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Predigttext

Ihr seid ein heiliges Volk!
03-07-05 10:19
Alter: 5 yrs


VON: S.FLÖTHER-MICHAELSEN



5.Mose 7,6-12


Stichworte: heilig, Gott gehören,

 

Text: 5. Mose 7, 6-12

6 Denn ihr seid ein heiliges Volk – ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott. Ungter allen Völkern der Welt hat er euch als sein Volk ausgewählt. 7 Das hat er nicht etwa getan, weil ihr zahlreicher wärt als die anderen Völker. Denn ihr seid ja das kleinste von allen Völkern. 8 Nein, aus Liebe hat er sich euch zugewandt und weil er das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hat. Darum hat er euch mit großer Macht aus der Sklaverei in Ägypten herausgeholt, er hat euch aus der Gewalt des Pharaos, des Königs von Ägypten, befreit. 9 So erkennt doch: Der Herr, euer Gott, ist der wahre und treue Gott! Über Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte, die ihn lieben und sich an seine Gebote halten. 10 Die ihn aber hassen, bestraft er sofort mit dem Tod. Er wartet nicht, sondern gibt ihnen gleich, was sie verdienen. 11 Darum lebt nach den Weisungen, Ordnungen und Geboten, die ich euch heute gebe! 12 Wenn ihr sie befolgt, wird der Herr sich an seinen Bund mit euch halten. Ihr werdet weiter seine Güte erfahren, wie er es euren Vorfahren zugesagt hat.

 

 

Vor kurzem fuhr ich übers Wochenende in ein norddeutsches Städtchen. Ich war bewaffnet mit meinem Laptop und einer Bibel und hatte vor, dort am See die heutige Predigt vorzubereiten. Zunächst einmal aber ging ich in ein Cafe.

Aber leider: Eine Gruppe Urlauber brach laut in die liebliche Cafehausidylle ein. Sie waren wirklich eine Herausforderung!

Ihr rücksichtsloses Verhalten, ihre Kleidung wie auch die Art zu essen wirkten gar nicht angenehm. Eine Frau rannte ständig zur Toilette, wobei sie gegen Stühle sowie andere Gäste stieß. Es war geradezu mitleiderregend!

 

Kurz darauf aber betraten zwei angenehme, freundliche Menschen das Cafe. Die Beiden hatten eine erstaunliche Ausstrahlung von Frieden und Harmonie.

Allein schon durch ihre Anwesenheit bildeten sie einen großen und auch heilsamen Kontrast zu den übrigen Gästen! Ich wurde richtig froh und ich dachte: das müssten doch Christen sein. Unwillkürlich kam mir der erste Satz unseres Textes in den Sinn: „Ihr seid ein heiliges Volk.“

Übrigens sah ich die Beiden am Sonntag im Gottesdienst in der Zwischenahner Kirche. Das hat mich nicht überrascht.

 

Szenenwechsel!

Abends im Hotel. Den Laptop hatte ich noch nicht eingeschaltet, dafür aber das Fernsehgerät. Ich war nicht wenig erstaunt, als Folgendes auf dem Bildschirm erschien: Junge und alte Menschen sangen vereint in trauter Runde: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren.

Der Film handelte von einem Mann auf dem Tiefpunkt seines Lebens, abhängig von der Freiheit, alles zu tun, worauf er gerade Lust verspürte. Dieser Mann trifft auf eine fromme Brüdergemeinde und durch diese Begegnung findet er die Liebe seines Lebens und zum Glauben

 

Wie zuvor im Cafehaus war ich auch jetzt überrascht über den heilsamen Kontrast, den Christen zu ihrem gesellschaftlichen Umfeld bilden können.

In diesem Film waren es die Ruhe und Frieden ausstrahlenden Christen der Brüdergemeinde einerseits und der friedlose und gehetzte Vertreter unserer modernen Spaßgesellschaft andererseits.

 

Und wieder denke ich diesen Satz: Ihr seid ein heiliges Volk..

Und ich spüre, diese Worte gehen mich an - gehen uns an. Durch all die Jahrtausende der Geschichte Gottes mit der Welt und dem Volk Israel sprechen sie in unsere jetzige Zeit hinein. Diese Worte gelten auch uns, den modernen Christen im Jahr 2005.

 

Drei Punkte sind mir besonders wichtig geworden:

 

 

1. Gott sehnt sich nach unserem 100%igen Ja

 

Haben Sie sich schon einmal die folgenden Fragen gestellt: Können andere Menschen spürbar an Ihrer Ausstrahlung, Ihren Worten, auf den Gedanken kommen, dass Sie Christ sind?

 

Sind Christen als heiliges Volk Gottes in unserer heutigen Welt deutlich genug erkennbar?

Bilden sie eine ernst zu nehmende Kraft in unserer Gesellschaft? Auch gegenüber anderen Religionen?

 

Diese Fragen stellen sich mittlerweile viele. Doch wohl deshalb, weil es offensichtlich so nicht ist.

Ich möchte an dieser Stelle den Journalisten Peter Scholl-Latour zitieren:

Er sagt: „Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“

Das ist eine Äußerung über die es sich lohnt, nachzudenken.

 

Der Satz „Ihr seid ein heiliges Volk“ hat einen zweiten Teil. Heilig ist kein Moralbegriff im Sinne von „moralisch besonders gut“. Heilig sein bedeutet dem ursprünglichen Wortsinn nach zu Gott zu gehören. Und daher lautet der 2. Teil dieses Satzes folgerichtig: „Ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott.“

Das ist eine unmissverständliche Aussage. Das ist radikal. Das geht uns schwer über die Lippen. Ich stelle mir vor, dass auch die Israeliten bei diesen Worten Moses zusammengezuckt sind.

 

Obwohl Gott vor ihren Augen große Wunder für sie vollbracht hatte, beteten die Israeliten immer wieder fremde Götter an. Ihr Tanz um das goldene Kalb ist geradezu sprichwörtlich geworden. Wie viel Kummer und Not hatten sie sich dadurch eingehandelt! Als Folge ihres gottlosen Handelns mussten sie 40 Jahre in der Wüste umherziehen. Den frühen Einzug ins verheißene Land hatten sie verspielt, weil sie sich immer wieder von Gott trennten.

„Ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott.“ Keine leichte Sache, gewiss nicht - weder gestern noch heute.

 

Mir fällt da eine Zeile aus einem Lied von Marlene Dietrich ein: Die geht etwa so: „Kann denn so etwas Schönes – damit meint sie sich selbst - nur einem alleine gehören? Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre. Ich glaube, ich gehöre nur mir ganz allein.“

 

Das ist ein Lied, das so recht in unsere Zeit zu passt. Eine Zeit, in der die Menschen vor allem um sich selbst, um ihr goldenes Ego kreisen, wie die Israeliten einst um das goldene Kalb.

Keine Mühe scheint den modernen Menschen zu groß, um ihr Ego zu steigern.

 

In der Rubrik „in/out“ der „Süddeutschen Zeitung“ war vor einiger Zeit zu lesen:

„in“ sind Erfolg, Karriere und Schönheit, „out“ sind Glaube, Hoffnung und Liebe.

Selbstverwirklichung ist eine durchaus wichtige Sache für jeden Menschen. Wird sie jedoch ohne Gott, ohne Glaube, Hoffnung und Liebe, zum allein selig machenden Sinn und Ziel menschlichen Lebens, dann wird die Selbstverwirklichung zum modernen Götzen.

 

„Ihr gehört ganz dem Herrn, eurem Gott.“ Diese Worte hören sich in unseren modernen Ohren an wie das einsame Rufen aus der Wüste. –seltsam fremd.

Wirken Christen vielleicht in unserer Gesellschaft so kraft- und saftlos, weil es so schwer fällt, ein 100iges Ja zu Gott zu sagen?

 

Wer nur mit einem Teil seines Herzens Christ ist, gerade soviel, wie es eben leicht fällt und Spaß macht, der gleicht einem Baum, der zwar ganz nett anzusehen ist, dessen Wurzeln aber schwach sind. Ihm fehlt die Kraft und Energie, die aus den Wurzeln kommt. Jeder kleine Windstoß bringt diesen schwachen Baum bedenklich ins Schwanken. Einem großen Sturm ist er ganz sicher nicht gewachsen.

 

Sie kennen vielleicht Helmuth Graf von Moltke, der wegen seines christlichen Glaubens von den Nazis hingerichtet wurde. In dem Prozess fragte der Ankläger Freisler den Angeklagten Moltke: Von wem nehmen Sie Ihre Befehle? Vom Jenseits oder von Adolf Hitler? Dann der ungeheuerliche Satz Freislers: „Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: wir verlangen den ganzen Menschen.“

 

Beachten Sie, die Nazis, die Feinde Gottes, hatten diesen ganz wichtigen Kern des christlichen Glaubens genau erkannt.

 

Ja – Gott möchte den ganzen Menschen! Nicht, weil er ein egoistischer Gott wäre, sondern weil er uns liebt und vor dem Verderben schützen möchte.

Menschen, die hin- und her gerissen sind zwischen ihrer Liebe zu Gott und zu weltlichen Dingen werden nicht wirklich froh.

 

Und damit komme ich zum zweiten Punkt.

 

2. Gott erwählt uns, weil er uns sehnsüchtig liebt

 

Gott erwählt seine Menschen. Aber jeder hat die Wahl Ja oder Nein zu sagen. Gott zwingt nicht.

Gott, der Schöpfer des Universums und aller Menschen weiß, dass seine Geschöpfe ohne ihn verloren sind. Daran lässt er keinen Zweifel.

Weil Gott möchte, dass alle gerettet werden, bittet er, damals wie heute - und es hört sich an wie ein Flehen: So erkennt doch: Der Herr, euer Gott, ist der wahre und treue Gott.

 

Mich hat sehr beeindruckt, mit welcher unvorstellbaren Geduld Gott treu an der Seite seines Volkes blieb, auch, als er mit ansehen musste, wie sie immer wieder anderen Göttern nachliefen. Die Folgen ihrer dunklen Taten mussten sie tragen. Mit Gott ist nicht zu spaßen. Aber er vergab ihnen jedes Mal aufs Neue und hielt treu sein Versprechen, das er einmal gegeben hatte. An anderer Stelle dieser letzten Rede Moses dort am Jordan vor dem Einzug in das gelobte Land heißt es: “Bis hierher hat er euch getragen wie ein Vater sein Kind.“

 

Mir kommt es vor, als wenn unser Gott gerade heute beschwörend und verzweifelt um die Liebe und Anerkennung von uns Menschen ringt. Gottes Liebe zu uns ist so groß und stark, dass sie immer wieder unsere Ablehnung erträgt.

Wirklich glücklich kann ein Liebesbund aber nur dann werden, wenn er auf Gegenseitigkeit beruht.

Wenn der oder die Geliebte ebenfalls aus ganzem Herzen „Ja, ich will“, antwortet.

 

König David hat das getan:

In Psalm 16 hören wir ihn sagen: Du bist mein Herr, mein ganzes Glück! Darum freue ich mich über alle, die nach deinem Willen leben. Auf sie kommt es im Land entscheidend an! Wer sich aber von dem lebendigen Gott abwendet und anderen Göttern nachläuft, der kommt aus dem Kummer nicht mehr heraus.

 

Das wünscht sich Gott, dass wir erkennen, dass unser wahres Lebensglück nur mit ihm zu finden ist.

 

Damit bin ich schon beim dritten und letzten Punkt.

 

3. Gott schenkt Glück im Übermaß

 

In unserem Predigttext heißt es weiter: „Über Tausende von Generationen steht er zu seinem Bund und erweist allen seine Güte, die ihn lieben und sich an seine Gebote halten.“

 

Im Text werden Gott lieben und seine Gebote halten in einem Atemzug genannt.

Gott lieben und seine Gebote halten gehört zusammen. Das eine kann nicht ohne das andere funktionieren. Aber die Liebe steht immer an erster Stelle.

Im Johannesevangelium hören wir Jesus sagen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote befolgen.“

Liebe ich Gott von ganzem Herzen, dann werde ich versuchen, alles zu vermeiden, was mein Glück mit ihm trüben könnte. Treu sein ist dann eine Freude, keine gehorsame Pflichtübung mehr.

 

Auf die Frage eines Schriftgelehrten, was denn das wichtigste Gebot sei, antwortet Jesus so:

Liebe Gott, den Herrn, von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber das zweite: Liebe deinen Mitmenschen, so wie du dich selber liebst.

 

Und damit wird klar, dass die Menschen, die ihr „Ego“ als Idol verehren, gegen dieses wichtigste Gesetz Gottes verstoßen. Sie haben die Verbindung zu Gott, zu ihren Mitmenschen und sogar zu sich selbst verloren. Denn ihnen ist das wichtigste im Leben abhanden gekommen, die wirkliche Liebe. Was immer sie auch tun, um ihr vergöttertes Selbst zu steigern, sei es durch Karriere, Geld, Jugend- und Schönheitskult, Vergnügungen jeder Art: Es wird nie genug sein. Sie finden keine Ruhe.

 

Da diese Dinge ständig vom Verfall bedroht sind, führt das Jagen danach nicht zum Glück, sondern in Hetze und Unglück. Die negativen Folgen werden wir alle tragen müssen.

 

Glückliches Leben ist nur zu finden, wenn ich mein Wohl im Auge habe, und das meines Nächsten. Aber diese Balance zwischen dem eigenen Wohl und dem Gemeinwohl kann nur gelingen, wenn ich mich mit einem ungeteilten Herzen von Gott leiten lasse.

 

Gott liebt uns und er allein weiß genau, was für uns das Beste ist. Ein Leben ganz nahe bei Gott befreit von dem Zwang, ständig um sich selbst kreisen zu müssen. Es schenkt uns ungeahnte Freiheit, Unabhängigkeit von Menschen und Dingen, führt uns zu unserem wahren Selbst und damit zum Leben. Mit ihm können wir auch unter schwierigen Lebensbedingungen froh und gelassen bleiben.

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In Psalm 16 formuliert König David dies so:

„Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf.“

 

Wie schön wäre es, wenn man bei uns immer häufiger auf Christen träfe, die überzeugend und ansteckend auf ihre Mitmenschen wirken.

Das wünsche ich uns: Daß auch wir, wo immer wir uns gerade befinden, etwas von Gottes Liebe und Freude ausstrahlen mögen.

Ihr seid ein heiliges Volk.

Trauen wir dem Heiligen Geist doch viel mehr zu, räumen wir ihm mehr Platz in unseren Herzen ein. Damit wir in das Gebet des Psalmisten mit einstimmen können:

 

„Du bist mein Herr, mein ganzes Glück! Darum freue ich mich über alle, die nach deinem Willen leben. Denn auf sie kommt es im Lande entscheidend an!“

Amen.

 








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