Lukas 2,8-14; Christnacht
Stichworte: Himmel, Herrlichkeit, Ehre Gottes
Text: Lukas 2, 8-14
(8) In der Gegend dort hielten sich Hirten auf. Sie waren in der Nacht auf dem Feld und bewachten ihre Herde. (9) Da kam ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr; (10) aber der Engel sagte: ‚Habt keine Angst! Ich bringe euch eine gute Nachricht, über die sich ganz Israel freuen wird. (11) Heute wurde in der Stadt Davids euer Retter geboren – Christus, der Herr!
(12) Geht und seht selbst: Er liegt in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe – daran könnt ihr ihn erkennen!‘
(13) Plötzlich stand neben dem Engel eine große Schar anderer Engel, die priesen Gott und riefen: (14) ‚Alle Ehre gehört Gott im Himmel! Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, weil er sie liebt!‘
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Fasziniert vom Glanz des Himmels:
Schaut auf das Licht! Sucht die Zeichen! Gebt Gott die Ehre!
Liebe Gemeinde,
manchmal ist man fasziniert von der Schönheit einer Kirche.
Wenn Menschen in unsere Kirche kommen, dann sind sie vielleicht fasziniert von der Gemeinschaftlichkeit, von den Menschen, von der persönlichen Atmosphäre, vielleicht noch von den Fenstern und der Helligkeit, aber nicht unbedingt von der Schönheit der Kirche.
Unser Kirchenbau ist ziemlich nüchtern – verglichen mit anderen kunstvoll ausgestalteten Kirchen des Mittelalters.
Ich habe vor kurzem eine Postkartenserie bekommen mit dem Titel:
Gewölbe des Himmels. Darin sind sehr schöne Deckenkonstruktionen von versch. Kirchen abgebildet.
Als ich nacheinander diese Karten anschaute, war ich fasziniert.
Zwei Bilder habe ich auf unser Blatt kopiert, sie verloren etwas ihren Glanz, dennoch sind sie immer noch faszinierend.
Erinnern Sie sich an solche Kirchen?
Sicher standen Sie mal in einer alten schönen Kirche, und sie gingen in der Mitte, man schaut nach hinten, wo meist die Orgel zu sehen ist, - und dann schaut man hoch in das Gewölbe – und staunt nicht selten.
Im Sommerurlaub erlebte ich diesen Blick in einer Kirche in Bad Doberan an der Ostküste und ich habe diese Decke fotografiert, kunstvoll geschwungene Bögen, die mit einer Leichtigkeit den Raum überspannten. Die Decke gefiel mir, nur der Nacken wollte nicht so lange überstreckt bleiben.
Hier sehen wir ein Gewölbe der Kathedrale von York in England, einfach schön:
Wie kunstvoll, wie harmonisch und symmetrisch, die Fenster ausgestaltet mit Bildern, die in der Sonne zu leuchten beginnen. Alle Linien oben zulaufend.
Und oben Verzierungen, die sozusagen das Geheimnis des Himmels in Symbolen fassen wollen.
Das ist nicht nur ein Wunder der Statik, ein Wunderwerk des Künstlers – das ist ein Gewölbe des Himmels.
Das ist ein Gewölbe mit Botschaft – Gewölbe des Himmels.
Man müsste für die Kirchenbesucher Schaumstoffmatten auslegen, damit man diese wunderbare Predigt der Himmelsgewölbe liegend auf sich wirken lassen kann.
Wir hier bei uns? Schauen wir nach oben: wir haben einfach nur braune Bretter, eines wie das andere, gleichförmig, etwas einfallslos, - es ist eben eine Deckenabhängung, dass es nicht reinregnet. Unsere Decke ist keine Predigt.
Unser zweites Bild auf dem Blatt ist das Gewölbe aus der Westminster-Kirche:
Wie üppig und kunstvoll das Gewölbe ist.
Von oben herunter hängen steinerne Girlanden, scheinbar wie Weintrauben, völlig verspielt, die Fülle und Pracht und Herrlichkeit symbolisierend.
Diese Decken predigen vom Himmel – und sagen:
Oben im Himmel ist die Fülle und der Reichtum des Lebens!
Der Himmel ist wunderbar, strahlender Glanz des Lichtes.
Der Himmel ist voller Harmonie,
In der Mitte des Himmels läuft alles zusammen, bei Gott, dem Einen und Einzigen.
Von diesem Himmel konnte man nur träumen und schwärmen.
Und wenn man ihn bestaunte, dann zog es einen förmlich nach oben.
Wenn die Leute so ein Gewölbe sahen, dann wollten sie auch dahin kommen.
Sie sagten: Ich will in den Himmel kommen!
Dahin, wo alles gut endet. Dahin, wo Leid aufhört! Dahin, wo Gott ganz nah ist.
Dahin, wo die ganze Weltarchitektur zusammenläuft.
Dahin, wo die Fülle des Lebens ist.
Heute bewundern wir den Künstler, schauen in den DuMont und lesen die Daten der Künstler – aber das Wesentliche wird oft nicht mehr wahrgenommen:
Die Predigt vom Himmel.
Man fängt zwar wieder an: die Dächer nach oben hin durchsichtig zu machen, zB die Kuppel des Reichstages, die sogar begehbar ist.
Aber die Menschen schauen eher runter zu den Abgeordneten und in den schwierigen Sumpf der Politik, als dass sie staunen über den Himmel.
Über den Hirten auf den Feldern tat sich auf einmal der Himmel auf.
Und es heißt in V.9:
Da kam ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie.
(... und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie.../ Gottes Licht umstrahlte sie../ der Glanz des Herrn umstrahlte sie..)
An dieser Stelle lässt sich das Geschehen schwer fassen:
Jedenfalls war es eine geballte Ladung Klarheit, Schönheit, Herrlichkeit, Gottesglanz, Licht.
Die Hirten waren ganz eingenommen von diesem Phänomen, ganz benommen.
Moment, was war das?
Sternschnuppe? Komet? Wetterleuchten? Einbildung? Dreht jemand durch?
Höre ich noch richtig? Träume ich? Noch ganz korrekt da oben?
Und sie fürchteten sich sehr!
Genauso würden wir auch reagieren. Ein Engel schockt natürlich.
Und die Menge der himmlischen Heerscharen schockt doppelt.
Die Hirten reagieren also völlig normal.
Immer wenn sich der Himmel auftut, und Gott aus seiner Welt redet, durch Boten redet, dann braucht der Mensch einen Dolmetscher, weil er sonst nur geschockt bleibt.
-Bei Jesu Verklärung auf dem Berg muss Jesus kommentieren.
-Bei Jesu Taufe muss das Zeichen vom Himmel kommentiert werden: Dies ist mein lieber Sohn!
-Bei Jesu Auferstehung ist ein Bote zur Stelle und kommentiert.
-Bei Jesu Himmelfahrt sind Engel zur Stelle und kommentieren.
Der Glanz des Himmels ist fremd und gewaltig:
Jetzt könnten die Hirten weglaufen, die Augen verschließen, das Weite suchen.
Die Hirten laufen nicht weg, weil es unheimlich wird.
Die Hirten schauen auf diesen Glanz, auf das Licht – und lassen sich was sagen, und diesen Glanz durch den Boten erklären.
Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst! – beruhigt der Engel.
Und er sagt die gute Botschaft: der Retter ist geboren, für alle Menschen!
Hirten wissen, was Retten ist:
Ein Schäfchen retten vor Durst, vor Hunger, vor dem Fels, vor dem Wolf.
Sie selbst wussten nur zu gut, dass sie von Gott immer wieder bewahrt und gerettet werden mussten.
-Raus aus ihrer Dunkelheit.
-Raus aus dem schlechten Gewissen.
-Raus aus ihrem Schattendasein, das oft nichts galt.
‚Ich bin ja nur ein Hirte‘ – so dachten sie vielleicht.
Euch ist der Retter geboren! – das wird den ganz gewöhnlichen Hirten gesagt,-
zuerst gesagt. Sie werden offenbar als Erste informiert.
Sie sind bei dem Geschehen jetzt live dabei, nicht hinterher durch Aufzeichnung oder mittelbare Erzählung Dritter.
Die Hirten sind die ersten, die die Menschwerdung Gottes bestaunen dürfen.
Angestoßen durch den Glanz Gottes und der Engel.
Der Engel lässt sie nun nicht in der fast unwirklichen Zuschauerhaltung.
Er sagt: Geht und sucht ihn! Seht selbst! Überzeugt euch. Achtet auf die Zeichen: Windeln und Futtertrog!
Jetzt sind sie wieder auf dem sog. ‚Boden der Wirklichkeit‘.
Der Glanz ist weg. Die Benommenheit noch da.
Sie sollen ihr Himmelserlebnis nicht privat genießen, sondern überprüfen.
„Zu schön, um wahr zu sein!“ – sagen manche Leute immer wieder.
Hat denn die Herrlichkeit Gottes wirklich Hand und Fuß?
Ist so ein Himmelsgewölbe nur der Ausdruck eines phantasiereichen Architekten.
Ist das wahr, was so schön erlebt oder angesehen wird?
Man muss gehen, sich in Bewegung setzen, und sich selber überzeugen.
Darum gilt auch für uns: Sucht die Zeichen!
Alle göttlichen Verheißungen klingen schön.
Und in uns steigt der Vorbehalt hoch: Zu schön!
Zu schön, um wahr zu sein!
Du musst suchen! Was sind die Zeichen?
Damals: Futtertrog und Windeln.
D.h. Einfachheit, ungewöhnliche Ärmlichkeit – nicht mal ein gebrauchter Kinderwagen.
Sollen die Neugeborenen doch heute in einen Trog gelegt werden, dann spüren wir die Ärmlichkeit.
Wo sind heute die Zeichen, an denen wir die Wahrheit erkennen können?
-Dass wir in der Bibel nachforschen, wie das ist mit dem versprochenen Messias.
-Dass wir die Weltgeschichte beobachten, in denen Gott Geschichte macht – zB durch und mit seinem auserwählten Volk in Israel.
-Dass wir dem helfen, der in Not ist, wie es Jesus in einem Gleichnis erzählte. Den Hungrigen speisen, den Nackten bekleiden.. ‚Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan! (Mt.25,40)
-Dass wir zu Gott beten, ihn darum bitten, dass er sich zu erkennen gibt – vielleicht in einem persönlichen Hinweis und Zeichen.
Auf keinen Fall wird sich aber Gott zu erkennen geben – wo menschlicher Glanz, menschliches Imponiergehabe, Ehre und Stolz mit im Spiel sindt.
Jesus kam ja nicht in Jerusalem am Königshof, sondern im Dorf Bethlehem zur Welt. Nicht im Mittelpunkt der Weltaufmerksamkeit.
Es wird keinem erspart bleiben, die Zeichen zu suchen, die die Ankündigung des Retters für ihn selber beglaubigen.
Ich selber suchte den lebendigen Gott – und er gab mir persönlich untrügliche Zeichen, daran sich mein Vertrauen festmachen konnte.
Durch Suchen und Finden wird das Zuschauer-Erlebnis zu einem wahren, eigenen Erlebnis.
Der dritte Punkt: Gebt Gott die Ehre!
Wenn es denn so ist, dass wir den himmlischen Glanz spüren, suchen und persönlich zur Gewissheit kommen – dann bleibt nur übrig, dass wir Gott loben!
Die Hirten hätten nach ihrem Krippenerlebnis sagen können:
o.k. alles in Ordnung; ja dann gibt es eben einen Retter. Gut für uns!
Sie hätten es abhaken können, nüchtern, wissenschaftlich: O.k. Beweis geglückt.
Sind wir wieder ein bißchen schlauer geworden.
Nein, in Vers 20 heißt es: Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
Ihre Freude mussten sie sich von der Seele singen.
Der Klang der Engelworte lag noch in den Ohren, sie nehmen das auf, und loben, so gut sie können.
‚Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden (v.14)
Übersetzung: Alle Ehre gehört Gott im Himmel.
Sein Frieden kommt auf die Erde zu den Menschen, weil er sie liebt!(Blatt)
Dieser Engelgesang wurde in unsere Liturgie eingebaut, das sog. ‚Gloria‘.
‚Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.
Man hat da richtig entschieden, und gesagt:
Wenn wir Gottesdienst feiern, dann soll immer so ein himmlisches Lob mit dabei sein.
Gott gebührt die Ehre.Gott gebührt das Lob.
Loben zieht nach oben.
Liebe Gemeinde, riskieren wir doch etwas von der Überschwänglichkeit des himmlischen Lobes und stimmen ein in dieses schöne Lob:
Ehre sei Gott in der Höhe..