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Predigttext

Auf wen warten wir eigentlich?
01-12-02 10:00
Alter: 8 yrs


VON: TH.ENZNER



Matthäus 21, 1-11; 1. Advent


Stichworte: Ankunft, Advent, König

 

(1)Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus (2) und sprach zu ihnen:

Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir!

(3) Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.

(4) Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9)

(5) „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“

(6) Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte,

(7) und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.

(8) Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

(9) Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie:

Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

(10) Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und fragte:

Wer ist der? (11) Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

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Predigtgedanken: 1. „Hosianna“ – Welche Sehnsucht treibt uns?

2. „Siehe, dein König kommt!“ – Was zeichnet ihn aus?

3. „Wer ist der?“ – Eine Frage für uns alle.

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Liebe Gemeinde,

 

haben Sie nicht auch manchmal ‚Hosianna-Gefühle‘?

 

Die schlaflose und sorgenvolle Nacht ist vorüber und ein strahlender Morgen beginnt.

Im Lied haben wir‘s gesungen: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern..

Viele geplagte Nächte hat Jochen Klepper durchgemacht.

Eine überstandene Operation und alles ist wieder gut: Hosianna!

Das erwartete erste Kind ist da, und alles ging gut: Hosianna!

Nach dem dunklen Totensonntag mit den schmerzlichen Erinnerungen jetzt das neue Kirchenjahr mit einem fröhlichen Anfang: Hosianna!

 

Manchmal denke ich – im Gottesdienst oder bei besonderen Christentreffen – so müsste es immer sein. Genau so. Es ist stimmig. Es ist fröhlich und unbeschwert. Es ist mit Gott alles klar! Es sind keine quälenden Fragen da. Wunderbar: Hosianna!

Sprachlich heißt das: „Hilf uns doch!“ Oder „Rette uns doch!“ Oder „Bring uns das Heil!“

 

Früher – noch als Kind – war ich ziemlich gerührt, wenn an Heilig Abend das „O du fröhliche!“ in einer abgedunkelten Kirche gesungen wurde. Aber jetzt – durch die Inflation der Weihnachtslieder in Adventsfeiern und in den Geschäften – ist dieses Gefühl nicht mehr so da.

 

Wann hatten Sie das letzte Mal ein „Hosianna-Gefühl“?

 

Letztes Wochenende war ein Treffen der Willow-Creek-Bewegung Deutschland in Oberhausen. Leiter und Mitarbeiter aus den verschiedensten Gemeinden hatten sich 2 ½ Tage in der großen Arena am Centro getroffen. Es waren über 8000 Mitarbeiter dort.

Bill Hybels und andere sprachen zum Thema ‚Geistlich leiten‘. Viele Einsichten und viele Eindrücke. Aber wenn dann gesungen wurde, ging bei einigen Liedern richtig das Herz auf, zumindest bei mir.

Ich war beglückt, wieviele Menschen im Überschwang laut und klatschend und jubelnd Gott loben können.

Und ich mittendrin – mit noch ca. 20 Leute aus unserer Gemeinde mit dabei.

Das war also mein letztes Hosianna-Gefühl!

 

Und damals?

Ein Hosianna-Geschei, ein großer Empfang für Jesus vor den Toren Jerusalems.

Mit großem Applaus standen die Leute am Weg, bildeten ein Spalier, ließen Jesus hochleben, die Kinder waren ganz aus dem Häuschen.

Zeichenhafte Huldigungen waren da, Kleider wurden auf den Weg gelegt, denn der rote Teppich fehlte, mit Palmzweigen wurde gewunken, wie man es eben vom Laubhüttenfest her kannte..

Die Leute spürten: dieser Jesus ist der Besondere, der Eine, vielleicht der Einzige, der von Gott geschickt wurde... der ‚Davidssohn‘, der Messias und göttliche König.

Hosianna dem Sohn Davids!

Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!

Hosianna in der Höhe!

Dieser Jesus, der so vielen Kranken geholfen hatte, der vor kurzem noch den Lazarus aus dem Tod geholt hat, eben in dem Dorf Bethanien nebenan.

Dieser Jesus, der wie kein anderer mit Worten den Anspruch Gottes verkündete, der zieht jetzt wie die anderen Festpilger zum Passahfest nach Jerusalem ein.

 

Beim Passahfest wimmelte es von Pilger, die alle zu Fuß, oft von Jericho hoch über den Ölberg nach Jerusalem kamen. Historiker sprechen bei diesen Festen von 100 000 Leuten, um die Stadt wimmelte es wie bei einem Ameisenhaufen.

Dieser Jesus – der muss es sein – denken manche.

Jetzt oder nie: die Königsherrschaft wird gleich aufgerichtet.

Die römischen Besatzer sind wir leid, jetzt keimt neue Hoffnung auf.

 

Irgendeiner fing an ‚Hosianna‘ zu schreien – und schon war dieser Satz da, der einem bekannten liturgischen Psalm entnommen ist. Hosianna wird nicht gesungen, sondern geschrien! Ein Jubel, der nicht mehr zu kontrollieren ist.

Es ist wohl eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen, die plötzlich zu diesem eigenartigen fröhlichen Königseinzug führte.

Die Leute spürten:

Gott tut etwas Gewaltiges. Etwas spitzt sich zu. Etwas wird kommen. Advent, Ankunft.

Es ist auch eine Gefühlsmischung, wenn heute Leute von Jesus begeistert sind.

Gestern beim Ten-Sing Konzert skandierten am Schluss die 50 Jugendliche Je-sus.

Und sie wollten einfach ihre Freude zeigen, dass sie jemand an die Hand genommen hat.

Sicher stimmt es: Damals wie heute schwingt der emotionale Augenblick mit.

Damals wie heute lassen sich Leute mitreißen und wissen gar nicht, was Hosianna heißt.

Aber bei einigen liegt viel Erwartung und Glauben im Hosianna-Rufen:

Und die Erkenntnis: ich schaffe es nicht, ich bin es nicht wert, ich habe Not und Mangel, ich bin schuld brauche einen Retter.

 

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit,

ein König aller Königreich, ein Heiland aller welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt: Gelobet sei mein Gott, mein Schöpfer reich von Rat.

 

2. „Siehe, dein König kommt!“ – Was zeichnet ihn aus?

 

Matthäus hat in seinem Evangelium schon kommentiert (V.4-5). Für ihn ist das die Erfüllung von Sacharja 9,9 wo der Messias in anderer Gestalt verheißen wird: Ein König, auf einem Esel reitend, einfach, schlicht, sanftmütig.

Martin Luther hat ihn als ‚Bettelkönig‘ beschrieben.

 

Siehe, dein König kommt! – Eine Ansage für uns alle.

Moment, werden manche sagen, ich will erst wissen, wie der König ist und aussieht, bevor ich ihm applaudiere und mich in das Ehrenspalier für ihn einreihe.

 

Was ist für ihn typisch für ihn? Hier einige Kennzeichen:

 

- Er ist ein prophetisch begabter König.

Seine Jünger schickt er aus, um zwei Esel zu ordern – er gibt Anweisung, wie sie diese Esel mitnehmen können und wie der Besitzer seine Zustimmung gibt.

 

- Es ist ein König ohne Krone, unüblich.

Ein König mit Macht-, Gewaltverzicht, ohne Imponiergehabe, - sonst hätte er eine Krone, ein Zepter, einen Königsmantel an.

Auf einem gewöhnlichen Lasttier, nicht auf einem schönen Schimmelhengst.

(Heutiger Vergleich eines Fortbewegungsmittels: ein Pritschenwagen, ein gebrauchtes Fahrrad, ein .... Hauptsache, es kann etwas transportieren)

 

Ein Mann mit einem schnellen Wagen üeholt auf einer einsamen Landstraße einen alten Mann, dr langsam auf seinem Esel den Weg entlang reitet. Er hält und ruft dem älteren zu: „Soll ich Sie mitnehmen, mein Auto hat 300 Pferdestärken und ist viel schneller als Ihr Esel. Kommen Sie, steigen Sie bei mir ein, ich nehme Sie gerne mit.“ – „Nein, vielen Dank“, antwortet der Alte, „mir ist mein Esel lieber, und ich mag es so langsam!“

Der Autofahrer gibt schneidig Gas, rast los, und kommt in der nächste Kurve von der schmalen Straße ab und saust mit seinem Wagen in einen flachen Tümpel neben der straße. Bald daruaf kommt der alte Mann auf seinem Esel vorbei und ruft dem wagenbesitzer zu: „Was machen sie denn da im Wasser, tränken Sie Ihre dreihundert Pferde?“

 

In Essen hat die große Auto-und Motor-Show begonnen. Was wird bestaunt? Das Schnelle, Starke, Hervorstechende, Auffällige, Chromblitzende, das Verrückte usw., aber es wird nicht ein Allerwelts-Gebrauchsauto, irgendein gebrauchter älterer Golf bestaunt.

 

- noch ein Kennzeichen:

Jesus hatte eine Anziehungskraft für viele und auch einfache Leute. ‚Das ist unser Mann!‘ dachten sie. ‚Die Menge‘, ‚das Volk‘, die ganz gewöhnlichen Festpilger jubelten ihm zu.

Nicht die sog. Verantwortungsträger, die politischen und religiösen – die waren in der Stadt. In den Jesus-Filmen ist diese Einzugsszene eindrücklich. Unten auf dem Weg die Menschen mit Jesus den Hang hinaufziehend zu zur Stadtmauer Jerusalems, oben auf der Mauer schon die Schriftgelehrten, die religiösen Aufpasser die ganze merkwürde Szene skeptisch beobachtend.

 

- Ein weiteres Kennzeichen:

Jesus handelt souverän wie ein König.

Er beherrscht das Geschehen. Er wusste, dass sich jetzt alles zuspitzen würde. Er wurde nicht von der Hosianna Rufen der Umstehenden zum König hochgejubelt – er handelte schon immer als König. Ein König behält die Fäden in der Hand. Jesus hält das Geschehen in der Hand, - bis ihm das Regiment im Garten Gethsemane aus der Hand genommen wurde.

 

Die Königsmerkmale: ohne Krone und äußere Macht / keinen Prestige-Fortbewegungsmittel / souverän

 

„Siehe, dein König kommt zur dir!“ – das ist eine persönliche Ansage „Dein König“.

 

Der König kommt nicht, um Wählerstimmen für sich zu gewinnen, wie wir es in der Demokratie gewohnt sind.

Er ist nicht auf unsere Zustimmung angewiesen, er kommt, weil er König ist und uns, ja dich, besuchen will.

Siehe, dein König kommt zu dir!

 

Und damit sind wir beim 3. Gedanken: ‚Wer ist der?‘:

 

Sein Anspruch sollte gründlich geprüft werden: Wer ist der?

Nach Jesu Einzug wurde der König Jesus zum Stadtgespräch: Ist er es jetzt, oder ist er es nicht? Von der Antwort hängen Konsequenzen ab.

 

V. 10f: und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze stadt und fragte:

Wer ist der? Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Schon zu früheren Zeiten wurde gefragt: Wer ist der, der da Kranke heilt?

Wer ist der, der solche großen Worte sagt?

 

Als Jesus 5 Kapitel vor unserem heutigen Text seine Jünger fragte, was denn die Leute so über ihn sagen, da berichteten sie ihm. Die einen sagen, er sei Johannes der täufer, andere, er sei Elia, oder Jeremia oder ein anderer – wieder auferstandene – Prophet. Dann fragte Jesus seine Freund direkt: Und ihr? Was meint ihr? Etwas Verlegenheit und dann sagt Petrus: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! (Matth. 16, 13-16)

 

Dieser Frage wird keiner entgehen. Viele bekennen wie Petrus: Du bist der Sohn Gottes!

Andere haben noch keine Antwort. Es bleibt dabei: Wer bist du?!

 

Hier hört mein Argumentieren und auch Predigen auf: Ich muss bekennen, ich kann das ihnen auch nicht erklären.

Nachdem ich so viel studiert, gelesen, diskutiert habe, werde ich an dieser Stelle immer kleinlauter -–und möchte das allein dem Geist Gottes überlassen.

Natürlich bin ich parteilich und werde Jesus als König und Gottessohn bekennen, aber erkennen – das kann nur jeder für sich.

Und das kann nur Gott dem Einzelnen offenbaren. Genau wie damals bei Petrus.

Jesus antwortet ihm nach dessen Bekenntnis:

‚Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel! (V.17)

 

Meine Bitte zum Schluss: Machen Sie aus ihrem Hosianna-Gefühl und ihrer Sehnsucht ein Gebet:

-Bitten Sie Jesus, dass er sich als König zeigt.

-Erlauben Sie Jesus, dass er in ihr Leben – oder in bestimmte Lebensräume eintritt – und seine wohltuende Herrschaft aufrichtet.

-Erlauben Sie ihm, dass er kommt und dass es ein schöner Advent wird – mit Frieden, Heil und Segen. Wie es im Lied heißt:

..der Heil und Segen mit sich bringt, derhalben jauchzt mit Freuden singt..

Sie werden’s dann schon merken, welcher Art dieser König ist.

Sie werden dann spüren, wonach sie sich eigentlich gesehnt haben.

Nehmen Sie jetzt teil an dem königlichen Mahl, das Jesus eingesetzt hat, um uns damit zu beschenken.

„Siehe, dein König kommt zu dir!“ Amen.

 








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