller Rauch.
5 Entsetzt rief ich: «Ich bin verloren! Denn ich bin ein Sünder und gehöre zu einem Volk von Sündern. Mit jedem Wort, das über unsere Lippen kommt, machen wir uns schuldig! Und nun habe ich den Herrn gesehen, den allmächtigen Gott und König!»
6 Da flog einer der Engel zu mir mit einer glühenden Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar geholt hatte. 7 Er berührte damit meinen Mund und sagte: «Die glühende Kohle hat deine Lippen berührt. Deine Schuld ist jetzt weggenommen, dir sind deine Sünden vergeben.»
8 Danach hörte ich den Herrn fragen:
«Wen soll ich als Boten zu meinem Volk senden? Wer ist bereit zu gehen?»
Ich antwortete: «Ich bin bereit, sende mich!» (Hoffnung f.alle)
…………..
Predigtgedanken:
1. Fasziniert
2. Schockiert
3. Autorisiert
Liebe Gemeinde,
wir habens grad gesungen: Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke…
Wenn wir Gott nicht bewundern, dann tut das die Schöpfung und die Erde neigt und verbeugt sich!
Gott bewundern! – wann war das zum letzten Mal bei uns?
1. Fasziniert
Ich lese einen Text von Lothar Zenetti – mit der Überschrift: Gott bewundern
Ich sehe den sanften Wind in den Lärchen gehen und höre das Gras wachsen,
- und die andern sagen: Keine Zeit!
Ich sehe den wilden Wassern zu und den Wolken über den Bergen,
- und die andern sagen: Wozu?
Ich sehe den Schmetterlingen nach und den spielenden Kindern,
- und die andern sagen: Na und?
Ich kann mich nicht satt sehen an allem, was ist,
- und die andern sagen: Was soll’s?
Ich bewundere dich, o mein Gott, in allem, was lebt,
- und die andern sagen: Wieso?
Wir haben das Bewundern verlernt und wir müssen es neu einüben, was wir so schnell bekennen und singen, z.B. in unserer Eingangsliturgie:
‚Lob, Anbetung, Ruhm und Ehre sei dir in Ewigkeit, Preis und Jubel deinem Namen König der Herrlichkeit….
Vers 2 lautet dann: Heilig bist du, der in der Höhe thront, unter dem Lob der Engelheere wohnt.
Wer maßt sich an, bei ew’ger Glut zu stehn? Wer kann den Herrn in seiner Schöne sehn? Lob, Anbetung..
Vor dem heiligen Gott zu stehen – wunderbar und auch erschreckend!
Stehen, Staunen und Anbeten..
Das Staunen haben wir verlernt..Wenn in den biblischen Geschichten gestaunt wird, dann steht da oft: ‚Und siehe..’ – der Ruhri-Mensch würde sagen: Boh ey, Wahnsinn!
Die Engel staunen und singen: Heilig, heilig, heilig!
Von daher sagen wir: der dreimal heilige Gott, d.h. der vollkommene Gott!
Haben Sie schon mal gehört, dass wir bei den Menschen eine gute Eigenschaft dreimal betonen? Etwa:
Der dreimal musikalische Rainer? Der dreimal engagierte Mitarbeiter, der dreimal fleißige Mitarbeiter, der dreimal liebe Pfarrer..:)?
Nein, wir Menschen sind nicht vollkommen und unsre guten Eigenschaften gibt’s nie total rein, sondern immer nur verschmolzen mit eigenen Motiven.
Aber im Negativen kommt schon die Drei-maligkeit vor: ‚Das hab ich dir schon dreimal gesagt, jetzt ist aber Schluss!’ Oder: ‚Wer dreimal lügt, dem glaubt man nicht!’
Das Dreimalige hat etwas Endgültiges, Abschließendes an sich.
Jesaja erlebt einen heiligen Moment bei dem dreimal heiligen Gott!
Letztes Wochenende hatten wir ein Seminar zum Thema Anbetung.
Es kamen viele Rückmeldungen, zwei Aussagen will ich zitieren:
„Hingegangen bin ich um nützliche Tipps für die Band zu bekommen und was ist passiert? Ich bin Gott begegnet! Na so was!“
„Für mich war das Seminar eine tolle Einübung auf die Anbetung im Himmel. So ähnlich ist es dort vielleicht, evtl. nicht ganz so laut..
Menschen haben in diesem Seminar auch heilige Momente erlebt.
Für mich war zB das Lied letzten Sonntag: Für den König.. von Ehep.Frey vorgesungen, sehr ergreifend.
Beim Mitarbeiterabend der Boten-Leute sprachen wir auch über ergreifende Momente.
Jemand erzählte von einem Erlebnis im Sommer. Am Neusiedler See wurden die Passionsspiele aufgeführt, 4000 Leute jeden Abend, und am Schluss wurde das Lied ‚Großer Gott wir loben dich’ gesungen. Es war so ergreifend, dass einem die Sprache wegbleibt.
Andre fügten ähnliche Erlebnisse dazu: Posaunenfest in der Westfalenhalle mit Tausenden Bläsern, ProChrist Lieder mit großer Menge…
Manchmal ergreift uns so ein ‚heiliger Schauer’, das ist noch etwas mehr als ein ‚Gänsehautfeeling’ beim Kino oder im Theater. Da singt man im etwa im Gottesdienst ein Lied, man hat die Texte vor sich und singt sie, - aber plötzlich hat einen das Lied und es ergreift einen, wir sind also ergriffen – man weiß selber nicht, was da genau in einem passiert.
Theologen sprechen von dem ‚Faszinosum’ des Heiligen.
Es ist so: Je näher wir zu Gott kommen, umso stärker erleben wir das Heilige.
Es entsteht eine Scheu, eine Scham, eine Ehrfurcht bis hin zur Sprachlosigkeit und Stille.
Blaise Pascal, der Mathematiker und Physiker, hat einen heiligen Moment in einer Nacht im Jahre 1654 erlebt. Er beschreibt es so:
„Feuer. Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs, nicht der Philosophen und der Gelehrten. Gewissheit, Gewissheit, Empfinden. Freude, Friede. Gott Jesu Christi. Freude, Freude, Freude, Tränen der Freude..“
Etwas Besonders erlebte ich beim Seminar letzten Samstagnachmittag:
Ein Mitarbeiter referierte über „Anbetung als Lebensstil’ – Ich atme, also lobe ich!.“
Nach dem Referat wurden die etwa 100 Leute aufgefordert, hinaus auf unsere Wiese zu gehen und aufmerksam einzelne Stationen auf unserem Zukunftsland aufzusuchen.
Dort war eine besondere Stille, man sah Tücher am Boden liegen, mit groß geschriebenen passenden Bibelworten, - etwa 5 Stationen und am Endpunkt der Stationen war ein Thron, den sie hier auf dem Bild sehen:
Ein Thron bekleidet mit rotem Samt, darauf groß geschriebene Bibelworte über Gottes Größe, drumherum um den Thron auf einem Tuch viele verschiedene Herzen.
Menschen schauten auf den Thron, sie standen, manche knieten, jeder allein für sich, - manche hoben ein Herz auf und legten es auf den Thron.
Es war schön zu erleben, wie jeder auf der Wiese seinen Gedanken nachging, mit sich und Gott zu tun hatte oder eben diesen Stationenweg ging, der zu ‚Gottes Thron’ hinführte:
Gottes Thron: er selbst, der Höchste, der Mächtigste, der dreimal Heilige.
Der 1. Punkt:
Jesaja war fasziniert von diesem heiligen Gott – und wir können es etwas nachempfinden.
Der 2. Punkt: Schockiert.
Etwas brennt dann in einem. Die Scham. Die Schuld.
Heiliges, verzehrendes Feuer greift nach dem Herzen, wie auf dem Fensterbild hier rechts in unserer Kirche zu sehen ist.
Die Heiligkeit Gottes entlarvt die eigene Unheiligkeit.
Weh mir, ich vergehe! Panik, Todesangst erlebt Jesaja.
V.5: Ich bin verloren. Ich bin ein Sünder und gehöre zu einem Volk von Sündern…
Nach dem heiligen Schauer kommt der heilige Schreck.
Das geht doch nicht zusammen: ich hier und da der Höchste, Gott selbst.
Gotteserkenntnis wirkt immer Selbsterkenntnis.
Der Spiegel der Heiligkeit offenbart unsre Unheiligkeit.
Er zeigt uns, dass wir immer vermischte Motive haben.
Der heilige Schreck tut weh.
Petrus, der dreimalige Verleugner, muss bitter weinen, - als er sieht, dass seine Rechnung nicht aufgeht, und dass Jesus, sein Herr, obwohl gefangen, doch der Herr der Situation ist.
Der heilige Schreck ist wichtig.
Denn in der Nähe Gottes, in der Anbetung vor ihm, dem Heiligen, werden wir geläutert.
Die Werte werden zurechtgerückt.
Die Lüge wird entlarvt und muss entweichen, und Wahrheit, Reinheit und Liebe ziehen ein.
Weh mir!
In diesem persönlichen Schmerz handelt nun Gott.
Gott kommt dem Jesaja entgegen –ein Engel (ein Bote!) berührt seine Lippen mit Kohle. Natürlich verbrennt er nicht Jesajas Lippen. Das ist ein Gleichnis für die Läuterung, so wie damals das Opferfeuer – das Sühneopfer – auch mit Kohle befeuert wurde.
Wir haben eine Sehnsucht, ungetrübt, unbeschwert, unverfälscht bei Gott zu sein und Gott sorgt dafür, dass wir geheiligt, geläutert werden.
Der 3. Punkt: Autorisiert
Nach dem heiligen Schauer, dem heiligen Schrecken und der Reinigung und Wiederherstellung hat Gott eine Frage.
Sein letztes Ziel ist ja nicht, dass wir allein für uns die Nähe Gottes genießen – das ist schön und gut und heilsam – aber seine Absichten gehen weiter, zu allen denen, die ihn nicht kennen und seiner Güte nicht glauben und seine Mahnungen in den Wind schlagen.
Gott hat eine Menge Botschaften, er will kommunizieren mit den Menschen – und darum sucht er Boten.
Er fragt den verwandelten Jesaja – eine rhetorische Frage - aber sie ist natürlich auf Jesaja gemünzt:
‚Wen soll ich als Boten zu meinem Volk senden? Wer ist bereit zu gehen?
(Luther: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?)
Die Frage steht im Raum.
Und unmittelbar – ohne Abwägen, Nachfragen, Aufschub – eine prompte Antwort:
Ich bin bereit, sende mich! (Luther: Hier bin ich, sende mich!)
Es liegt auf der Hand: Bei einem so schönen, großen, heilsamen Gott kann ich nur weitersagen, was er will. Ich will sein Bote sein.
Gott fragt uns immer wieder nach dem Einverständnis. Er ist höflich. Die Jobs bei ihm sind freiwillig, sie sind ehren-amtlich, denn es ist eine Ehre, für Gottes Sache einzustehen.
Er will uns nicht überrollen und zwingen – denn dann wäre ja die Liebe, Hingabe, Leidenschaft nicht da, sondern eben heimliches Murren und Maulen über den erdrückenden Gott.
Dieser sündige und doch geheiligte Mensch Jesaja darf Bote des Höchsten sein!
Auch nach der Gottesbegegnung bleibt er ja Sünder, aber er hat die Macht erlebt, die ihn reinigt, läutert, festhält – und beauftragt.
So gesehen – mit diesem Auftraggeber und Absender – geht man gern auf die Adressaten zu. Man hat nur eine Botschaft abzuliefern.
Drei Dinge sind dann wichtig zu wissen:
1. Die Botschaft ist Gottes Botschaft und ich muss sie nicht verteidigen.
Der Bote ist nur Überbringer. Das entlastet. Ich kann ja auch Gott nicht verteidigen.
Das Wikipedia-Lexikon im Internet definiert ‚Bote’ so:
„Der Ausdruck Bote bezeichnet den Überbringer einer Botschaft auf Veranlassung eines Senders an einen Empfänger….Ein Bote ist abgesandt. Er handelt im Auftrag und an Stelle eines Absenders. Mit seinem Auftreten ist eine bestimmte Absicht verbunden. Meist ist die Botschaft für den Adressaten relevant.“
2. Das gibt mir eine gute ‚dicke Haut’.
Die Aggressionen, die mir als Bote zuteil werden, gelten nicht mir als Boten.
Bezirksmitarbeiter sind manchmal Blitzableiter für Frust der Menschen über Kirche, Papst, und auch Gott… Aber: ziehen Sie sich den Schuh nicht an!. Sie überbringen nur etwas, und in diesem Sinn können sie auch Kritik stehen lassen, und evtl. an die betreffende Stelle weitergeben.
Manchmal ist es wie bei Postboten. Sie sind auf dem Land für Schäferhunde richtige Reizfiguren…
So ist es auch manchmal mit den Boten-Mitarbeitern der Gemeinde – sie sind für manche Reizfiguren, weil sie für Kirche, Pfarrer, Glaube, Gott u.a. stehen. Und dann werden sie angebellt:
Warum hat der und der das und das gemacht?
Warum sagt die Kirche nichts gegen das und das?
…
Machen wir daraus ein Gebet, und klagen es dem Auftraggeber, unserm heiligen Gott. Er sorgt für uns.
Er stärkt uns den Rücken. Er lässt Sie nicht im Stich.
3. Ich stehe unter Gottes Autorität.
Es ist gut, sich dessen zu vergewissern, wie zB heute. Ich bin von Gott autorisiert. Ich stehe unter seiner Macht. Ich bin von ihm beschirmt.
Psalm 91: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
So gesehen – als Bote im Auftrag des Höchsten – können wir ganz entspannt und gelassen das tun, was uns aufgetragen ist.
Gott sorgt selber dafür, dass seine Botschaften und Absichten ankommen.
Und wir dürfen mithelfen und Bote sein und weitersagen. Was für eine Ehre!
………
Ich schließe mit einem Gebet:
Herr, du willst nicht, dass ich meinen Glauben zu leben suche wie ein Artist,
der auf hochgespanntem Seil einhergeht, mühsam darauf bedacht, die Balance zu halten.
Du willst keine einstudierte Nummer, keine Glanzleistung, die auf Applaus angelegt ist.
Du willst, dass ich auf Menschenwegen gehe, tue, was vor die Hand kommt, meinen Alltag bestehe.
Du willst, dass ich Menschen begegne als Bruder, als Schwester,
dass ich anhalte, mit ihnen zu reden, dass ich sie begleite auf ihrem Weg.
Du willst, dass ich ihnen sage, dass ich dich kenne und dass du sie kennst und liebst.
So sei du bei mir, Herr. Bewahre mich vor der Versuchung, Menschen und Mächten hörig zu sein.
Lass mich allein auf dich hören.
Lass auf meinem Weg deutlich werden, dass ich nicht meine eigene Sache betreibe, sondern dass ich dein Bote bin. (Lindolfo Weingärtner)
Amen.