Psalm 66,1-9 u. 2. Korinther 4, 10-18 ; Jubilate
10 Indem wir tagtäglich unser Leben für Jesus einsetzen, erfahren wir am eigenen Leib etwas von seinem Sterben. Wir erfahren dadurch aber auch etwas vom Leben des auferstandenen Jesus.11 So sind wir also um Jesu willen ständig dem Tod ausgeliefert; aber an unserem sterblichen Leib wird auch immer wieder sein Leben sichtbar. 12 Uns bringt der Dienst für Jesus ständig in Todesgefahr, euch dagegen hat er neues Leben gebracht.
13 Weil wir an Jesus Christus glauben, müssen wir von ihm reden. Denn wie der Beter im Alten Testament können auch wir von uns sagen: «Ich glaube, deshalb rede ich!» 14 Wir wissen: Gott, der Jesus vom Tod auferweckt hat, wird auch uns auferwecken. Dann werden wir mit euch gemeinsam vor Gott stehen. 15 Alle Entbehrungen aber ertragen wir für euch. Denn je mehr Menschen für Christus gewonnen werden, um so mehr werden Gott danken und ihn über alles ehren.
16 Darum geben wir auch nicht auf. Freilich gehen diese Strapazen nicht spurlos an mir vorüber. Wenn auch meine körperlichen Kräfte nachlassen, wird doch das Leben, das Gott mir schenkt, von Tag zu Tag erneuert. 17 Was wir jetzt leiden müssen, dauert nicht lange und ist leicht zu ertragen, wenn wir bedenken, welch unendliche, unvorstellbare Herrlichkeit uns erwartet. 18 Deshalb lassen wir uns von dem, was uns zur Zeit so sichtbar bedrängt, nicht ablenken, sondern wir richten unseren Blick auf Gottes neue Welt, auch wenn sie noch unsichtbar ist. Denn das Sichtbare vergeht, doch das Unsichtbare bleibt ewig.
Predigtgedanken:
1. Jubilate! - Gott ist zu bewundern. (Ps.66)
2. Eine herrliche Vergänglichkeit (2.Kor.4,10-18)
3. Einübung in eine anbetende Haltung.
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Liebe Gemeinde,
in diesen schönen Frühlingstagen verändert sich unsere innere Einstellung: wir werden beschwingter, fröhlicher. Wir staunen über die Blütenpracht, wir genießen die Frische am Morgen, die Wärme am Mittag. Wir hören das Vogelgezwitscher früh um 5 Uhr. Jeder spürt: die Natur steckt voller Leben. Jeder Tag ist voller Überraschung, wenn man in den Garten schaut, und neue Blüten entdeckt. Und die Frühjahrsmüdigkeit verwandelt sich in Vitalität und neuen Schwung. ‚Alles neu macht der Mai.’, sagt man.
1. Jubilate – Gott ist zu bewundern!
Vor paar Tagen bin ich kurz nach 5 Uhr aufgestanden – einfach so – weil mich das Vogelgezwitscher und der Sonnenaufgang so begeistert hat und ich saß auf der Terrasse und genoß die schöne Morgenstimmung. Der Garten wurde zu einem Bilderbuch für den wunderbaren Schöpfer.
In der kurzen Frühlingswoche bestaunen wir die vielfältige Blütenpracht – die jap. Zierkirsche, die Forsythien, die Tulpen und Narzissen, die Skippe, die Kirschbäume, die Azaleen und Rhododendronbüsche, die vielen Blumenkissen, deren Namen wir meist nicht kennen..
Unsre Wahrnehmung ist in dieser Hinsicht verarmt, wir können die Vielfalt der Frühjahrsblüher gar nicht mehr benennen. Genauso bei den Vögeln: die Meisen, die Amseln, die Buchfinken, Zaunkönige, die Fitiche, die Grasmücken, die Drosseln, die Krähen und Elstern….alle preisen früh schon ihren Schöpfer und wir haben Mühe, die veschiedenen Vögel zu entdecken oder zu beschreiben. Sie heißen für viele Menschen einfach nur ‚Vogel’ oder ‚Piepmatz’.
Im Psalm 66 sprachen wir es zu Anfang aus: Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! … Alles Land bete dich an und lobsinge dir; lobsinge deinem Namen: Kommt her und seht an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.
Und im Lied: Großer Gott wir loben dich…heißt es: ‚Herr, wir preisen deine Stärke. Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke!’
Gott ist in der Vielfalt seiner Schöpfung zu bewundern.
Er ist wunderbar. Er tut Wunder. Darum ist er zu be-wundern.
Der Sonntag hat den Namen ‚Jubilate!’. Jubilate!, zu deutsch: Jubelt! Jauchzt!
Der Psalm 66 fängt an: Jauchzt Gott alle Lande! Dieser Vers ist diesem Sonntag als Motto zugeordnet.
Jubeln ist mehr als nur Schmunzeln, heiter sein, sich Freuen oder Lachen!
Es ist das spontane, unbekümmerte, lautstarke Singen, Rufen, Schreien!
Der entscheidende Treffer bei der WM in Bern 1954, die Schreie des Reporters Zimmermann kann man immer wieder hören:
„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen - Rahn schießt - Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tor für Deutschland, Linksschuss von Rahn, …. 3:2 für Deutschland 5 Minuten vor dem Spielende. Halten Sie mich für verrückt, halten Sie mich für übergeschnappt, ich glaube, auch Fußballlaien sollten ein Herz haben, sollten sich an der Begeisterung unserer Mannschaft und an unserer eigenen Begeisterung mit freuen und sollten jetzt Daumen halten. Viereinhalb Minuten Daumen halten…“.
An Fußballfans lässt sich der Jubel studieren - nach einem siegreichen Spiel ziehen sie jubelnd durch die Straßen! Andere empfinden sie vielleicht etwas verrückt, wie es ja auch der Reporter Zimmermann sagte. Aber Jubeln bleibt nicht verborgen, das muss raus.
Versuchen sie mal, für sich zu jubeln, - das geht nicht.
-Als die Nachricht von der Befreiung von Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke kam, da jubelten spontan in Leipzig viele Menschen, die über Monate mitgebangt hatten.
-Als unser erstes Kind geboren wurde, Kathrin, an einem herrlichen Maimorgen 11.Mai 1978, da ging ich mit der beglückenden Botschaft aus dem Krankenhaus – wollte den nächstbesten umarmen, suchte nach Kontakt, konnte zu Hause es kaum erwarten, den Bekannten und Verwandten zu sagen.
Jubelnde bleiben nicht allein, jubelnde Menschen tun sich zusammen.
Jubeln ist auch kein normaler Dauerzustand, es ist ein Ausnahmezustand, ein besonderer Höhepunkt.
Und wer jubelt, braucht keine Argumentation, er muss sich nicht rechtfertigen.
Der Grund liegt auf der Hand, wer da noch nachfragt, der hat es halt nicht begriffen.
Das alte deutsche Wort – in den Gesangbuchliedern noch enthalten – heißt ‚frohlocken’. Dieses Wort wird aber meist abschätzig verwendet, seitdem es Ludwig Thomas’ Satire auf den ‚Münchner im Himmel..’ gibt. Der Münchner jammert über das ewige Frohlocken-Müssen und hätte lieber etwas Handfestes, nämlich Bier und Schnupftabak.
Die Sänger unter uns erinnern sich vielleicht an das bekannte Stück im Weihnachtsoratorium von Bach: Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage.. . Da hört man den Chor auch richtig frohlocken: hohe Töne, schneller Takt, laut schmetternd. Wen reißt es da nicht mit?
Aber einige Menschen stehen abseits und sagen: ‚Na, und? Das ist doch nicht’s Besonderes! Man freut sich halt etwas mehr. So ist es eben alljährlich, Frühling jedes Jahr. Muss ich da noch einen Gott bewundern?’
Hier hört natürlich das Argumentieren auf.
In dem Text von Lothar Zenetti kommen diese verschiedenen Welten zur Sprache.
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Gott bewundern
Ich sehe den sanften Wind in den Lärchen gehen und höre das Gras wachsen, und die andern sagen: Keine Zeit!
Ich sehe den wilden Wassern zu und den Wolken über den Bergen, und die andern sagen: Wozu?
Ich sehe den Schmetterlingen nach und den spielenden Kindern, und die andern sagen: Na und?
Ich kann mich nicht satt sehen an allem, was ist, und die andern sagen: Was soll’s?
Ich bewundere dich, o mein Gott, in allem, was lebt, und die andern sagen: Wieso?
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Denken sie mal an vergangene Jubelsituationen, und danke sie für dieses Geschenk!
Wie fade wirken hier die Einwände der Skeptiker: Keine Zeit! Wozu? Na und? Was soll’s? Wieso? Mehr fällt ihnen halt nicht ein.
Liebe Gemeinde, das Jubeln und staunende, überschäumende Freuden dürfen wir nicht verlernen und vergessen. Jubilate – Gott ist zu bewundern.
Ein zweiter Gedanke:
2. Eine herrliche Vergänglichkeit.
Dieses Stichwort klingt zunächst etwas widersprüchlich – ist es aber nicht, wenn man den Zusammenhang von 2.Korinther 4 versteht. Ich will ihn gleich erläutern.
Das mit dem Jauchzen ist ja nur echt, wenn in schlechter Zeit wenigstens noch eine freudige Grundstimmung bleibt. Das Jauchzen wäre eine Seifenblase, wenn es zB in Leidenszeiten von permanentem Fluchen abgelöst würde.
Ich lese zZ. ein Buch von Morrie Schwartz: Weisheit des Lebens – dazu gibt es auch einen Film: Dienstags bei Morrie. Ein amerikanischer Soziologieprofessor mit Vornamen Morrie bekommt eine fortschreitende gefährliche Muskellähmung (ALS, amyotrophe Lateralsklerose), die an den Füßen anfängt, und dann aufwärts bis zum Kopf steigt und zu einem erbärmlichen Tod führt. Dieser Morrie war ein sehr aufmerksamer Mann, der diese schlimme Diagnose zum Anlass nahm, den Verlauf seiner eigenen Vergänglichkeit zu beobachten, darüber ein Tagebuch zu schreiben und daraus Weisheiten fürs Leben zu ziehen. Er wurde in den USA berühmt, berühmter als durch seine Soziologiestudien.
Ein Weisheitssatz lautet: Lernen Sie, wie man lebt, dann wissen Sie, wie man stirbt; lernen Sie, wie man stirbt, dann wissen Sie, wie man lebt. (S.155)
Sein Buch wurde – nach seinem Tod – zu einem Bestseller, weil er durch seine persönlichen Erfahrungen dem gesellschaftlichen Tabu des Todes begegnet ist. Als er in das Endstadium seiner Krankheitsphase eintrat, veranstaltete er kurzerhand eine vorgezogene Trauerfeier mit Freunden. Er wollte gemeinsam mit andern über seinen Tod trauern, aber auch noch mal die Gemeinschaft mit andern genießen. Morrie war kein Christ, empfahl aber, dass jeder ‚seinen spirituellen Frieden’ finden soll.
In seinem Buch schreibt er auch, dass jeder einen Unsterblichkeitswahn habe. Und dass man alles tue, um diese Unsterblichkeitsphantasie zu pflegen.
„Ich vermute, wir versuchen uns auf diese Art einzureden, dass wir unsterblich sind. Wir haben den Gedanken, dass wir sterblich, dass wir verletzlich sind, ja, dass wir jeden Moment niedergestreckt werden können, noch nicht ganz akzeptiert“ (S.26).
Diese Woche bekam ich Post mit Werbung für eine Wunderdroge, einer Pflanze aus den Anden. Zitate: „Vervielfachung von Energie und Ausdauer durch eine Power-Wurzel aus den Anden“ – „Beim möglicherweise größten Anti-Aging-Durchbruch der Welt können Sie dabei sein“ – „Wissenschaftler entdecken das erstaunliche Molekül der ‚Unsterblichkeit’ in einem Glas Rotwein!’
Sicher werden sich viele das Ding bestellen, weil die Angst vor der Endlichkeit und Vergänglichkeit die stärkste Motivation ist..
Aber wichtig ist, dass wir frühzeitig im Leben dem Vergehen ins Auge schauen – und nicht dauernd über die vergehende Gesundheit jammern, sondern darin erkennen, dass die Zeit abläuft – und bald eine andere Zeit, die Zeit bei Gott, anbricht.
Paulus schreibt aus Ephesus in Kleinasien an die griechische Gemeinde zu Korinth. Dort in Ephesus hat Paulus gerade einen Prozess hinter sich. Das Todesurteil drohte. Wider Erwarten war er aber freigesprochen worden.
Zudem lag ein schmerzhafter Konflikt mit der korinthischen Gemeinde hinter ihm. Wir wissen nicht genau, worum es ging. Nun aber kann er sich über die Versöhnung mit der Gemeinde freuen und zugleich auch Gott danken für die Rettung aus der lebensbedrohlichen Situation.
In seinem Brief setzt sich Paulus auch mit seiner Tätigkeit als Apostel auseinander. Immer wieder war er Angriffen von anderen Missionaren ausgesetzt. Sie wollten ihm seine Autorität streitig machen. Paulus geht es nicht darum, seine Person in ein gutes Licht zu stellen. Er will Jesus, seinen Herrn und Retter, in ein gutes Licht stellen. „Wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, dass er der Herr ist.“ Für diese Botschaft hat er viele Mühen auf sich genommen..
Trotz seiner persönlichen Leiden schaut er frohgestimmt auf die kommende Herrlichkeit.
Luthertext: V.16: Darum werden wir nicht müde, sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.
Im Philipperbrief schreibt er sogar: „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn!“ (Phil. 1, 21). Je stärker Paulus leidet, umso stärker konzentriert er sich auf das Ziel, die ewige Herrlichkeit.
Ich habe einen Artikel in der letzten Ausgabe von ‚Aufatmen’ gelesen (2/2006), überschrieben: ‚Als Sieger sterben!’ Hier beschreibt einer, der selber gerne Laufsport machte, wie sein Schwiegervater auf seiner letzten Weg- und Leidensstrecke wie ein Sieger beim Zieleinlauf auf sein Ende zu gelebt hat – in Erwartung der Siegesfeier und der Überreichung der ‚Krone des Lebens’.
…
Ich habe nicht wenige Bilder von Sterbenden vor mir, die äußerlich verfallen – aber doch innerlich sehnsüchtig wartend und hoffend – auf ihr Ende zugelebt haben.
Manche Patienten sagen sogar – nach einer schweren Krankheit: ‚Diese Krankheitszeit möchte ich nicht missen. Es war eine Zeit der Reife. Mein Glaube ist gewachsen.’
Etty Hillesum, holländische Jüdin, mit 30 Jahren im KZ umgekommen, schrieb in ihr Tagebuch: „Der westliche Mensch empfindet das Leiden nicht als etwas zum Leben Gehöriges. Und deshalb kann er nie positive Kräfte aus dem Leiden schöpfen.“
Man kann in der Tat am Leiden wachsen. Der äußere Mensch verfällt, der innere Mensch wird erneuert. Eine ‚herrliche Vergänglichkeit’.
Ein dritter Gedanke:
3. Einübung in anbetende Haltung.
C.S. Lewis sagte einmal:
‚Ein Liebhaber preist seine Geliebte, ein Leser seinen Lieblingsschriftsteller, ein Wanderer die schöne Landschaft. Ich glaube, dass wir das, was uns wirklich begeistert, so gerne loben, weil dieses Lob unsre Freude nicht nur ausdrückt, sondern förmlich vollendet.’
Wenn wir Gott lieben und loben in anbetender Haltung, dann ist das erstens angemessen für uns als kleine Geschöpfe dem großen Schöpfer gegenüber, und zweitens tut es uns auch an Leib und Seele gut.
Wir sollen uns als Geschöpfe immer wieder neu auf den Schöpfer ausrichten, ihn sehen, erkennen, loben und anbeten.
Wir sollen uns einüben in die Anbetung, - damit wir das Jubeln nicht verlernen und unser Glaube auch in Krisenzeiten fest bleibt. In der Anbetung bewahrheitet sich auch der Satz: Was wir anschauen, gewinnt Macht über uns!
(Info über das Anbetungs-Seminar im September mit Ehepaar Frey… )
Ich möchte, dass wir uns Freuen und Jubeln über so einen großen Gott, den wir haben.
Er hat uns das Leben gegeben, er erhält es, er hält uns fest in schweren Zeiten, - ihn dürfen wir ansehen - staunend, lobend, anbetend.
Ich wünsche uns, dass uns der Jubel und die Anbetung nicht verloren gehen.