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Predigttext

Hoffnung für Schlappstadt
05-06-06 10:00
Alter: 4 yrs


VON: TH.ENZNER



Pfingstmontag; Galater 3, 1-5; Johannes 7, 37-39

 

Biegen Sie bei Stressdorf in nördlicher Richtung ab, fahren sie ein paar Kilometer hinter Sorgenstadt nach Osten...


Stichworte: Kraft, Heiliger Geist, Schlappstadt,

Texte: Galater 3, 1-5 / Johannes 7, 37-39 / Eph. 5,18

 

            1 Warum wollt ihr Christen in Galatien das denn nicht endlich begreifen! Wer konnte euch bloß so durcheinanderbringen? Habe ich euch das Sterben Jesu am Kreuz nicht so geschildert, als hättet ihr alles mit eigenen Augen gesehen? 2 Beantwortet mir nur diese eine Frage: Wodurch habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Indem ihr die Forderungen des Gesetzes erfüllt habt oder weil ihr die Frohe Botschaft von Jesus Christus angenommen habt1?

3 Wie könnt ihr nur so blind sein! Wollt ihr jetzt etwa aus eigener Kraft zu Ende führen, was Gottes Geist in euch begonnen hat? 4 Ihr habt doch so Großes mit Gott erfahren. Soll das wirklich alles vergeblich gewesen sein? Das kann ich einfach nicht glauben! 5 Ich frage euch darum noch einmal: Schenkt Gott euch seinen Geist und lässt er Wunder bei euch geschehen, weil ihr das Gesetz erfüllt oder weil ihr an Christus glaubt?

 

Johannes 7, 37-39:

Jesus rief am letzten Tag des Laubhüttenfestes: Wer Durst hat, der soll zu mir kommen und trinken! Wer mir vertraut, wird erfahren, was die Heilige Schrift sagt: Von ihm wird Leben spendendes Wasser ausgehen wie ein starker Strom. Damit meinte er den Heiligen Geist, den alle bekommen würden, die Jesus vertrauen.

 

Epheser 5,18: Lasst euch von Gottes Geist erfüllen!

……………

Predigtgedanken:

1. Gerettet – aber nicht geistlich ausgerichtet! (Gal.3,1-5)

2. Trinken bei Jesus hat gewaltige Auswirkungen!           (Joh. 7, 37-39)

3. Gottes Geist am Steuer des Lebensautos

 

 

Liebe müden und abgeschlafften Christen,

 

Biegen Sie bei Stressdorf in nördlicher Richtung ab, fahren ein paar Kilometer hinter Sorgenstadt nach Osten, bei der Abzweigung im Müden Tal halten Sie sich nach rechts, dann erreichen Sie die mühseligen Straßen von Schlappstadt. Die Einwohner dieser Stadt machen dem Namen alle Ehre.

 

Sie schleppen sich dahin wie schwer beladene Esel, mit gesenktem Blick, langem Gesicht, hängenden Schultern. Wenn man sie um eine Erklärung für ihre Teilnahmslosigkeit bittet, zeigen sie auf ihre Autos: „Da wären Sie auch müde, wenn Sie eins von denen schieben müssten!“ Und genau das tun sie!

 

Mit aller Kraft schieben sie keuchend Autos die Straße hinauf und hinunter, ihre Schultern sind an die Autos gepresst, die Füße stemmen sich gegen den Boden. Anstatt sich hinter das Steuerrad zu setzen, stemmen sie sich von hinten gegen ihre Autos, allein, zu zweit, zu dritt – je nachdem, wie schwer die Autos sind.

 

Dieser Anblick verwirrt uns total. Sehen wir richtig? Laufende Motoren – und die Leute schieben? Die Bürger von Schlappstadt lassen ihre Autos an, legen den Leerlauf ein, steigen wieder aus, und schieben! Tja, wer sein Auto liebt, der schiebt!!?

 

Wir fragen verwundert eine Frau, die ihren Kombi auf den Parkplatz eines Supermarktes schiebt: „Entschuldigung, kann ich ihnen vielleicht helfen? Vielleicht läuft doch das Auto von alleine, sie müssen sich doch nur reinsetzen und dann das Gaspedal drücken!“

Die Frau antwortet: „Natürlich, das Gaspedal, das weiß ich auch, so dumm bin ich auch nicht. Immer wenn ich das Auto anlasse, dann drücke ich das Pedal durch,  - ja und dann steige ich wieder aus und fange an zu schieben, so gut es eben geht….“

 

Wirklich komisch! Ein anderer Mann keucht auf den Parkplatz und schiebt seinen Audi samt Anhänger.

 

Nochmal die Frage, die auf der Zunge liegt: „Entschuldigung, warum betätigen sie nicht das Gaspedal?“ „Ja, hören Sie mal, wir sind Bürger aus Schlappstadt, wir haben das immer so gemacht, wenn man so ein schönes Auto hat, muss man sich auch gehörig  dafür einsetzen. Ich bin stolz drauf, mein Auto noch alleine schieben zu können„

Er keucht wie eine alte Kuh, wischt sich den Schweiß von der Stirn, antwortet noch schnippisch: „Entschuldigung, für solche dummen Fragen hab ich jetzt wirklich keine Zeit!“

 

Wir verlassen diese seltsame Stadt – und lesen in einem Schreiben von Paulus an eine Gemeinde in Galatien:

 

3 Wie könnt ihr nur so blind sein! Wollt ihr jetzt etwa aus eigener Kraft zu Ende führen, was Gottes Geist in euch begonnen hat? 4 Ihr habt doch so Großes mit Gott erfahren. Soll das wirklich alles vergeblich gewesen sein? Das kann ich einfach nicht glauben!

 

Liebe Gemeinde!

Ist Gottes Kraft nur für den Anfang da, als Starthilfekabel oder als Anlasser – oder ist sie nicht auch Energie zum Fahren?

Ist Gottes Kraft nur Hilfe zum Anlaufnehmen, und nicht vielmehr zum Weiterfahren? 

Ist Gottes Geist nur spürbar in der Bekehrung, und nicht mehr in der Nachfolge?

Ist Gottes Kraft nur für die Rettung, aber nicht mehr für die tägliche Veränderung da?

 

Habt ihr mit Gottes großer Kraft angefangen, und mit eurer eigenen Kraft wollt ihr weiterwurschteln?, meint Paulus. ‚O, ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert..?’, so fängt der Abschnitt im Luthertext an.

Paulus schüttelt den Kopf, und denkt sich dabei seinen Teil, wahrscheinlich dachte er: Was seid ihr dumm! Richtig dumm!

 

Wie Kameltreiber, die neben den kraftstrotzenden Kamelen herlaufen, Lasten tragen, stöhnen, keuchen – und nicht im Geringsten daran denken, sich aufs Kamel zu setzen.

 

Oder eben wie Autofahrer, die einen tollen Motor im Auto haben, - aber dann sich abmühen und schieben, keuchen, schieben, stöhnen …und irgendwann schlapp machen.

Ihr seid wirklich Bürger von Schlappstadt!

 

Sind wir nicht auch Bürger von Schlappstadt? – zumindest ein bisschen, oder hier und da, oder manchmal?

 

(Ich denke an meine eigenen Glaubensgeschichte…)

Wir haben den Anfang im Glauben wunderbar leicht empfunden. Ja, wie ein Wunder, wenn wir zurückblicken. Gott hat uns um 180 Grad gedreht, und plötzlich konnten wir glauben. Das war seine Kraft, für uns vielleicht ein kleiner Schritt (ein Gebet, ein Wort des Vertrauens…), aber Gott hat gewaltigen Segen dazu gegeben. Ich rede jetzt für die, die einen Anfang mit Gott bewusst und intensiv erlebt haben.

 

War das nicht wunderbar? Es war ein beschwingtes Gefühl. Die Welt war wieder stimmig. Die Lasten und Sorgen wurden leichter. Die Vergebung war Fakt. Die Freude darüber kindlich. Das Singen der Lieder innig. Wir genossen das Bibellesen. Jede Zeit für die Bibel war eine Entdeckung. Wir schwärmten von Jesus. Wir wussten theologisch noch nicht viel, wir wussten aber, dass das Glaubensauto ganz schön brausen kann, manchmal war es atemberaubend schön.

 

Aber dann. Im Kleinkrieg des Alltags, in den vielen Monaten und Jahren, in denen man sich als Christ herumschlägt, kommt irgendwie Sand ins Getriebe, dass wir wieder auf alte Gewohnheiten setzen.

Ach, es wird doch alles mit Wasser gekocht..

Und die Glaubenswunder…lang, lang ist’s her. Das war eben so eine schwärmerische Zeit..

Etwas abfällig vielleicht schaut man auf die ‚Zeit der ersten Liebe’ zu Gott zurück.

 

Ziemlich ernüchtert macht man sich an die christliche Arbeit und Pflicht, z.B.

 

1. Sonntags in den Gottesdienst gehen…

Stress, schon früh aufstehen, dann in die Kirche dackeln, der Rest der Familie räckelt sich noch in den Betten..

 

2. Beten.

Auch diese Pflicht will man ableisten. Man macht es, das gehört zum Christensein. Was will denn Gott denken, wenn wir nicht beten? Fürbitte-Listen haben wir angelegt. Wir pflügen sie gewissenhaft durch…das ist ja anderen versprochen.

 

3. Gemeindegruppen.

Doch, die ziehen wir durch. Gemeinschaft ist nötig. Was muss, das muss!. Und die Gruppenmitglieder, o nein, sie sind so unverbindlich. ‚Jetzt macht doch mal mit, und lasst euch nicht so hängen…!’ Ja, manchmal muss man richtig laut werden…

 

4. Etwas Gutes tun.

Ja, wir spenden, und wie. Wir möchten uns einsetzen. Es gibt soviel zu tun.

 

5. Und noch das Thema ‚Leid’.

Ich dachte, das würde verschwinden – aber im christlichen Leben ist überall Leid und Krankheit… Das drückt aufs Gemüt. Wir tragen schwer.

 

Und die Lebensmelodie kommt nicht mehr aus der frohen Botschaft, sondern aus der sauren Gewohnheit, die zu Leistung und Pflicht verkommen ist.

 

Das Motto dieser rückfälligen Galater – bzw. Christen – lautet:

Es gibt unendlich viel zu tun. Packen wir’s an!

Es gibt einen Berg von Vorschriften, eine Last von ‚Du solltest, du müsstest, du könntest…’, wie kann ich das je schaffen.?

Aber wir legen uns ins Zeug, allein und auch mit andern…Wir wollen den Karren aus dem Dreck ziehen. Wir wollen etwas bewegen…

Wir …  sind schließlich Bürger von Schlappstadt, wir lassen uns nicht hängen…

 

Aber das ist es ja grade. Die Schlappstädter machen auf Dauer schlapp.

Die Lasten mit eigener Kraft bewältigen, das macht schlapp.

Den Alltag in der alten Gewohnheit meistern, macht mürbe.

 

Und so findet man sich in der Gemeinschaft der anderen stöhnenden, seufzenden, jammernden Christen wieder – und bestätigt sich vielleicht noch in diesem Gefühl.

Paulus sieht also, wie sich die Christen in Galatien abrackern in den alten Mose-Vorschriften.

Sie sind gerettet, sie haben den Glauben an den Retter Jesus angenommen. Sie sind getauft.

 

Aber in ihrem Alltag leben und denken sie nicht geistlich – nicht von Gottes Kraft her.

In ihrem Alltag leben sie nach den alten religiösen Gewohnheiten, alle Gesetze peinlich genau einhalten – und dadurch Gott gefallen wollen.

 

Wie dumm! Erstens wird man dadurch nicht gerettet – aber zweitens verspielt ihr die Freiheit des Evangeliums und ihr lebt nicht in der Kraft des Heiligen Geistes!

Euer Leben wird sauer, und ihr macht über kurz oder lang schlapp!

Der 1. Gedanke: Gerettet, aber nicht mehr geistlich ausgerichtet!

 

2. Trinken bei Jesus hat gewaltige Auswirkungen!

 

Wir müssen einsehen, der Wirkungsgrad des Autoschiebens ist sehr, sehr bescheiden.

Großer Aufwand, aber geringe Wirkung.

Das wäre ein wirkungsgrad, wie wenn man die Kirche nicht mit der Maschine, sondern mit der Zahnbürste wöchentlich saubermachen müsste.

 

Wie kann der Wirkungsgrad erhöht werden? Man muss bei Jesus trinken!

 

Kurzer Szenenwechsel. Wir sind in Jerusalem beim Laubhüttenfest. Das ist eines der großen Feste. Es erinnert an die Wüstenzeit und der Fürsorge Gottes in dieser langen geschichtlichen ‚Durststrecke’.

Es gibt dabei verschiedene Symbole, z.B. wird ein Feststrauß (Lulab) aus einem Palmzweig, Myrte und Weide und einen Zitronenzweig mit der Hand geschwenkt.

Während des 7-tägigen Festes schöpfte ein Priester am Tempel bei Tagesanbruch eine Kanne voll Wasser (ca.1 Ltr.)  aus dem Siloahteich (Kidrontal). Am Tempeleingang wurde er mit 3 Trompetenstößen begrüßt.

Das Wasser wurde auf dem Altar ausgegossen, Zeichen, dass Gott sein Volk versorgt, auch in Wüstenzeiten.

Man führte für diese Wasserspende Jesaja 12,3 an: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen“. (Außerdem begannen die Juden nun wieder die Bitte um Regen, die vom 1. Tag des Passahfestes bis zum letzten Tag des Laubhüttenfestes im Gebet ausgelassen wurde.)

 

Jesus hat dieses anschauliche Zeichen auf sich bezogen, von dem lebendigen Wasser durch ihn gesprochen und von den Wasserströmen des Heiligen Geistes, die von denen ausgehen, die ihm vertrauen.

Textlesung Johannes 7, 37-39…

 

Bei Jesus Gottes Geist trinken – und die Wirkung ist gewaltig. Wenn wir das Maß der Kanne nehmen – 1 Liter Wasser – und uns dann Ströme vorstellen: Was für ein Wirkungsgrad!

 

Wir können niemals Ströme trinken – schon 3 Liter Wasser am Tag ist eine Zumutung.

Aber 1 Liter – eine Kanne vom Priester am Morgen eines Laubhüttenfesttages – wäre noch machbar. Täglich um den heiligen Geist bitten, und von seiner Kraft leben.

Bei Jesus trinken, den Durst stillen, das ist es, was Kraft gibt. Wer den H. Geist bei Jesus trinkt, der erlebt im Glauben einen unermesslichen Wirkungsgrad.

 

Und Jesus gibt gerne – wenn wir ihn um etwas bitten.

Wenn ihr in meinem Namen den Vater um etwas bitten werdet, werde ich es euch geben…

Matthäus 7,7: Wer sucht, der findet, wer bittet, der empfängt, wer anklopft, dem wird aufgetan.

 

 

D.h. unseren Mangel nicht selber bearbeiten wollen, sondern Jesus hinhalten: Gib du mir dein Kraft. Ich kann es nicht allein!

Paulus sagt in einem Brief ausdrücklich: Lasst euch von Gottes Geist erfüllen! (Eph.5,18)

 

Es soll nicht durch Heer oder – menschliche – Kraft geschehen, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr Zebaoth.

 

Die Geschichte von Gideons  Sieg über die Midianiter (Richter 7) unterlegt diesen Satz:

 

Gott sagt zu Gideon, als er mit seinem Heer den Midianitern gegenüberlag, bereit zum Kampf: Zu zahlreich ist das Volk, das bei dir ist, als dass ich Midian in deine Hände geben sollte, Israel könnte sich rühmen wider mich und sagen: Meine Hand hat mich errettet.

 

Wer ängstlich ist, soll gehen. So gingen 22.000 Mann und es blieben 10.000.

Das waren für Gott noch zu viele. Sie sollten nun an einem Wasser trinken. Wer wie ein Hund trinken würde, - mit der Zunge lecken – der sollte bleiben. Das waren nur 300. Der Rest sollte nach Hause.

Mit diesen 300 konnte Gideon nach einer göttlichen List nachts das Lager der Midianiter überfallen und eine Panik verursachen, sodass das riesige Heer sich selber bekämpfte und schließlich floh.

Es soll nicht durch Heer oder menschliche Kraft geschehen, sondernd durch meinen Geist.

 

Lasst uns zur geistlichen Quelle gehen und bei Jesus trinken. Was von ihm kommt, gerät in unserem Körper, in Seele und Geist schon an die richtige Stelle.

Wir sagen dem Wasser auch nicht, wo es hin soll..

 

3. Gottes Geist am Steuer des Lebensautos

 

 

Gottes Geist ist geschenkte Energie fürs Leben, jeden Tag, jeden Weg, jede Phase.

Ich lasse also das Auto an, und bleibe drin – muss und will nicht mehr selbst schieben.

Das Auto läuft selber. Ich muss nur steuern.

 

Oder – wenn ich den Vergleich weiterführe: auch Steuern muss ich letztlich nicht alleine,

der Geist Gottes gibt nicht nur Kraft, er zeigt auch den Weg. Er ist wie ein Navigator.

Wie auf der zweiten Missionsreise von Paulus, als Gottes Geist Türen verschloss und Wege öffnete, sodass Paulus geradewegs nach Europa kam.

 

So leitet uns der Geist Gottes, und sagt z.B.:

Hier lang. Nicht hier in das müde Tal. Sorgenstadt lassen wir links liegen.

Dann geht’s an Jammertal vorbei und schließlich sind wir da, wo wir hingehören:

In Geist-hausen.

 

In Geisthausen herrscht nicht diese selbstsichere Haltung: Das schaffen wir schon. Wir kriegen das hin. Da beißen wir uns durch, wäre gelacht.

Es gibt da einen Vorbehalt – wie es in Jakobus 4,13f heißt:

‚Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun.’

 

Es ist mein Wunsch, dass wir gerne in Geist-Hausen wohnen.

Dass wir in unserem stinknormalen Alltag geistlich denken lernen.

Dass wir genügend bei Jesus trinken, damit Gottes Kraft einfach strömt – ohne Krampf und saurer Pflicht und schwerer Leistung.

 

Lasst uns darum bitten.

Das tun wir mit dem Lied EG 570: …Gib uns allen deinen Geist!

 








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