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Predigttext

Das Licht, das zum Leben führt
26-12-04 10:00
Alter: 6 yrs


VON: TH.ENZNER



Johannes 8, 12-16


Stichworte: Licht, Leben, Richten, Urteil, Wahr

 

12 Ein anderes Mal sagte Jesus zu den Menschen:

„Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, irrt nicht mehr in der Dunkelheit umher, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt.“

13 Da unterbrachen ihn die Pharisäer: „Du bist doch wieder nur dein eigener Zeuge. Das beweist noch lange nicht, dass du die Wahrheit sagst.“

14 Jesus erwiderte ihnen: “Auch wenn ich hier als mein eigener Zeuge auftrete, sage ich die Wahrheit. Denn ich weiß, woher ich komme und wohin ich gehe; aber ihr wisst das alles nicht. 15 Ihr urteilt über mich nach dem äußeren Schein. Ich urteile über niemanden so. 16 Wenn ich aber über jemanden das Urteil spreche, dann ist mein Urteil gerecht. Denn ich richte nicht allein, sondern der Vater, der mich gesandt hat, spricht das Urteil.

………….

1. Was ist wahr und unwahr? /2. Jesus, der gerechte Richter /3. Dem Lebens-Licht nachfolgen

………..

(Madonna von Stalingrad, Bild von K.Reuber mit der Aufschrift: Licht – Leben – Liebe)

 

Liebe Gemeinde,

 

zum Weihnachtsfest haben sie vielleicht im Familienkreis gesellige Spiele gemacht. Das letzte Mal, wo ich beim Spielen Tränen gelacht habe, war ein Kennenlern-Spiel, das ‚Wahr – Unwahr’ heißt.

 

Jeder sollte sich zwei schöne, aufregende Geschichten aus seinem Leben ausdenken und den andern Teilnehmern erzählen. Die eine Geschichte ist wahr, die andere etwas verbogen, also unwahr, also gelogen. Als wir so nach und nach Spass am Erzählen bekamen, wurde immer spannender erzählt - besonders bei der Lügengeschichte - , z.B. aufregende Begegnungen mit berühmten Leuten, bei denen dann eben eine Sache falsch war - und damit war die Geschichte gelogen. In dem man die Geschichten auf die Wahrheit hin prüfte, konnte man ganz nebenbei die erzählende Person etwas näher kennenlernen.

 

Ich habe hier einige Stichworte, eine Art Text für unsere ‚Weihnachtsbildung‘. Welche Stichworte kommen in der Weihnachtsgeschichte vor, und welche nicht. Diesen kleinen Test habe ich vorige Woche mit den Konfirmanden gemacht....

...

 

Wahr oder unwahr – das ist im Streitfall immer wichtig. Wenn gegenteilige Behauptungen im Raum stehen, muss ein Richter überprüfen, was wahr oder unwahr ist. Wahr – unwahr, eine entscheidende Frage.

 

Wo es um Geldbeträge geht, kann man es noch verschmerzen, wenn es aber um den Anspruch geht, von Gott zu reden, im Auftrag Gottes zu handeln, ja sogar direkt von ihm geschickt zu sein, da sind keine Ermessensspielräume gefragt, da steht wirklich alles auf dem Spiel.

 

In meiner früheren Heimatstadt gab es einen Menschen, den kannten sehr viele Leute, der wurde auch öfter in der Zeitung vorgestellt, es war der sog. ‚UNO-General‘. Er hatte eine psychische Krankheit, fuhr immer mit seinem kleinen Motorrad herum und hatte immer eine Friedensbotschaft zu verkündigen, und er sammelte fleißig Unterschriften für seine Botschaft. Man hat ihn gewähren lassen und doch nahm ihn eigentlich keiner ernst, - jeder wusste, es ist nicht wirklich ein UNO General. In seinem Wahn hat man ihn spielen lassen, und alle waren zufrieden.

 

Wenn Jesus nun behauptetete: Ich bin das Licht für die Welt. Dann ist das ein großer Anspruch, da würde ich auch sofort fragen: ..für die Welt!? Wirklich?

 

Sicher, es ist akzeptabel, wenn einer von sich sagt: Ich bin ein Licht! Dann ist das möglichweise Eigenlob, aber ein Philosoph, eine anerkannte Persönlichkeit dürfte so etwas vielleicht sagen. Aber : das Licht für die Welt.?!, das ist absolut, ausschließlich, universal…

Und wenn dann noch der Nachsatz kommt, dass man dem Licht folgen soll, und dass dieses Licht aus der Dunkelheit rausführt, dann muss man ins Wort fallen wie die Pharisäer…

13: Moment Jesus, Du bist doch wieder nur dein eigener Zeuge. Das beweist noch lange nicht, dass du die Wahrheit sagst.

 

Im Judentum waren mindestens zwei Zeugen für die Beweisaufnahme nötig, und zwar zwei männliche Zeugen (Verse 17-19 !) Jesus denkt aber nicht juristisch.

 

Er ist in seinem Anspruch einzigartig, er selbst kann nur das behaupten.

V.14:.... Er allein als Zeuge ist in der Tat wenig, aber er redet dennoch Wahres, weil er weiß, woher er kommt und wohin der geht.

 

Das wissen natürlich die Umstehenden nicht, auch nicht die theologisch geschulten Pharisäer.

Biologisch wissen Sie und auch wir das Woher von unseren Eltern und Großeltern – und ein Stückweit auch das Wohin in den Nachkommen, .. aber das ist hier nicht gefragt. Wir überblicken nur unser kleines Zeitfenster, mit unseren drei Dimensionen. Jesus überblickt die ewige und unsere zeitliche Dimension.

 

Jesus darf hier als alleiniger Zeuge auftreten, weil er um den Gesamtzusammenhang weiß, den Weg von seinem ewigen Vater hier auf die Erde herunter, und dann der Weg wieder zurück zum himmlischen Vater – und hier auf dieser Erde und in dieser begrenzten Zeit werden ihm diese Fragen hier gestellt.

Wahr oder Unwahr – diese Frage kostet ihm noch sein Leben.

Wer Jesu Worte als unwahr beurteilte, der musste ihn als Gotteslästerer bezeichnen. Darauf stand damals die Todesstrafe.

 

Aber jetzt traute man sich noch nicht, ihn festzunehmen. In V.20 heißt es: Niemand nahm ihn fest, denn die Zeit dafür war noch nicht gekommen.

 

V. 15 u. 16: Wer am Ende der Zeit selber Richter ist, der braucht sein Zeugnis nicht noch zusätzlich absichern. Jesus braucht keine Jünger als Zeugen, er braucht keine Rechtsschutzversicherung, auch keinen Anwalt, weil er sich selber Schutz und Sicherheit gibt, und weil er unter dem Schutz seines himmlischen Vaters steht. Im Glaubensbekenntnis sagen wir: .. von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Der Retter Jesus ist auch der Richter am Zeitenende.

 

Und Jesus hat eine Bitte: dass wir seinem Licht nachfolgen!

Wir müssen gar nicht selber Licht sein, oder Licht geben – wir sollen nur dem Licht nachgehen.

Das scheint gar nicht so schwer zu sein… Wir gehen gern auf das Licht zu, der Weihnachtsbaum hier ist einladend, der weihnachtliche Glanz nimmt uns ein, unsere Augen glänzen dann, wir schauen gern ins Kerzenlicht und beobachten die Flamme..

 

Dennoch sind wir auch gern im Finstern, und zwar aus mindestens zwei Gründen, aus Bequemlichkeit oder Faulheit, und wenn wir etwas Schlechtes zu verstecken haben.

 

Bequemlichkeit:

Ich entsinne mich noch genau an einige finstere Erlebnisse, als ich zB einmal nachts aufgestanden bin, auf die Toilette wollte, und zu bequem oder zu faul war, das Licht anzumachen, und dann torkelnd und tastend so schnell wie möglich zur Toilette und zurück wollte... Aber: da war der Fuß des Bettgestells.

Einigemale machte mein Fuß, genauer gesagt, mein rechter kleiner Zeh eine böse Bekanntschaft mit dem Fuß des Bettes – das tat derart weh, dass es mir jetzt noch wehtut, wenn ich drandenke. Es ist gut, wenn man sich auch nachts an einem kleinen Licht orientiert.

 

Schuld:

Momentan zittern einige Politiker, dass ja nicht das öffentliche Licht auf ihre Gehaltsauszüge fällt.

Ist es nicht so, wenn bei einem andern exemplarisch deutlich wird, was nicht in Ordnung ist, und plötzlich fällt einem ein, – das hast du damals auch nicht angegeben, das ist dir glatt durchgerutscht, - dann hofft man, dass es schön unter der Decke bleibt.

Keiner will am Pranger stehen. Pranger, das ist das alte Wort für den Schandpfahl am Markplatz, an dem der Schuldige öffentlich angebunden und damit geächtet wurde. Der Dieb wurde an den Pranger gestellt, der Ehebrecher wurde an den Pranger gestellt.. . Das Wort ‚anprangern‘ ist noch in der Sprache geblieben. Es ist peinlich und schlimm, wenn öffentlich die Leute auf einen zeigen – und nichts mehr beschönigt werden kann. Manche ziehen es vor, rechtzeitig unterzutauchen oder sich sogar das Leben zu nehmen.

 

Wenn wir dem Licht Jesu folgen wollen, dann wird natürlich das Böse und Schlimme auch deutlich. Da, wo Licht ist, wird auch der Schatten sichtbar.

Licht bewirkt eine Unterscheidung.

 

Zunächst sind wir lichtempfindlich oder lichtscheu. Weil irgendetwas in uns darum kämpft, ja im Dunkeln zu bleiben.

Wir hörten vorhin: Das Licht kam in die Finsternis, aber die Finsternis hat‘s nicht ergriffen. Wo Finsternis herrscht, kann Lüge und Unwahrheit ein gemütliches Leben führen, und damit auch alle Mächte, die an der Verlogenheit interessiert sind.

Das ist völlig logisch – und es gibt z.B. viele tragische Fälle, dass jemand aus der Finsternis der Kriminalität und des Drogenmilieus heraus will, aber dann – wenn er aussteigt ins Licht der Wahrheit – von dem Menschen und Mächten aus der früheren finsteren Welt umgebracht wird.

 

Wenn wir in den göttlichen Lichtkegel treten wollen, regen sich merkwürdige Mächte in uns, die uns einflüstern:

-musst du dich wirklich offenbaren?

-ist das nicht etwas zu sentimental oder skrupulös..?

-wenn du dich offenbarst, glaubt dir ja keiner mehr..

-du musst doch deine vergangene Schuld nicht jetzt bekennen, du kannst es ja in Zukunft besser machen.. Viele solche Argumente melden sich zu Wort..

 

Aber die andere Erfahrung werden wir auch machen: einmal ins Licht gebracht, verlieren die dunklen Gedanken und Mächte ihre Macht. Die alte Macht zerplatzt wie eine Seifenblase.

 

Darum ist es eine alte seelsorgerliche Weisheit:

Die Wahrheit muss ans Licht – d.h. die Schuld, sofern sie chronisch plagt und stört und permanent hindert.. – dieses Fehlverhalten muss ans Licht, d.h. im göttlichen Licht als böse bekannt werden.

Das kann man alleine für sich tun, das kann vor einem Zeugen, der verschwiegen ist, geschehen.. Das Licht der Wahrheit wird uns frei machen.

Alles dunkle Gemauschele bringt uns nicht weiter..

 

Natürlich kann das Licht nicht die Umgebung ändern – sie kann aber unser Herz ändern. Auch wenn um uns herum die Hölle tobt, können wir im Licht leben.

 

Ich habe hier ein Bild aus Stalingrad. Finsterer und schlimmer konnte der Krieg fast nicht sein, als im Kessel von Stalingrad, wo Hunderttausende sich gegenseitig niedermetzelten. Die Hölle von Stalingrad, sagten die Menschen hinterher.

 

600 000 Menschen vegetierten Weihnachten 1942 in diesem Kessel von Stalingrad. Der Machtmensch Hitler hatte sich dem Größenwahn ausgeliefert und so forderte die Finsternis ihren bitteren Blutzoll.

 

Und doch wurde da auch Weihnachten gefeiert, wenn auch erbärmlich schlicht.

In dieser finsteren Hölle war hier und da ein weihnachtliches Wunder geschehen. Eins davon ist dieses Bild, das viele getröstet hat. Heute nennt man es: die Madonna von Stalingrad.

Dr. Kurt Reuber, der Maler des Bildes war Theologe und Arzt. Er war Oberarzt in einem Lazarett in Stalingrad. Angesichts von Tod und Leiden hat er die Botschaft vom Kind in der Krippe neu entdeckt. Mit diesem Bild wollte er kranken und verwundeten Kameraden Freude und Hoffnung schenken.

 

In seinen Aufzeichnungen schrieb er dazu:

„Als ich die Lattentür zu unserem Bunker öffnete und Kameraden eintraten, standen sie wie gebannt, andächtig und ergriffen schweigend vor dem Bild an der Lehmwand, unter dem ein Holzscheit brannte, und gedankenversunken lasen sie die Worte: Licht, Leben, Liebe....Das Bild ist so: Kind und Mutterkopf zueinander geneigt, von einem großen Tuch umschlossen, Geborgenheit und Umschließung von Mutter und Kind. Mir kamen die Worte: Licht, Leben, Liebe. Was soll ich dazu noch sagen? Wenn man unsere Lage bedenkt, in der Dunkelheit, Tod und Hass umgehen und unsere Sehnsucht nach Licht, Leben und Liebe in jedem von uns so unendlich groß ist.!“

Mit der letzten Maschine nahm ein schwerkranker Kommandeur die Madonna mit anderen Zeichnungen Reubers mit nach Deutschland. Kurt Reuber starb 1944 in russischer Gefangenschaft.

 

Mitten in der Hölle Weihnachten, das Licht der Welt!

Und es wurde nicht ausgelöscht - bis auf den heutigen Tag.

Darum: Ehre sei Gott in der Höhe!

........

EG 40, Vers 5: Drum, Jesu, schöne Weihnachtssonne...

 








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