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Predigttext

Mir geht ein Licht auf..!
24-12-02 17:00
Alter: 8 yrs


VON: TH.ENZNER



Lukas 2, 9-11; Johannes 8,12; Christvesper


Stichworte: Licht, Gottesfrage

 

Lukas 2, 9 – 11

Der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht!

Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

 

Johannes 8,12

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln bleiben, sondern wird das Licht des Lebens haben.

 

Liebe Gemeinde,

 

es ist faszinierend, mit Lichtern umzugehen!

-z.B. am Adventskranz die brennenden Kerzen beobachten, wie das Wachs flüssig wird und manchmal herunterfließt.

-oder die Tannennadeln aus den Zweigen in die Kerzenflamme zu halten und zuschauen, was passiert

-die Wunderkerzen zu entzünden und mit staunenden Augen das kleine Feuerwerk zu beobachten

-die vielen Lichterketten beim Abendspaziergang in den Vorgärten zu sehen

 

Weihnachten hat mit Lichtern zu tun.

In der dunklen Jahreszeit sind Lichter willkommen und ziehen uns in den Bann.

 

Aber ist uns in den letzten Tagen tatsächlich ein Licht aufgegangen?

Oder ist das alles nur schillerndes Drumherum gewesen?

Wir kennen das ja auch:

Man kann Weihnachtsfeiern ohne Ende feiern, und doch muss man nicht hell geworden sein?

Man kann dutzende Male ‚O du fröhliche‘ singen, und doch bleibt alles traurig.

Wie geht uns ein Licht auf, sodass wir sagen können: „Weihnachten hat sich gelohnt?“

 

Die Hirten waren nachts draußen auf dem Feld.

Es war ihr Job, die Schafe zu bewachen.

Einer oder zwei wachten am Feuer, die andern durften schlafen.

Nichts Ungewöhnliches.

Nachtschicht wie eh und je – keine Aufgeregtheit, nichts von Weihnachtsfeier, keine religiös gesteigerte Erwartung.

Einfach Nachtschicht- wie hundertemale vorher.

 

Da passierte etwas völlig Unvorhergesehenes:

Der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie..

 

(andere Übersetzungen: Plötzlich trat ein Engel Gottes zu ihnen, und Gottes Licht umstrahlte sie (Hoffng.f.alle)/Und der Engel des Herrn stellte sich zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie../ Und ein Engel des Herrn stand bei ihnen, und Herrlichkeit des Herrn erglänzte ihnen /...und der Glanz des Herrn umstrahlte sie..(Einheitsübers.)

 

Ist ihnen schon mal ein Engel begegnet?

 

Ich habe verschiedene persönliche Geschichten gehört, wo Menschen sich sicher waren, dass Gott durch Boten zu ihnen gesprochen hat: oft in großer Not, manchmal in der Sterbestunde eines lieben Menschen, manchmal als Warnung vor der sicheren Katastrophe (In der Zeitung las ich über die Gasexplosion in Halle:...Ein vorweihnachtlicher Schutzengel hat am Samstag seine Hand über Halle gehalten... 40 Menschen obdachtlos, keiner umgekommen)

 

Wenn ich mir dieses plötzliche Eintreten eines Boten aus der unsichtbaren Welt Gottes in die monotone nächtliche Alltäglichkeit der Hirten vorstelle, dann finde ich diesen Moment äußerst packend.

Da war plötzlich Glanz im Hirtenalltag.

Ich spekuliere:

War es so hell wie das Flutlicht im Fußballstadion?

Hat der Glanz geblendet? Bestimmt waren sie benommen.

 

Denn auf den ersten Schreck kam gleich eine Besänftigung: Fürchtet euch nicht!

Und dann die Ankündigung großer Freude für alle: der Heiland wurde geboren.

Der Heiland und Retter für alle – und sie, die Hirten, werden als erste informiert.

 

Das war die Wende ihrer Nachtschicht und vielleicht auch die Wende ihres Hirtenlebens.

Bis dahin Plackerei und Flucherei – zimperlich gings in dieser Branche nicht zu -,

nun aber Packerei und Sucherei: schnell das Bündel packen, und ab ins Dorf zur besagten Futterkrippe zu dem Baby, von dem die Engel gesprochen haben.

 

Die Geschichte erzählt, wie die Hirten ihre Entdeckung begeistert weitererzählt haben, nachdem sie das Kind gefunden hatten.

Und warum?

Ihnen ist ein Licht aufgegangen – mehr noch: Ihnen ging das Licht des Lebens auf!

 

Auf der Vorderseite unseres Blattes sind über der Kerze noch eine Reihe Streichhölzer zu sehen. Nichts Ungewöhnliches. In Reih und Glied nebeneinander– ähnlich wie ich sie hier nebeneinander sitzen sehe.

 

Streichhölzer sind leicht entflammbar – besonders an ihrer Spitze. So ein Phosporkäppchen bewirkt den Zündfunken, sodass das Hölzchen von der Spitze her brennen kann. Aber diese hier sind noch unverbraucht, noch nicht angezündet.

 

Aber wie zündet man ein Zündholz an?

Indem man es an der entsprechenden Reibefläche reibt – oder indem es gleich in die Flamme gehalten wird.

So oder so – ein Zündholz ist zum Zünden oder An-zünden da; sonst erfüllt es seinen Zweck nicht. Dabei ist es angewiesen auf den Zündfunken, und es gibt dann die entstandene Flamme wieder weiter.

 

Ich will uns Menschen einmal mit diesen Zündhölzern vergleichen.

Unsere Bestimmung ist es, dass wir für etwas brennen:

Dass uns ein Licht aufgeht, und dass wir dieses Licht weitergeben wie die Hirten.

Jesus sagte mal ein feuriges Wort: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden, ich wünschte, es würde schon brennen...

Wo ist eigentlich die Stelle, wo wir am ehesten entflammen?

Wo ist bei uns die Stelle, von der die ganze Seele, das Leben entflammt wird?

Wo sollen wir uns hinbewegen, damit uns ein Licht aufgeht?

 

Ich möchte im Vergleich der Streichhölzer bleiben:

Was geschieht mit den Streichhölzern?

Sie reiben sich an einer Fläche, bzw. sie werden an einer Fläche gerieben.

Wo ist die Reibefläche, die unser Leben entflammt?

 

Wenn wir uns an etwas reiben, dann hat das oft eher etwas Negatives an sich:

- Wir reiben uns aneinander.

- Wir reiben uns an Aufgaben, die manchmal hart wie Granit sind.

- Wir reiben uns auf bei der Arbeit.

- Wir reiben uns wund an der Leidfrage: wie kann man nur soviel Elend aushalten..?

- Wir reiben uns heftig an der Beziehungsfrage: bin ich gemocht, geschätzt, steht der andere zu mir?

-Wir reiben uns an der Schuldfrage: wie kann ich das wieder gut machen?

 

Wir reiben uns am Leben – oft gerade an Weihnachten.

Das sind also unsere Reibeflächen, die durchaus auch zu Reibungs-verlusten führen..

 

Vor paar Tagen kam ich an eine Unfallstelle, kurz nachdem ein Auto bei einer Autobahnauffahrt an einem Leitungsmasten abgeprallt war. Kein Personenschaden. Aber ein bleicher, schmaler Mann, der um sein arg demoliertes Auto schlich und einsilbig sagte: Ausgerechnet an Weihnachten - schöne Bescherung! – Das Auto war wirklich hin, ein wunderschöner BMW. Mir tat der Mann leid. Aber er war nicht allein.

Ein guter Engel war auch schon da, dergestalt, dass gerade einer in Zivil vorbeikam, der bei der Feuerwehr arbeitet, solche Situationen kennt, und ganz ruhig packte er sein Erste-Hilfe-Köfferchen aus, beruhigte den Mann, und tat das Dringendste.

 

Reibungsverluste ausgerechnet an Weihnachten.

 

Machen wir unsre Fragen doch zu einer Frage an Gott!

In der Schuld-, der Leidfrage, in den Reibereien bei der Arbeit, in Beziehungen steckt auch die Gottes-frage.

-Warum ist das so in der Arbeit geworden?

-Weißt du, Gott, nicht den Richtigen, die Richtige für mich?

-Wendest du meine Schuld, kann ich sie dir geben?

-Woher kommt mein Leben, wohin geht es?

Gott – weißt du eine Antwort für mich?

 

Machen wir unsere Reibereien und Sorgen zu einer Frage an Gott!

Kommen wir – so wie wir sind – mit den Fragen, den Verlusten, den Reibereien zu Gott,- auch mit unseren Sehnsüchten.

Im Predigerbuch, einem alten Weisheitsbuch im Alten Testament, heißt es vom Menschen: Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt... (3,11)

 

In unseren Herzen gibt es Sehnsucht nach Ewigkeit.

Etwas, was schnell entflammbar ist.

-Es gibt so etwas wie eine Empfangsantenne für göttliches Reden.

-Es gibt etwas, was mitschwingt, wenn Gott auf seiner ‚Frequenz‘, in seiner Art, redet.

 

Bei den Hirten da hat’s gezündet: ‚Sie spürten genau – kein Spuk, kein Märchen, keine Sternschnuppe, keine durchgedrehte Nachtwache, sondern: da ist Gottes Reden.

Schon die Anrede typisch für Gott: ‚Fürchte dich nicht!‘ wie man es von früheren Propheten immer wieder gehört hatte. Kein Einschüchtern und Fertigmachen, sondern eine Riesenzuspruch.

„ Ihr dürft den Heiland entdecken,- den Retter: ihr dürft sogar die ersten Gratulanten sein!

Also: Nichts wie hin und suchen.

Wo ist die Krippe? Wo ist das Neugeborene?

 

Die Hirten kamen in Bewegung – und wie!

Sie suchten, und darum fanden sie auch.

 

Die Hirten kamen so zu Jesus, wie sie waren – und sie waren sicher nicht fein rausgeputzt, ihr Outfit war gewöhnlich, ihr Auftreten war ungelenk, ihr Gewissen war stumpf geworden – so, als Hirten, zwängten sie sich in den Stall und bestaunten diesen Heiland..

Seltsam: ein Kind - so ärmlich, hilflos – so soll der Retter sein?

Ein König auf Stroh, ein Retter im Futtertrog, ein Heiland für alle – sie erlebten den krassen Gegensatz zu den Fürsten und Königen, die sich in Jerusalem die Ehre gaben.

 

Was ging in den Hirten vor?

Der seltsame Eindruck vom Feld verdichtete sich immer mehr: hier geschieht etwas Wichtiges. Dieses Kind dürfen wir nicht vergessen. Auf diesen Retter wollen ich später hören!

Was geht in uns vor, wenn wir hören: Dir ist dein Retter geboren?

Machen wir uns auf den Weg zum Kind und schauen die Botschaft an?

 

dort beim Kind bleiben die Hirten anbetend stehen.

Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen;

und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.

 

Liebe Gemeinde, man kann das Wunder nur bestaunen: Gott wird Mensch.

Viele Menschen wollen Götter sein, doch nur ein Gott wollte Mensch sein.

Gott wird Mensch – und damit greifbar, an-greifbar, verletzlich.

 

Und dabei ging den Hirten ein Licht auf. Draußen auf dem Feld hat’s gefunkt, aber hier im Stall geht ihnen ein Licht auf.

Sonst würde hier nicht stehen:

Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten (V.17f)

 

Der Glanz auf dem Feld hat sie zum wahren Licht, zu Jesus, geführt.

 

Hier fingen die Hirten Feuer-sie wußten: Gott hatte zu ihnen geredet und ihnen das Licht gezeigt.

Er ist wirklich der verheißene Retter.

Auch Maria wurde bewegt und nach und nach erkennt sie die, dass der neugeborene Sohn den Menschen das Licht bringen soll.

Von Maria heißt es (V.19): Sie aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. (bewegen: symballo – Ich trage zusammen).

Eine wunderbare Erkenntnis formte sich im Herzen: eins zum andern wurde dazutragen – wie bei einem Puzzle - und dann kam das Verstehen...

 

Bei uns ist es mit der Gottes-frage, mit der Frage nach Jesus auch oft so:

Selten ist auf einen Schlag alles klar.

Aber eins kommt oft zum andern.

Verschiedene Erfahrungen, Beobachtungen, Bibelstellen, Berichte von Menschen werden zusammengebracht und im Herzen bewegt.

 

ZB:

-Ich staune über die unendlich schöne Schöpfung. Sie ist ein Glanzpunkt.

Gott sprach: es werde Licht und es wurde Licht u. Energie u. ein Plan, ein Kosmos.

 

-Ich staune über die Geburt Jesu und sein Leben. Ein Glanzpunkt im Plan Gottes. Er wird Mensch und lädt die anderen ein:

Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln bleiben, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh.8,12)

 

-Ich staune über den Endpunkt der Jesusgeschichte: Auferstehung zum ewigen Leben. Ostern ist ein weiterer Glanzpunkt in der Geschichte Gottes mit den Menschen.

 

-Ich staune über mein eigenes Leben, das geschenkte, unverdiente Leben – Gottes Handschrift in unserem persönlichen Leben: spüren Sie nicht auch darin einen Glanz?

Spüren sie nicht auch die Sehnsucht nach ewigem, göttlichem Leben?

 

Ich bitte sie nun:

-Machen Sie aus ihrem Staunen ein Gebet.

-Machen Sie aus ihrer Not ein Gebet.

-Reden Sie mit dem lebendigen Gott-der sich doch so klein und menschlich gemacht hat, dass man wirklich keine Angst vor ihm haben muss ...

‚Fürchte dich nicht. Dir ist dein Heiland geboren!‘

-Treten Sie aus ihrem Alltagstrott heraus, - und fangen sie an, mit Jesus zu reden.

Und dann wird Gottes Glanz sie erreichen und erfreuen..

 

(Am Ende der Bibel, im Buch der Offenbarung (22,5) heißt es, dass einmal unsere Lichter überflüssig werden, weil die Herrlichkeit Gottes alles überstrahlen wird:

„Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuche und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten ..“)

 

Wie schön muss es sein, im Licht Gottes zu leben!

In einem alten Gebet heißt es:

Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht (Ps. 36,10)

 

Jesus sagt etwa 30 Jahre nach seiner Geburt: Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln bleiben, sondern wird das Licht des Lebens haben.

 

Ich möchte, liebe Gemeinde, dass wir etwas von dem weihnachtlichen Glanz mitnehmen, dass wir selber licht werden und brennen.

 

Ein Kind kommt mit seiner Mutter an einer großen Kirche vorbei. „Die großen Fenster sind aber ganz schön schmutzig.“ Die Mutter sagt nichts, geht mit ihm in die Kirche hinein. Hier sind die Fenster, die von außen ganz grau und schmutzig aussehen, plötzlich strahlend bunt und leuchten in den hellsten Farben.

Das Kind sieht ein ganz besonders schönes Fenster.

Die Sonne strahlt durch eine Figur hindurch in den Raum.

„Wer ist das?“ „Das ist ein Heiliger, der heilige Martin.“

Ein paar Tage später im Religionsunterricht fragt der Lehrer: „Wer von euch kann mir sagen,, was ein Heiliger ist?“ Das Kind weiß es: „Ein Heiliger, das ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint!“

So soll es sein: das Licht von Jesus soll in uns und durch uns scheinen!

Sie bekommen nach dem Gottesdienst am Ausgang noch eine Erinnerung mit auf den Weg.

Jede Familie darf nach dem Gottesdienst ein Streichholzmäppchen mitnehmen.

 

Wenn sie dann heute oder später Kerzen anzünden – verwenden sie diese Streichhölzer und denken sie daran, dass auch wir entzündet werden müssen – vom Licht der Welt. Von Jesus. Amen.

 








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