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Predigttext

Marias Lobgesang
22-12-02 10:00
Alter: 8 yrs


VON: TH.ENZNER



Lukas 1, 46-56; 4. Advent


Stichworte: Maria, Machtstrukturen

Text: Lukas 1, 46-56

 

(46) Maria aber sprach: „Ich preise den Herrn (47) und singe vor Freude über Gott, meinen Retter! (48) Ich bin nur eine einfache Frau, ein unbedeutendes Geschöpf vor ihm, und doch hat er sich um mich gekümmert! Von nun an wird man mich glücklich preisen in allen kommenden Generationen; (49) denn Gott hat Großes an mir getan, er, der mächtig und heilig ist. (50) Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, über viele Generationen hin.

(51) Nun hebt er seinen gewaltigen Arm und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. (52) Nun stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. (53) Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort (54-55) Unseren Vorfahren hat er zugesagt, Israel Güte und Treue zu erweisen. So hat er es Abraham versprochen und seinen Nachkommen für alle Zeiten. Nun hat er sich daran erinnert und nimmt sich seines Volkes an.“

(56) Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabeth und kehrte dann wieder nach Hause zurück.

............

Predigtgedanken:

 

1 Maria, eine einfache Frau

– und doch hat sie Gott auserwählt.

2 Zementierte Machtstrukturen

– und doch stellt sie Gott auf den Kopf

...........

 

Liebe Gemeinde, besonders liebe Frauen,

 

kennen Sie die „Nur-Menschen“?

 

Menschen, die sagen:

„Ich bin doch nur eine Hausfrau?“ – und nicht berufstätig.

„Ich habe doch nur einen einfachen Schulabschluss“? – und darum kann ich ihm nicht das Wasser reichen.

„Ich komme doch nur aus Burgaltendorf“ – und darum kann ich hier nicht mitreden.

„Ich bin doch nur ein einfacher Mensch“? – und darum nicht so ein hohes Tier wie Dr. Soundso.

Bei diese Sätzen steckt schon die eigene Wertigkeit mit drin.

 

Das ‚Nur‘ signalisiert: ich will bescheiden bleiben.

Das ‚nur‘ ist manchmal aber schon eine eigene ‚Disqualifikation‘, im Sinne von ‚was tauge ich schon! Ich bin nicht so gut, so gebildet, so clever wie die anderen.‘

(Bei den Deutschen stellen sich die Hausfrauen leider oft mit ‚nur‘ vor – die amerikanischen Frauen etwas selbstbewußter, wenn sie sagen: Home-manager.)

 

Maria sagt in ihrem Lobpreis:

(48) Ich bin nur eine einfache Frau, ein unbedeutendes Geschöpf vor ihm, und doch hat er sich um mich gekümmert! (genau übersetzt: denn er hat hingesehen auf die Niedrigkeit seiner Magd.)

 

Maria war bescheiden, sie hat sich nicht höher eingeschätzt als sie es war.

Sie war wirklich unbedeutend.(Niedrigkeit):

 

Ein Mädchen von 15-16 Jahren, eine Allerwelts-Maria wie Tausende andere auch, eine Otto-Normal-Maria in einem kleinen verträumten Dorf. Sie stand bisher nirgends im Mittelpunkt.

Sie war schlicht, einfach, unbedeutend.

Sie war verlobt mit Joseph, ihm versprochen.

Sie war aber mit ihm noch nicht zusammen gewesen.

 

Und dann dies: Ein Engel spricht sie an.

Sie erschrickt. Sie wird vom Boten informiert:

Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein ..und sein Reich wird kein Ende haben (V.31-33)

 

Das ist eine gewaltig Botschaft. Sie wird in das große Vorhaben Gottes hineingezogen.

Der Schrecken weicht dem Staunen und schließlich der Zustimmung:

Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. (V.38)

 

Und nebenbei wird ihr noch gesagt, dass die alte kinderlose Cousine Elisabeth, sie ging schon in den Seniorenkreis, hochschwanger sei, weil Gott das so wollte, und weil er sie auch in seinen Heilsplan einbezogen hatte.

 

Maria staunt über das, was bei ihr kommen soll, und über das, was am andern Ende der Verwandtschaft in einem Dorf im judäischen Gebirge schon begonnen hat.

Sie beschließt: Ich muss mit Elisabeth reden. Ich muss sie besuchen.

Und so macht Maria eine schätzungsweise 3-Tagesreise, um Elisabeth zu besuchen.

 

Da passiert es plötzlich, als Maria ihre Verwandte mit dem dicken Bauch sah, dass Elisabeth anfing, in einer besonders ungewohnten Art Maria zu ehren und zu preisen - Gottes Geist hat sie dazu angestiftet. Seltsames Bild: die eine vielleicht 16 Jahre, die andere vielleicht 70!

Dadurch gerührt und angestoßen, nimmt Maria das Lob auf, und fängt ihrerseits Gott zu loben an: über die eigene Erwählung und über Gottes Heilsplan. In ihrem Lob sind 2 Dinge:

 

1. Die eigene Erwählung – obwohl sie doch nur eine einfache Frau ist.

 

V. 46-50: .... Ich bin nur eine einfache Frau, und doch hat er sich um mich gekümmert!

(Luther: Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen..)

Was für ein wunderbares Gefühl, schwanger zu sein! Als Mann schicke ich mich in das Schicksal eines Beobachters, dem eine Schwangerschaft eben nicht möglich ist.

 

Ich beneide jede Frau, die mit einem stolzen Bauch daherkommt, - wir Männer haben höchstens einen Bier-Bauch, schwanger durch Bier oder sonstigen Genuss.

Frauen erleben, wie kostbar entstehendes Leben ist, wie es heranreift, wie man selbst soetwas wie ein Schöpfer und Gestalter des Lebens ist.

Obwohl die Schwangerschaft den Verlobten Joseph ziemlich in Verlegenheit gebracht hat, ist Maria stolz auf ihre Schwangerschaft durch den Heiligen Geist.

Sie wird es nicht ganz verstanden haben – aber schwanger ist eben schwanger.

Und damals war es mit 16 nicht unüblich, schwanger zu sein.

Das ist das Eine, was sie so froh macht: Sie ist schwanger, zum ersten Mal!

 

Das Zweite: Gott ist mit im Spiel. Es ist Gottes Wille, diese Schwangerschaft.

Es ist Gottes Absicht, über diese Schwangerschaft weltweite Rettung und Versöhnung herbeizuführen.

Sie wird den Messias, auf den so viele warten, zur Welt bringen.

Wahnsinn – wie kann man das begreifen...

In ihrem Glück ist sie – mit der Verwandten zusammen – richtig aus dem Häuschen.

 

Ich preise den Herrn und singe vor Freude über Gott, meinen Retter! (V.46)

Meine Seele erhebt den Herrn.. so heißt es bei Luther.

Magnifikat anima mea Dominum.. (EG 588) so heißt es im Lateinischen.

 

Meine Seele macht den Herrn groß! Gott loben heißt ‚Gott groß machen‘.

Was für einen großen Gott haben wir, wenn er das Niedrige auswählt, wenn er der unfruchtbaren Elisabeth einen Sohn schenkt, - den späteren Vorläufer Jesu, Johannes den

Täufer!

 

Was für eine Freude, dass Gott nicht nur das Hohe und Besondere und Erhebende, die Menschen mit Titel und Prädikat sieht, sondern den einfachen Mann, die einfache Frau.

 

Keiner kann sich jetzt entschuldigen, und sagen: Ich bin doch ‚nur‘...

Seit Maria kann keiner sagen: Mich sieht keiner.., ich bin doch nur eine Hausfrau!

Doch - von Gott aus bist du gesehen, an – gesehen!

Du bist eine angesehene Frau, ein an-gesehener Mann.

Weil du unter Gottes Gnade stehst.

Maria ist auch etwas für die evangelische Frömmigkeit, nicht nur für die Katholischen.

 

Seit Maria darf keiner mehr sagen: Ich bin über-sehen, keiner kümmert sich um mich!

Doch: Gott sieht auch den an, der von den Menschen über-sehen wird.

 

Wenn Sie so eine Nur-Haltung haben, denken sie dran:

Sie sind ein an-gesehener Mensch vor Gott!

Sein Heilsplan geht niemals an den einfachen Menschen vorbei.

 

Der zweite Gedanke des Lobes: das Programm Gottes.

 

Gott stellt alles auf den Kopf.

-Ist die Macht noch so festzementiert – sie wird doch umgeworfen.

-Sitzt ein Machthaber noch so fest im Sattel – er wird doch von einem Tag auf den andern von seinem hohen Ross gefegt.

 

Schauen wir nach Den Haag, wo das Kriegsverbrechertribunal über Milosevic und andere zu urteilen hat. Vor 10 Jahren waren sie noch im Rausch ihrer Machtfülle, jetzt sitzen viele wie ein Häufchen Elend auf der Anklagebank.

 

Das Programm des Retters ist revolutionär.

Das Loblied hört sich an wie ein Protestlied auf der Straße.

Gott stellt die Machtstrukturen auf den Kopf.

 

Das Programm verlängert die Gotteserfahrung einer Elisabeth und Maria in die Gesellschaft hinein: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Wenn er uns schwanger machen kann, dann kann er auch mit dem linken Finger den Herodes, oder den Statthalter von Jerusalem oder den Kaiser von Rom, oder sonstwen davonjagen.

 

Kaiser Augustus, der Herrscher des gesamten Mittelmeer-Raumes und auch der Machthaber von Palästina – wer kann ihn stürzen?

Und doch hat Gott diesen Wichtigtuer, der sich selber als Gott verehren ließ, als kleinen Wicht in seinen Heilsplan eingebaut, - indem er seine Steuerschätzung benutzte, um den Joseph in die Stadt der Verheißung, von Nazareth nach Bethlehem zu bringen.

 

Die Taliban in Afghanistan wurden in ihrer Anmaßung menschenverachtend, -aber in kurzer Zeit wurden sie weggefegt.

Das tausendjährige Reich von Hitler hielt grade mal so 12 Jahre – ganz schön wenig.

 

Wie sehr sehnen wir uns nach Gerechtigkeit!

Wie groß ist das Machtgefälle, das keiner mehr so richtig versteht.

Ein Heer von Arbeitslosen,- aber Manager, die teilweise ihre Firmen losgeworden sind, oder die Aktiengesellschaft dem Bestbietenden verkauft haben – die bekommen soviel Millionen, dass sie die gar nicht mehr ausgeben können. Und an der Basis werden die Stellen gestrichen.

 

Aber diese Machtstrukturen sind vorläufig – sie sind nicht auf ewig zementiert.

Gott kann sie auf den Kopf stellen.

 

So macht es Gott mit den Machthabern.

Sie meinen, die Macht in den Händen zu haben, aber eigentlich sind sie auch Werkzeuge eines noch Höheren. Im Regiment sitzt Gott – und nicht Schröder, oder Bush, oder Hussein oder sonstwer. Sie alle sind nur kleine Sandkörnchen im göttlichen Plan der Weltgeschichte.

 

Das Reich Gottes, das durch Jesus Christus, den Messias, aufgerichtet wird und seinen Anfang genommen hat, - das läuft und wächs, sozusagen im Hintergrund der Weltöffentlichkeit.

 

Beim Computer ist es auch so: im Vordergrund läuft ein Programm, mit dem man gerade arbeitet – aber im Hintergrund läuft auch oft ein Programm, das wir nicht sehen (zB ein Virenschutzprogramm)

 

Dieses Programm, das im Hintergrund der Weltgeschichte läuft - ist Gerechtigkeit, Güte, Frieden und Wohlstand für die Hungernden.

Dem Abraham schon verheißen und in Jesus Leben sichtbar geworden.

 

Maria lobt Gott und sieht, das das, was an ihrem Leib passiert – nicht nur auf ihr eigenes Leben beschränkt sein kann: Der Messias ist für alle da.

 

Der Messias erhebt alle Niedrigen. Der Messias sieht auch den an, der von andern übersehen wird.

So bekennen wir es, liebe Gemeinde, im Vaterunser: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Und Jesus hat es am Schluss seinen Freunden versprochen:

Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.

Liebe Gemeinde, 4. Advent – Vorfreude auf das, was kommt. Vorfreude auf den, der schon vor der Tür steht.

 

Darum: Freut euch im Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

 








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